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Japaner erlernte in Staudach das Bäckerhandwerk

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Yasuto Washida in der Bäckerei Noé in Staudach, wo er das Bäckerhandwerk erlernte. Der Japaner mag aber nicht nur Brezen, sondern auch Schweinsbraten. (Foto: Hötzelsperger)

Staudach-Egerndach – Eigentlich wollte Yasuto Washida aus Nagoya, der drittgrößten Stadt Japans, Profifußballer in seinem Heimatland werden. Doch jetzt ist er fertig ausgebildeter Bäcker im Chiemgau. Und Yasuto ist über diesen beruflichen Kurswechsel überaus glücklich. Aufgrund seiner guten Prüfungsergebnisse konnte er jetzt in der Berufsschule in Traunstein sogar einen Staatspreis für das Bäckerhandwerk entgegennehmen.


Bis zum Gesellenbrief war es für den Japaner im wörtlichen Sinne ein weiter Weg. Sein erster Kontakt mit Deutschland und Bayern erfolgte im Rahmen einer Besichtigungsreise. Gemeinsam mit seinem Freund Take kam er vor fünf Jahren nach Prien. Der Freund erlernte dort den Beruf des Metzgers. Zurück in Nagoya, eröffnete dieser eine kleine Metzgerei mit Weißwürsten, Leberkäse und Bio-Produkten.

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»Deutsch ist nicht schwer, aber Bairisch...«

Auch bei Yasuto hinterließ der Besuch in Bayern einen bleibenden Eindruck: »Als ich in Prien war, da begeisterte mich eine Breze. Als ich diese in der Hand hielt, dachte ich mir: 'So etwas möchte ich auch mal machen können.'« Der Freund stellte dann den Kontakt in den Chiemgau her und schließlich bekam Yasuto einen Ausbildungsplatz bei Brot und Kuchen Noé in Staudach in Aussicht gestellt.

Nachdem vielerlei bürokratische Hürden überwunden waren, erfolgte die Zusage. Die Sprache war schon bald kein Hindernis mehr, denn Yasuto lernte mit Begeisterung bei der Volkshochschule Chiemsee in Prien Deutsch. »Deutsch ist nicht schwer, aber Bairisch zu verstehen, das hat etwas länger gedauert«, erinnert sich Yasuto, der ganz in der Nähe der Bäckerei in Staudach auch eine Wohnung fand.

Schnell freundete er sich mit seiner Vermieterfamilie und den Wohnungsnachbarn an, besonders freute er sich über Einladungen zum Schweinsbraten-Essen. Aber vor allem lernte er in der Bäckerei Noé viel über die Herstellung von Broten, Brezen und Semmeln oder den Umgang mit Blätter- und Plunderteig. Letztlich schaffte der japanische Bäckerlehrling seine Gesellenprüfung bereits nach zweieinhalb Jahren, also mit einer Lehrzeitverkürzung.

Ehe er mit den erlernten Fähigkeiten zurück nach Japan gehen wird, möchte Yasuto mit der Chieminger Bäckerei Stumhofer noch einen weiteren Betrieb kennenlernen und schließlich auch noch die Meisterschule besuchen. Seine Frau und die fünfjährige Tochter in Nagoya müssen sich darum noch etwas gedulden bis zu seiner endgültigen Rückkehr. »Wir schaffen das, bisher haben wir uns jeweils mindestens einmal im Jahr gegenseitig besucht«, sagt der Nachwuchsbäcker, der inzwischen viel von Bayern und dem Salzburger Land gesehen hat. Und er hat im Chiemgau auch Kontakt zu japanischen Landsleuten, unter anderem mit dem Jodler Takeo Ischi in Reit im Winkl.

Nach bestandener Meisterprüfung will Yasuto daheim in Nagoya eine kleine Bäckerei eröffnen. Dann wird er bestimmt auch sein Gesellenstück, einen kunstvoll gestalteten Kranich, der derzeit bei der Staudacher Bäckerei aus dem Fenster schaut, mitnehmen und ausstellen. Er wird ihn immer an seine Bäckerausbildung in Bayern erinnern. hö