Bildtext einblenden
»Wir sind einen großen Schritt nach vorne gekommen – mit weiterer Entschuldung, Entlastung für die Kommunen sowie Investitionen für die Zukunft«, betonte Landrat Siegfried Walch in Zusammenhang mit den Finanzen des Landkreises. Foto: dpa

Jahresrückblick von Landrat Siegfried Walch in der Kreistagssitzung

»Wir müssen zusammenstehen« – dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch den Jahresrückblick von Landrat Siegfried Walch in der Kreistagssitzung. Gemeinsam habe man schon viel erreicht. Doch lägen weitere große Aufgaben vor dem Landkreis Traunstein mit seinen 35 Städten, Märkten und Gemeinden. Der Landrat wörtlich: »Lasst uns alle Projekte gemeinsam gestalten. Dann bleiben wir erfolgreich.«


»Letztes Jahr habe ich mir gewünscht, dass wir im Kreistag 2021 nicht wieder über Corona reden müssen. Corona spaltet. Aber es gibt 100 andere Themen, in denen wir uns einig sind und in denen wir die Region vorangebracht haben«, betonte Walch. Im Bereich Soziales habe der Landkreis viele Investitionen getätigt. Traunstein sei einer der wenigen Landkreise, der noch eigene Alten- und Pflegeheime betreibe. Mitte 2022 werde die für 18 Millionen Euro neu gebaute Einrichtung in Palling bezogen. Das Heim werde bequemer für die Bewohner und besser für die Mitarbeiter.

Der Landkreis wolle sich weiterhin selbst um die alten Menschen in der Region kümmern, zugleich aber auch um die Generationen, »die aktive Wertschöpfung betreiben müssen«. Als Beispiel nannte der Landrat das Thema »Soziales Wohnen«: »Der Normalverdiener soll adäquaten Wohnraum finden. Vor zehn bis 15 Jahren sind viele junge Leute weggezogen. Heute sind wir wieder Wachstumsregion.« Der Landkreis müsse sich aktiv um Wohnraum bemühen – »um die Region vor dem Ausbluten zu bewahren«. Zusammen mit den Kommunen gelte es, stärker zu verdichten, mehr nach oben zu bauen. »Wir haben jeden Quadratmeter nur einmal«, hob Siegfried Walch heraus. Der Landkreis müsse selbst bauen und als staatliches Landratsamt mehr Projekte genehmigen. Heuer seien rund 1200 Bauanträge, ein Viertel mehr als 2020, bewilligt worden: »Die Genehmigungspraxis ist ein Baustein, mehr Wohnraum zu generieren.« Dazu schaffe der Landkreis auch direkt Wohnraum über den Zweckverband Heimat.Chiemgau, obwohl er dafür eigentlich nicht zuständig sei.

Der Chiemgau GmbH seien mittlerweile alle 35 Kommunen beigetreten, informierte Walch weiter. Alle Vorhaben sofort zu schaffen, sei nicht möglich. Ein Instrument für die Zukunft sei der Schwerpunkt »Digitalisierung«. Große Probleme bereite der Mangel an Fachkräften. Dem gelte es, entgegen zu wirken, etwa mit Hilfe des Projekts »Campus Chiemgau« in Traunstein. An der Hochschule finde bereits Unterricht statt. Ein Professor habe seine Arbeit am Interimsstandort am Stadtplatz in Traunstein aufgenommen, zwei weitere Professoren kämen in Kürze hinzu. Walch sprach von »einem unheimlichen Drive«.

Daneben sei der Landkreis für 14 Schulen in seiner Trägerschaft und eine über einen Zweckverband zuständig – mit Investitionen heuer von 28,2 Millionen Euro. Unter anderem gebühre dem Landtag Dank für Fördermittel von etwa einer Million Euro im Jahr 2021 aus dem Kommunalpakt. Zentrales Projekt sei der Neubau der Realschule Trostberg. »Wir sind froh, die Türen – die zunächst nicht lieferbar waren – nach Ostern öffnen zu können«, meinte der Landrat augenzwinkernd. Im Bereich »Bauen« verwies Walch auf den Landkreis als Vorreiter beim »digitalen Bauantrag«. Mit den neuen Prozessen stelle dieser für die Mitarbeiter noch immer eine große Herausforderung dar. Die Kreisräte unterstrichen ihren Dank und Anerkennung – wie häufig in der Sitzung – mit reichlich Applaus.

»Bei den Finanzen sind wir einen großen Schritt nach vorne gekommen – mit weiterer Entschuldung, Entlastung für die Kommunen sowie Investitionen für die Zukunft«, zeigte sich Walch stolz. Seit 2014 seien die Kreisschulden von etwa 70 Millionen Euro auf inzwischen 23,5 Millionen Euro gesunken: »Wir haben zwei Drittel unserer Schulden abgebaut und dennoch so viel wie nie in die Zukunft investiert. Gleichzeitig haben wir die Kreisumlage gesenkt. 2002 war sie zuletzt auf dem jetzigen Stand. Seit 2014 haben wir die Gemeinden und Städte um sieben Prozentpunkte entlastet.«

2022 werde der Bau der Kurzzeitpflegestation am Klinikum Trostberg begonnen, kündigte Walch für die kommende Zeit an. Die Planungen lägen vor. Beschlossen habe man bis jetzt fast 40 Millionen Euro für sozialen Wohnungsbau. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen werde weiter gestärkt durch die Chiemgau GmbH, die Anfang 2022 ihre Arbeit starte. Am Campus Chiemgau entstünden neue Studiengänge. 100 Millionen Euro seien vorgesehen für die Staatliche Berufsschule I in Traunstein: »Wir bauen neu und kompakter. Der Architektenwettbewerb hat schon stattgefunden. 2022 wird das Planungsjahr. Baubeginn wird 2023 während des laufenden Schulbetriebs sein.« Auch in den Sektor »Ökologie« werde der Kreis noch viel Geld stecken – zum Beispiel an Schulgebäuden, um die Energieeffizienz weiter zu stärken.

Landrat Walch fasste zusammen: »Wir sparen nicht an Projekten, wollen den letzten Schritt beim Schuldenabbau in den nächsten zwei Haushaltsjahren auch noch schaffen. Dann haben wir viel mehr Spielraum.« Das untermauerte er mit Verweis auf acht Millionen Euro für Zins und Tilgung von Krediten im Jahr 2021: »Das Geld wird frei für Investitionen.«

kd

Mehr aus der Stadt Traunstein