weather-image

Ja zur Olympia-Bewerbung 2022

Ruhpolding. Der Gemeinderat befürwortet eine Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022. Dieser Beschluss wurde mehrheitlich in der jüngsten Sitzung gefasst, die von der Öffentlichkeit außerordentlich gut besucht war. Bevor es zur Abstimmung kam, entbrannte eine lange, kontroverse, aber dennoch sachliche Diskussion.

Der Leiter des Biathlonzentrums, Engelbert Schweiger, stellte zunächst die Konzeptstudie für eine mögliche Bewerbung vor. Er ging dabei auf Themen ein, die den Gemeinderat und die Bevölkerung Ruhpoldings betreffen. Aus den Fehlern für die Bewerbung für 2018 habe man gelernt, sagte er. Dem in der Studie dargestellten Bewerbungskonzept sei eine ausführliche Überprüfung aller Neustandorte gegenüber der vorhergehenden Bewerbung vorausgegangen. Somit sei Ruhpolding mit dem modernen und nachhaltigen Sportzentrum wieder im Rennen. »Dort, wo wir bei der Weltmeisterschaft bis zu 30 000 Zuschauer gepackt haben, würden wir bei den Olympischen Winterspielen auch die geplanten 23 000 packen.«

Anzeige

Dass Ruhpolding nun auch für die Langlaufwettbewerbe vorgesehen sei, habe die Steuerungsgruppe so entschieden, fuhr er fort. Auch Inzell und Reit im Winkl wären als Austragungsort vorgesehen gewesen, kamen aber letztlich wegen der Homologisierung des Streckenverlaufes nicht zum Zug. Zudem habe der Wunsch bestanden, Biathlon und Langlauf nicht zu trennen. Nach der Konzeptstudie sei ein temporäres Skistadion mit einem Fassungsvermögen von 4000 Zuschauern geplant, weitere 16 000 Zuschauer würden an den Loipen stehen.

Keine Schutzgebiete oder FFH-Flächen betroffen

In dem Vorschlag zur Streckenführung seien keine Schutzgebiete oder FFH-Flächen betroffen, betonte Schweiger weiter. Nach den Spielen würde die Sportanlage wieder komplett zurückgebaut werden, was aber bliebe, wäre die touristische Nutzung der Strecken. »Damit hätten wir viel gewonnen«, hob er hervor. Dieser Vorschlag wäre aber nicht zu realisieren gewesen, wenn nicht alle 15 Eigentümer damit einverstanden gewesen wären. »Ein überwältigendes Ergebnis und ein toller Beweis, dass die Verträge keine Knebelverträge sind.« Die Kosten für das temporäre Stadion würden aus dem sogenannten »Non-OCOG Budget« bestritten werden, also dem Investitionsbudget für olympiaabhängige Kosten, die nicht die Gemeindefinanzen belasten.

Bürgermeister Claus Pichler ergänzte, dass es sich hier erst um eine Grobplanung handele. »Vor allem die sportfachlichen Kriterien sprachen für die Ausrichtung der Langlaufwettbewerbe.« Sollte es am 10. November zu einer positiven Zustimmung durch die Bevölkerung kommen, müssten die Planungen verfeinert werden. Er erinnerte aber daran, dass sich die Landeshauptstadt München für die Spiele erneut bewerbe und Ruhpolding als Veranstaltungsort könne dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. »Eine Bewerbung ist nur sinnvoll, wenn wir uns nicht ständig streiten. Eine kritische Hinterfragung ist natürlich erwünscht und positiv, aber nur wenn es eine gute Bewerbung ist, kommen wir an das Ziel«, hob Pichler hervor.

CSU-Fraktionssprecher Hermann Feil sah das Problem, dass entweder ganz negativ oder ganz positiv argumentiert werde. Darum halte er eine Abstimmung momentan für fraglich, da keine negativen Argumente zum Tragen kamen. Die vom Landkreis eingesetzten Finanzmittel für die Bewerbung halte er aber für »gut eingesetztes Geld«, was er aber vermisse, sei die Nachhaltigkeit.

Sepp Konhäuser (SPD) erklärte, dass der Landkreis bei der Abstimmung nicht zur Neutralität verpflichtet sei, da es aus dem Kreistag einen positiven Entscheidungsbeschluss gäbe. Darum plädierte er dafür, dass auch der Gemeinderat heute zu einem Ergebnis kommen müsse. »Politik ist immer mit Risiko behaftet, aber ohne Risiko kommen wir nicht weiter«, sagte er. Zudem hätten sich der Freistaat und die Landeshauptstadt München vertraglich verpflichtet, Mehrkosten zu übernehmen. Sein Parteigenosse Wolfgang Freimoser meinte: »Wir müssen dazu stehen, ob wir nun dem Pro- oder Kontralager angehören.«

»Erst 2020 geht es richtig los mit den Investitionen«

Der Rathauschef ergänzte, dass die Steuerungsmöglichkeit in der Hand der Gemeinde liege, darum sei auch diese mit eingebunden. »Die Bürger haben das Recht zu erfahren, wie der Gemeinderat darüber denkt.« Auch Sepp Hohlweger von der Vereinigung Ruhpoldinger Bürger (VRB) meldete sich zu Wort: »Viel Positives wurde uns gezeigt, das ist auch rechtlich so in Ordnung. Es wird aber erwartet, das Für und Wider abzuwägen. Erst 2020 geht es richtig los mit den Investitionen.«

Wolfgang Heigermoser (CSU) plädierte für eine »bessere Vermarktung Olympias« für Ruhpolding. »Wir müssen damit werben«, betonte er. Michael Mayer (SPD) argumentierte: »Vorher hatten wir die Debatte, warum Ruhpolding bei der Bewerbung für 2018 nicht dabei ist, jetzt sind wir für 2022 mit dabei und es wird wieder diskutiert. Das kann ich nicht verstehen!« Hermann Hipf (VRB) vertrat die Meinung, dass sich der Landkreis »marketingmäßig geschickt« verhalten habe. Das Risiko sei aber derzeit nicht kalkulierbar.

»Wir müssen allen sagen, ob wir bereit sind, das Risiko auf uns zu nehmen«, antwortete Pichler. »Vorsicht, Maß und Ziel sind dabei die oberste Prämisse.« CSU-Gemeinderat Hermann Weigand vertrat die Ansicht, dass Ruhpolding ein traditionsverbundener Sportort sei. »Wir haben unsere kommunalen Aufgaben gemacht.« Der Fraktionssprecher der SPD, Johannes Hillebrand, brach eine Lanze für die Abstimmung. »Alle Argumente – Für und Wider – waren auf dem Tisch. Heute müssen wir es im Kreuz haben, eine Abstimmung herbeizuführen.« Nach weiteren Wortmeldungen befürwortete das Gremium schließlich das Bewerbungskonzept mit 11:6 Stimmen. hab