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Ja zum Schützenheim im Feuerwehrgebäude

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Die Pläne für ein neues Schützenheim im Keller des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen sind gezeichnet und wurden bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Schützengilde Traunwalchen, bei der das Finanzierungskonzept abgesegnet wurde, präsentiert. Gottfried Alversammer (links) und Vlado Branilovic studieren im Sportheim die Pläne. (Foto: Rasch)

Traunreut – Die Schützengilde Traunwalchen sagt Ja zum Einbau eines neuen Schützenheims im Keller des geplanten Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen: In einer außerordentlichen Versammlung im Sportheim Traunwalchen stimmten 24 von 26 Mitgliedern in geheimer Wahl auf der Grundlage eines Finanzierungsplans dem Bauvorhaben zu. Das geplante Projekt befindet sich aber noch nicht in trockenen Tüchern. Voraussetzung ist, dass der Stadtrat den Finanzierungsplan genehmigt.


Die Diskussion um ein neues Schützenheim zieht sich seit fast fünf Jahren hin. 2011 hatte die Schützengilde beschlossen, aus dem Sportheim rauszugehen und eigene Schießstände zu bauen. Die Chance für eine neue Unterkunft ergab sich durch den Neubau eines Gerätehauses für die Traunwalchner Feuerwehr im Oderberger Gewerbegebiet. Über vier Jahre zogen ins Land, verbunden mit vielen Gesprächen und Widerständen, ehe der Stadtrat im Oktober letzten Jahres endgültig »grünes Licht« für den Einbau eines Schützenheims im Keller des Feuerwehrhauses gab. Voraussetzung war, dass die Schützen die durch den Einbau eines Kellers entstehenden Baumehrkosten auch finanziell stemmen können. In der ersten Planung des Feuerwehrhauses war nämlich kein Keller vorgesehen.

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Gesamtkosten für die Schützen bei 370 000 Euro

Laut einer aktuellen Kostenberechnung des Architekturbüros Brüderl belaufen sich die Kosten für den Schützenkeller auf 340 000 Euro. Hinzu kommen noch 30 000 Euro für neue elektronische Schießstände. Somit würden sich die Gesamtkosten für die Schützen bei 370 000 Euro bewegen. Durch einen Gemeinschaftsbau würde sich die Stadt aber im Gegenzug durch den Einbau einer Bodenplatte und der Verlegung des Technikraums in den Keller wiederum 87 500 Euro sparen. Dieser Betrag könnte quasi von den Schützenkeller-Kosten wieder abgezogen werden, sagte Schützenmeister Norbert Alversammer bei der Vorstellung des Finanzierungsplans. Die tatsächlichen Kosten für die Schützen würden nach dieser Berechnung mit 280 000 Euro zu Buche schlagen. Abzüglich der Zuschüsse der Stadt und des Freistaates Bayern, die mit 69 000 Euro beziehungsweise mit 82 800 Euro veranschlagt sind, müssten die Schützen rund 130 000 Euro aufbringen.

Diese Kosten sollen durch Eigenmittel, Eigenleistungen, sowie Geld- und Sachspenden und Mitgliederdarlehen abgedeckt werden. An Eigenmitteln könnte der Verein laut Finanzierungsplan 42 000 Euro aufbringen, die Geld- und Sachspenden werden auf 15 000 Euro geschätzt (Zusagen von Geldspenden in Höhe von 5000 Euro liegen bereits vor), die Eigenleistungen beim Innenausbau werden umgerechnet mit 39 400 Euro veranschlagt und die Mitgliederdarlehen mit 35 000 Euro. Bei dieser Berechnung würde ein leichter Finanzierungsüberschuss von knapp 800 Euro übrig bleiben.

Sollte der Stadtrat den seitens der Vorstandschaft aufgestellten Finanzierungsplan absegnen, stünde dem Vorhaben nichts mehr im Wege. »Wir sollten die historische Chance eines eigenen Schützenheims nutzen«, appellierte Alversammer an die Mitglieder. »Wir haben den 'oreidigsten' Stand im ganzen Gau.« Damit wollte er ausdrücken, dass die Schießstände im Sportheim nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Schießsports entsprechen. Zur Konstellation Feuerwehr–Schützen stellte er heraus, dass es sich dabei um eine in der Region übliche Variante handle.

Unterstützung für das Projekt sicherte auch die Vertreterin des Gauverbands (Alzgau Trostberg), Anna Holzner, zu. »Der Gau steht hinter Euch«, sagte Holzner, die zugleich Mitglied bei der Schützengilde Traunwalchen ist. Die unsägliche Diskussion um ein Schützenheim rufe im ganzen Alzgau Kopfschütteln hervor: »Wenn des ned hin haut, macht sich die Stadt Traunreut im ganzen Landkreis lächerlich«, so die Vertreterin des Alzgaus. Kritik am Verhalten der Stadt äußerte Alois Weitzhofer. »In jeder anderen Gemeinde hams wos für die Schützenvereine übrig, bei uns arbeitens dagegen.«

SSG Traunreut evtl. mit im Boot

Sportreferent und CSU-Stadtrat Bernhard Seitlinger erklärte dazu, dass sich ein Großteil des Stadtrats in letzter Zeit darum bemüht habe, das gewünschte Vorhaben umzusetzen und den Traunwalchner Schützen die Möglichkeit für ein eigenes Schießlokal einzuräumen. Er wies auch darauf hin, dass der Erhalt von Sportvereinen heutzutage kein Zuckerschlecken mehr sei. So sei auch die Option der Traunwalchner Schützen, die Traunreuter Sportschützen (SSG) mit ins Boot zu nehmen, sinnvoll. Nach Angaben des Schützenmeisters spekuliere die SSG Traunreut damit, aus dem TuS-Sportheim rauszugehen. Es sei durchaus vorstellbar, den Traunreuter Schützen die Stände für ein oder zwei Tage zur Verfügung zu stellen.

Paul Grasberger vermutet, dass sich die Baukosten bis zum Baubeginn noch verändern könnten: »Was passiert, wenn es zu einer Kostensteigerung der Gewerke kommt?« Öffentliche Bauten seien erfahrungsgemäß immer teurer geworden, wie zunächst angenommen, so Grasberger. Sollte das der Fall sein, müssten die Schützen entsprechend reagieren und »abspecken«, etwa bei der Beleuchtung.

Nach Angaben von Thomas Kühn soll ein LED-Beleuchtungskonzept erstellt werden, das sich der modernen Ausstattung anpassen soll. Die vorläufige Planung sieht zehn elektronische Schießstände vor, einen Auswerteraum, ein Waffenlager, Umkleideräume und Toiletten sowie einen Warte- bzw. Vorbereitungsraum vor, in dem über ein sogenanntes »Live Tracking« das Geschehen an den Schützenständen mit verfolgt werden kann. Das Zeitfenster könnte wie folgt aussehen: Im März nächsten Jahres könnte mit dem Rohbau begonnen werden und über den Winter dann der Innenausbau erfolgen. Vorstellbar wäre, im September 2018 mit einem Eröffnungsschießen das neue Schützenheim einzuweihen.

3000 freiwillige Arbeitsstunden eingeplant

Nachdem viel Eigenleistung eingebracht werden soll, sind die Mitglieder gefordert, Hand- und Spanndienste zu leisten. Man rechnet mit circa 3000 freiwilligen Arbeitsstunden. Ein wichtiger Punkt, der in den Augen von Stefan Schaller im Vorfeld geklärt werden müsste. Laut Alversammer hätten bereits über 20 Mitglieder schriftlich ihre Unterstützung zugesichert. »Andere schaffen es auch, warum sollen es wir nicht schaffen«, so Alversammer. Auch Kühn geht davon aus, dass die »Leute mega motiviert sind«.

Dass die Schützen bei der Feuerwehr willkommen sind, bestätigte Stadtrat und 2. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen, Günther Dorfhuber. »Mit dieser Konstellation können beide Vereine vor allem in der Jugendarbeit voneinander profitieren.« Im Schützenkeller würden sich die beiden Vereine einen Jugendraum teilen. ga