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»Ja zum Naturschutz im bayerischen Staatswald«

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Der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer (links), und Paul Höglmüller, Leiter des Forstbetriebs Ruhpolding, bei der Vorstellung des neuen, regionalen Natur-schutzkonzepts des Forstbetriebs Ruhpolding. (Foto: Giesen)

Vor Vertretern von Politik, Forst und Naturschutzverbänden stellte der Forstbetrieb Ruhpolding im Gasthaus Zellerwand in Schleching sein neu erarbeitetes »Regionales Naturschutzkonzept Forstbetrieb Ruhpolding« vor.


Die vom Forstbetrieb Ruhpolding bewirtschaftete Fläche umfasst 34 500 Hektar, wovon 28 000 Hektar Wald sind. Sein Gebiet reicht im Westen von der Landesgrenze in Sachrang bis Froschsee und Laubau im Osten, vom Achendelta bei Grabenstätt und den Chiemseemooren im Norden bis zu Reit im Winkl und der Winklmoosalm im Süden.

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Der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Werner Neumeyer, erklärte einleitend, dass die Staatsforsten »aus voller Überzeugung Ja zum Naturschutz im bayerischen Staatswald sagen« und nicht nur, weil es gesetzlich vorgeschrieben sei. Daher würden im Bereich der Bayerischen Staatsforsten nach und nach regionale Naturschutzkonzepte für alle Forstbetriebe erstellt werden. Im Alpenraum hätten die Naturschutzkonzepte eine besonders wichtige Aufgabe, weil die für die Infrastruktur so bedeutende Schutzfunktion des Waldes gewährleistet bleiben müsse. Dass bei den Staatsforsten viel für Nachhaltigkeit getan werde, zeige sich schon daran, von den 200 000 Hektar Staatswald in Bayern derzeit 80 000 Hektar in »Hiebsruhe« seien, dort also kein Holz geerntet wird, so Neumeyer.

In seinem Grußwort stellte Schlechings Bürgermeister Sepp Loferer als »Hausherr« kurz seine 45 Quadratkilometer umfassende Gemeinde mit hohem Waldanteil vor. Bevor der Geigelstein 1991 unter Naturschutz gestellt wurde, sei viel Angst und Misstrauen in der Bevölkerung vorhanden gewesen, was sich aber im Laufe der Jahre gebessert habe, so Loferer. Viele hätten gemerkt, »dass wir auf einem guten Weg sind«, auch in der Art und Weise, miteinander – zum Beispiel Förster und Almbauern – umzugehen. Gute Arbeit leiste dabei auch das Ökomodell Achental, das 1996 in Schleching gegründet und 1999 auf das Achental ausgeweitet worden sei. Gerade weil ein gesunder Wald so wichtig ist, halte er es für dringend notwendig, dass im Bereich Forst wieder mehr junge Leute ihre Ausbildung absolvieren können, appellierte Schlechings Bürgermeister an die Verantwortlichen.

Der CSU-Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner, der auch Berichterstatter seiner Fraktion für Forstfragen ist, erklärte, dass »Biodiversität und Waldnutzung« kein Widerspruch sei, was die erfolgreiche Arbeit des Forstbetriebs Ruhpolding zeige. Bei den immer wieder umstrittenen Abschusszahlen müsse ein »vernünftiger Mittelweg zwischen Jagd und Forstwirtschaft« gefunden werden, so Steiner. Persönlich dankte er Forstdirektor Paul Höglmüller für seine engagierte Arbeit.

Bei einer Bildpräsentation stellte Paul Höglmüller die Grundzüge des regionalen Naturschutzkonzepts des Forstbe-triebs Ruhpolding vor. Insgesamt soll es die Grundlage bieten für ein faires Miteinander zum Beispiel mit den Almbauern und anderen Nutzern, nicht nur im Wald, sondern auch bei den nicht bewaldeten Flächen in Staatsbesitz, wie den umfangreichen Moorflächen. Besondere Schwerpunkte des neuen Konzepts liegen beim Artenschutz, so den Raufußhühnern und den Greifvögeln wie Adler, Wanderfalke und Uhu.

Ziel, gefährdete Arten zu schützen

Unter dem Motto »wir müssen über den Tellerrand der reinen Waldwirtschaft hinausgehen«, soll »Schützen und Nutzen« auf der gleichen Fläche in Kooperation mit den Fachverwaltungen, Verbänden und Einzelpersonen möglich sein. Verpflichtend legt sich der Forstbetrieb fest, über 200 Jahre alte Baumbestände, Bergmischwälder und subalpine Fichtenbestände überhaupt nicht zu nutzen. Auch bei den weniger alten Bäumen und beim Umgang mit Totholz und Biotopbäumen werde moderat vorge-gangen.

Insgesamt sei das Ziel, gefährdete Arten im Wald, aber auch auf offenen Flächen wie Mooren, zu schützen und zu ermöglichen, dass sie sich wieder ausbreiten. Daher werden alle Horst- und Höhlenbäume erhalten und »Methusaleme« – Tannen, Fichten und Lärchen mit einem Durchmesser über 100 Zentimeter – nicht mehr genutzt.

Im Forstbetrieb Ruhpolding sind 70 Prozent der Wälder als Schutzwald nach dem Bayerischen Waldgesetz ausgewiesen, so viel wie in keinem anderen Forstbetrieb in Bayern. 16 300 Hektar, über die Hälfte der Fläche, sind Schutzgebiete, davon zehn Naturschutzgebiete und vier Naturwaldreservate.

Ziel der Waldbewirtschaftung sind stabile Mischwälder mit jeweils etwa der Hälfte an Nadel- und Laubholz. Tannen haben sich in den letzten zehn Jahren im Forstbetrieb Ruhpolding mehr als verdoppelt, sodass man von einer Rückkehr der Tanne sprechen könne, so Höglmüller. Über ein halbes Jahrhundert hätten hohe Wildbestände eine Verjüngung der Tanne im Bergwald fast unmöglich gemacht, erklärte er. Erst seit den Bergwaldbeschlüssen der Staatsregierung 1985 sei die Neuorientierung im Staatswald erfolgt.

Im Forstbetrieb gibt es vier bekannte Steinadlerreviere im Röthelmoos, am Sonntagshorn, Geigelstein und Dürnbachhorn. Da die Steinadler sehr empfindlich auf Störungen in Horstnähe reagieren, wird die Holzernte im Umfeld von 500 Metern um die Horste erst ab dem 1. August durchgeführt. gi