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»Inzwischen sind wir gute Freunde«

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Traunstein – Wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung muss ein 44-Jähriger für weitere sechs Monate ins Gefängnis. Er war im August 2012 in der Justizvollzugsanstalt Traunstein in Streit mit seinem Cousin geraten. Nach einem Wortwechsel wurde der Angeklagte handgreiflich, sein Cousin wurde verletzt. Nun verurteilte ihn das Amtsgericht Traunstein. Bewährung gibt es keine. Der Hauptgrund: Der vorbestrafte Rumäne hatte nach dem Vorfall in Frankreich 2013 zwei Diebstähle begangen und war dafür zu mehrmonatigen Freiheitsstrafen verurteilt worden.


Der 44-Jährige hatte vor mehr als drei Jahren Ersatzfreiheitsstrafen für nicht bezahlte Geldstrafen zu verbüßen. Sieben Wochen musste der Friseur dafür einsitzen. Mit seinem Cousin vertrieb er sich im Haftraum am Abend des 9. August 2012 gegen 20 Uhr die Zeit mit dem Brettspiel Mühle. Es kam zu einem längeren verbalen Schlagabtausch. Vor Mitternacht gingen alle Zelleninsassen – die beiden Rumänen waren mit drei anderen Männern in einer Sechs-Mann-Zelle untergebracht – zu Bett.

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Doch zwischen den Vettern schwelte der Streit noch immer. Laut Anklage nahm der 44-Jährige ein Essenstablett aus Metall und deutete Schläge damit erst nur an. Kurz vor dem Körper des Verwandten hielt er jeweils inne. Dann jedoch drohte er, er werde es jetzt »zu Ende bringen« und den Anderen »umbringen«. Er schaltete das Licht in der Zelle an und begann, den Cousin mit Porzellantassen zu bewerfen. Dank der Bettdecke konnte der Mann Treffer abwehren. Die Tassen verletzten ihn aber an den Händen. Um den Tassenwerfer zur Vernunft zu bringen, stand der Cousin auf und ging zum Bett des 44-Jährigen. Als er diesem den Rücken zuwendete, bekam er Schläge mit dem Tablett an den Kopf und den Rücken. Dabei erlitt er eine Platzwunde hinter dem rechten Ohr, die im Klinikum Traunstein genäht werden musste. Schmerzen und ein Bluterguss kamen hinzu.

Das Amtsgericht Traunstein erließ damals Haftbefehl wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung. Erst Mitte Juli dieses Jahres konnte der 44-Jährige gefasst werden. Vor Richter Wolfgang Ott beteuerte er wortreich, er sei von seinem Vetter provoziert worden. Der Andere habe ihn schlagen, er sich nur verteidigen wollen. »Inzwischen sind wir wieder gute Freunde. So eine Auseinandersetzung ist normal in unserer Familie. Auch in Familien kommt es zum Streit, auf engem Raum sowieso.« Er bedauere alles: »Ich will mich integrieren. Ich habe kleine Kinder und eine Arbeitsstelle.«

Im Laufe der Verhandlung – und wie schon früher vor Polizei und Ermittlungsrichter – lieferte der Angeklagte noch mehrere Varianten über die Ereignisse in der Zelle. Unter anderem sollte sich der Cousin selbst verletzt haben. Der Geschädigte selbst stand dem Gericht nicht als Zeuge zur Verfügung. Jedoch bestätigten die damaligen Zellenkameraden im Kern die Anklage.

Staatsanwalt Björn Pfeifer beantragte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten und lehnte die Strafaussetzung zur Bewährung ab. Wegen lediglich »einfacher Körperverletzung« forderte Verteidiger Michael Vogel aus Traunstein eine unbezifferte »kurze Strafe mit Bewährung«. Richter Wolfgang Ott sah jedoch keinen Raum für Bewährung. kd