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Inzeller Verkehrsverein erhält Gemeinnützigkeit nicht

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Erfreut zeigten sich der Vorsitzende des Inzeller Verkehrs- und Heimatvereins, Alfons Schrittenlocher (links), und Zweiter Bürgermeister Richard Hütter über die Spende von Anna-Maria Rappel, die dem Verein sämtliche Skizzen, Modelle und die Werkstattausstattung ihres Mannes Ernst Rappel vermacht hatte. (Foto: Bauregger)

Inzell – Wegen der touristischen Ausrichtung des Inzeller Verkehrs- und Heimatvereins lehnte das Finanzamt Traunstein den Antrag auf Gemeinnützigkeit ab. Dies mache nun eine Überarbeitung der Satzung und eine Neudefinition des Vereinszwecks erforderlich, sagte Vorsitzender Alfons Schrittenlocher bei der Jahreshauptversammlung.


Schrittenlocher erinnerte, dass sich der Verein mit 3000 Euro etwa an der Finanzierung eines Flutlichtmastens für die Nacht-Loipe beteiligte. Unklar ist offenbar noch, wie die Stromkosten verteilt werden. Gut angekommen seien auch das Ostereiersuchen im Kurpark mit dem Förderverein Tourismus und der ITG sowie der Sekt-Ausschank bei den Kurkonzerten an.

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Neue Themen-Wanderwege sollen definiert werden

Heuer sollen neue Themen-Wanderwege definiert und die Sitzbänke restauriert werden. Unzufrieden zeigte sich der Vorstand mit der Entscheidung der Gemeinde und der ITG, ab 1. Mai Gästen nur noch einmal pro Aufenthalt den kostenlosen Besuch des Schwimmbads und der Sauna zu ermöglichen. Begründet wird dies mit der Überlastung der Einrichtungen in Schlechtwetterphasen.

Positiv seien hingegen zwei Auszeichnungen: So wurde der Wimmerhof zum DLRG-Ferienhof 2014 ernannt, der Campingplatz Lindlbauer erreichte bei einem Test Rang 28 von 100. Eine Lanze brach er für Einrichtungen wie die Eishalle, die oft nur als »Ballast« angesehen werde. Ohne die Halle fehle ein erheblicher Anschub für den Tourismus, Veranstaltungen wie Weltmeisterschaften oder Speedwayrennen würden nicht mehr in Inzell stattfinden. Dies würde Arbeitsplätze gefährden und Einnahmen von Vermietern wie Gemeinde schmälern.

Anna-Maria Rappel vermachte dem Verein sämtliche Skizzen, Modelle und die Werkstattausstattung ihres Mannes Ernst Rappel. Momentan wird der Nachlass archiviert und dokumentiert. Schon bald wird der Raum Niederachen im Gemeindeamt in »Ernst-Rappel-Saal« umbenannt und eine Dauerausstellung eingerichtet. Auch weitere Exponate aus der Geschichte der Gemeinde würden jederzeit gerne angenommen, so der Vorstand. Ziel seien eigene Räume für den Verein oder gar ein eigenes Heimatmuseum.

Heuer beteiligt sich der Verein am Ostereiersuchen im Kurpark. Zudem ist eine »Familiade« mit bayerischen Brauchtumsspielen im Badepark geplant. Drei Multimediashows zu Themen der Heimatkunde werden im Kurpark gezeigt. Kassenwartin Helga Kamml vermeldete einen durchweg positiven Stand. Stärker belastet wurde die Kasse nur durch den Kauf eines Beamers und den Anteil am Flutlichtmasten. Bei den Wahlen wurde sie ebenso wie die Kassenprüfer Burgi Bauregger und Walter Böhm wiedergewählt.

Bezüglich der Gemeinnützigkeit kündigte Schrittenlocher an, den Vereinszweck neu zu definieren. Neu geregelt müsse dann auch werden, wer im Fall der Auflösung des Vereins dessen Vermögen übernehmen soll. Die Versammlung wurde von einer Vorführung mit alten Orts- und Häuseransichten von Herbert Öttl abgerundet.

Zweiter Bürgermeister Richard Hütter würdigte den Verein für seine Arbeit und Anna-Maria Rappel für Spende. Zum Hotel Post sagte er, die Klage eines Anliegers habe sich nicht gegen den Bauherren oder die Gemeinde, sondern wegen Verfahrensfehlern gegen das Landratsamt gerichtet. Gespräche zwischen Behörde, dem Bauherrn und Bürgermeister Hans Egger habe es offenbar bereits gegeben. Faktisch sei die Baugenehmigung deshalb auch nur vorübergehend eingezogen. In diesem Zusammenhang betonte Hütter die Bedeutung des Projekts für den örtlichen Tourismus.

Übernachtungszahlen 2014 geringer

Auch Gerhard Steinbacher von der ITG wertete die Arbeit des Vereins als sehr gewinnbringend. Nach vier bis fünf guten Jahren war das Jahr 2014 schwierig mit einem Rückgang der Übernachtungen um 5,8 Prozent und einer um 2,5 Prozent geringeren Gästezahl. Erfreulich waren hingegen Januar und Februar mit einem Übernachtungsplus von 6,2 Prozent. Derzeit werde derzeit daran gearbeitet, die Region Chiemgau als Raddestination nach den Kriterien des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) zertifizieren zu lassen. Generell seien Vorschläge aus der Bevölkerung, aber auch vom Verein zur Gestaltung der Touren willkommen. Auch der Geschäftsführer der Leader-Region Chiemgauer Alpen, Kolja Zimmermann, rief dazu auf, Ideen einzubringen. Weiter schlug er vor, zusammen mit den beiden weiteren Leader-Regionen um den Chiemsee möglichst auch gemeinsame Projekte zu definieren, da hier die Förderung bis zu 60 Prozent der Kosten betragen könne. Gefördert würden sowohl Projekte von Einzelpersonen wie der Kommunen im Tourismus, aber auch im kulturellen Bereich, wie der Heimatkunde.

Vermieter kritisieren Beschränkung für Touristen

In der Aussprache kritisierten einige Teilnehmer massiv die Einschränkungen der Leistungen der Inzell Card Plus beim Besuch des Badeparks. Unverständlich sei hier vor allem, dass Busfahrten etwa rund um den Chiemsee oder nach Salzburg nach wie vor zum Angebot gehören, was nach Ansicht eines Geschäftsmannes auch das örtliche Gewerbe schädige, während die Nutzung der Einrichtungen im Ort aber beschränkt werde. Fatal sei auch, dass die Änderung erst jetzt bekannt gemacht werde – Gäste die letztes Jahr gebucht haben, verließen sich aber auf die damals geltenden Leistungen.

Hütter wie auch der ITG-Chef argumentierten, dass man grundsätzlich ein breites Spektrum anbieten und auch über den Tellerrand hinaus denken müsse. Die Einschränkung solle lediglich die Überfüllung der Einrichtungen, besonders bei schlechtem Wetter, verhindern helfen, die wiederum zahlende Besucher abschrecke. Diese Argumente überzeugten allerdings nicht.

Das leidige Thema der wilden Hundekotentsorgung neben Wanderwegen sprach Vorstand Alfons Schrittenlocher an. Er sieht die Hundebesitzer in der Pflicht, die mit Kot gefüllten Plastiktüten nicht in der Natur oder in Vorgärten der Anlieger zu entsorgen. Ob, wie vorgeschlagen, mehr Abfallkörbe aufgestellt werden können, blieb offen, da dadurch der Gemeinde wiederum höhere Kosten für die Leerung entstehen würden. wb