weather-image
14°

Inzeller Urgestein gestorben

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Andreas Kamml war jahrelang Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Die Gemeinde Inzell ist um eines seiner »Urgesteine« ärmer: Andreas Kamml, der die Gemeinde in den Jahren ihres Aufstiegs als Tourismusort geprägt hat, verstarb im Alter von 94 Jahren. Als charakterstarker, humorvoller Mensch war der langjährige Gemeinderat und Zweite Bürgermeister beliebt und geschätzt.


Für seine kommunalpolitischen Leistungen hatte Kamml 1989 vom damaligen Bürgermeister Ludwig Schwabl die Bürgermedaille erhalten. Diese hohe Auszeichnung der Gemeinde Inzell erhielten bisher lediglich 14 Personen, von denen zehn noch leben.

Anzeige

Andreas Kamml wuchs als eines von zehn Kindern auf einem Inzeller Bauernhof auf und legte die Zimmerer-Gesellenprüfung ab. Im Krieg kam er nach Frankreich, Rumänien, Bulgarien und Kreta. In der dreijährigen, jugoslawischen Gefangenschaft ging es ihm verhältnismäßig gut, da er mit Kriegskameraden eine gefragte kleine Lager-Musikkapelle hatte. Der Ruhpoldinger Musikant Martin Geisreiter hatte im Lager für ihn und zwei Kameraden Klarinetten gedrechselt. Auch Kammls Zimmerer-Kenntnisse waren dort geschätzt. Nach der Heimkehr 1948 lernte er bei einer Inzeller Hochzeit seine Frau Loni kennen, die er 1950 heiratete. Das Paar zog vier Kinder groß. Loni verstarb bereits 2011.

Mit seiner Zimmerei begann Kamml in einem Sägewerk auf dem Areal des heutigen Penny-Marktes. Später baute er seinen eigenen Betrieb gegenüber des Krankenhauses auf. In den 60-er Jahren kam ein Sägewerk dazu. In Spitzenzeiten baute er bis zu 35 Dachstühle im Jahr.

Seine Partei war anfangs die FDP und später die CSU. Andreas Kamml war früher ein begeisterter Plattler im Trachtenverein und auch in der Krieger- und Soldatenkameradschaft, bei den Veteranen, den Schützen und dem VdK aktiv. Auch in der Raiffeisen-Genossenschaft engagierte er sich viele Jahre lang, unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender.

In seine Zeit als Zweiter Bürgermeister und Gemeinderat von 1966 bis 1984 an der Seite von Ludwig Schwabl fielen wichtige Weichenstellungen für den Ort. Dazu zählten die Errichtung des Badeparks und des neuen Kurparks, die Erweiterung von Schule und Rathaus, der Kauf des Kursaals und die Gründung der Musikschule.

Der Sterberosenkranz findet am heutigen Mittwoch um 19 Uhr in der Kirche in Niederachen statt. Dort beginnt am morgigen Donnerstag um 14   Uhr die Beerdigung. vm