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Inzell: Jubel bei den einen, Bedauern bei den anderen

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Inzell. Mit einem herzlichen Applaus wurde am späten Abend im Gasthof Kienberg der künftige Bürgermeister Johann Egger empfangen. In Feierlaune waren die Kandidaten der Bürger für Inzell, der SPD und Annelie Gromolls Offener Bürgerliste, die wie alle Kandidaten als Wahlhelfer aktiv waren. Katzenjammer hingegen herrschte bei den CSU-Kandidaten, die sich gleichwohl ohne Berührungsängste zu ihren politischen Gegnern an den Tisch setzten. Und die erstmals angetretene Junge Liste Inzell war stolz darauf, einen Sitz ergattert zu haben.


Mit je vier Sitzen sind die Bürger für Inzell (BFI) und SPD und Unabhängige, die bisher je drei Sitze hatten, gemeinsam stärkste politische Kraft im neuen Gemeinderat: Sie bilden eine Fraktionsgemeinschaft. Die SPD legte auf 24,13 Prozent zu und die BFI auf 26,28 Prozent. Weiter für die SPD sitzen Ortsvorsitzender Josef Rieder und Claudia Doppler im Gemeinderat. Gottfried Graf kandidierte nicht mehr. Neu kommen Wilfried Hess und Michael Kötzinger dazu.

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Bei der BFI-Liste erhielten nach Hans Egger die amtierenden Räte Richard Hütter und Peter Spannring die meisten Stimmen. Neu schafften es Peter Holzner junior und als Nachrückerin für Hans Egger Julia Egger.

Die CSU büßte zwei von acht Sitzen und den Bürgermeisterposten ein und verschlechterte ihr Ergebnis auf 36,02 Prozent. Der Einzug in das Gremium bleibt den langjährigen Räten Friedl Egger und Bernhard Jung verwehrt. Am meisten in der Wählergunst standen Siegfried Walch, Rudolf Heitauer, Martin Hobmaier und Annette Schneider. Neuer CSU-Rat wird Robert Hochreiter, seinen Sitz verteidigen konnte Georg Kamml.

CSU-Nachrücker mit Chancen

Sollte Siegfried Walch in der Stichwahl Landrat werden und Martin Hobmaier auf seinen Ratssitz verzichten, haben als Nachrücker auch noch Markus Maier und Michael Lorenz Chancen. Siegfried Nagl und Peter Fegg kandidierten nicht mehr, ebenso wie der bisherige Forum-Aktiv-Rat Stefan Schwabl. Annelie Gromoll erzielte beachtliche 1503 Stimmen. Ihre Offene Bürgerliste Inzell-Chiemgau-Freie Wähler (OBIC-FW) verschlechterte sich leicht auf 4,73 Prozent. Für die Junge Liste Inzell zieht Stefan Steinbacher neu ins Gremium ein.

»Toll! Das war schon absehbar, dass der Hans gewinnt, aber nicht, dass es in dieser Deutlichkeit sein wird«, so das spontane Echo von Wilfried Hess von der SPD. Mit der Überraschung über das klare Ergebnis war er nicht allein. »Ich glaube, wir können mit beiden gut zusammenarbeiten«, zeigt sich Hubert Foidl von der Jungen Liste trotz deren Präferenz für Hobmaier zuversichtlich. Mit einem Altersschnitt von 24 Jahren wollte diese Liste junge Leute in den Rat bringen. Foidl bedauerte, dass es schwer ist, Frauen in diesem Alter zu motivieren, und sich nur Michaela Zenz fand.

»Das hat Hobmaier nicht verdient«

Die CSU-Ortsvorsitzende Annette Schneider zeigte »großes Bedauern«. Die Höhe von Hobmaiers Verlust sei nicht nachvollziehbar. »Das hat er nicht verdient, denn er hat gute Arbeit geleistet. Das tut mir auch für seine Familie leid.« Nach wie vor sei die CSU stärkste Fraktion, habe aber zwei Sitze verloren. »Wir werden das analysieren und uns bemühen, das Vertrauen der Bürger zurück zu gewinnen. Wir werden natürlich mit dem neuen Bürgermeister zusammen arbeiten«, verspricht sie.

Siegfried Walch gibt sie für die Landrats-Stichwahl »sehr gute Chancen«. Ihr persönliches Wahlergebnis und Verdopplung der Zahl der Frauen im Inzeller Rat freut sie. »Dass wir vier Frauen haben, ist ein schönes Zeichen für Inzell und zeigt ein gewisses Umdenken.«

»Es passt«, sagte eine strahlende Annelie Gromoll. »Ich freue mich auf eine sehr konstruktive Zusammenarbeit. Der Wandel ist notwendig, um offen Themen auszudiskutieren«, betonte sie. »Ich bin zuversichtlich, dass man das mit dem neuen Bürgermeister machen kann angesichts seiner bisher bewiesenen Teamfähigkeit.«