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Internetbetrug: Im Netz lauern viele Gefahren

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Im Internet können sich Benutzer erpresserische Software – wie im Bild zu sehen – auf ihren Computer laden. Wichtig ist, dass man nach einer solchen Meldung seinen Computer auf einen Virus, einen sogenannten Trojaner, hin überprüft und diesen gegebenenfalls von seinem Computer entfernt.

Sie schaute gerade etwas im Internet nach, als plötzlich eine Seite mit einer Warnmeldung aufging und ihren Computer sperrte. Angeblich stammte diese vom »Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik – Gesellschaft zur Verfügung von Urheberrechtsverletzungen«. Der Grabenstätterin wurde mitgeteilt, dass ihr Browser vorläufig gesperrt wurde, da ihr »die Ansicht/Lagerung und/oder den Vertrieb von pornographischem Material« vorgeworfen wurde.


»Ich bin zu Tode erschrocken«, sagt die Betroffene. Doch sie reagierte richtig, las sich das mehrseitige Schreiben in Ruhe durch und wurde dabei mehr und mehr stutzig. »In dem Schreiben kamen komische Worte und Sätze vor«, sagt sie. »Zudem sollte man innerhalb von 48 Stunden über eine PaySafeCard zahlen – und zwar Schweizer Franken.«

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»Auf die Forderungen braucht man nie eingehen«

Die Grabenstätterin schaltete dann ihren Computer aus und wartete einige Minuten. Danach startete der Computer wieder ganz normal – und von der Meldung war nichts mehr zu sehen. Ihr nächster Weg führte sie nun zur Polizei. »Denn auch andere Leute sollten von diesen Internetbetrügern gewarnt werden«, sagt sie.

Lob für ihr Vorgehen gibt es von Kriminalhauptkommissar Christian Weiß. Denn bei der Seite handelt es sich um eine erpresserische Software, mit der man sich einen Computervirus, einen sogenannten Trojaner, auf seinen Computer lädt. »Auf die Forderungen braucht man nie eingehen«, betont er. Dennoch weiß der Leiter der Arbeitsgruppe Cybercrime der Kriminalpolizei Traunstein, »viele Leute zahlen das Geld aus Unsicherheit«.

Allerdings macht er klar: Sollte man gegen ein Recht verstoßen haben, bekomme man dies nie per E-Mail oder Internetseite mitgeteilt. »Wenn man was angestellt hat, dann stehen die Kriminalbeamten vor der Tür«, sagt Weiß. Oder man bekomme ein Einschreiben.

Seine Abteilung gibt es seit 2012 – und die fünf Beamten haben alle Hände voll zu tun. »Die Zahl der Fälle ist von 2009 auf 2011 um 96 Prozent gestiegen«, sagt Christian Weiß. Die Schäden, die durch Internetbetrügereien verursacht werden, gehen mittlerweile weltweit in die Milliarden, fügt er hinzu.

Die Verbrecher, die meist im Ausland sitzen und daher schwer zu fassen sind, sind dabei sehr erfinderisch. »Von einer Stunde auf die andere kann wieder eine neue Masche kommen«, sagt Weiß. »Es sind etwa Unmengen dieser Trojaner im Umlauf«, betont er. Jeder Internetbenutzer kann sich diese auf seinen Computer laden – und das auch auf ganz legalen Seiten wie Youtube oder Facebook. »Vor allem Downloadportale sind mit Vorsicht zu genießen«, sagt der Polizist.

Aktuell sorge etwa gerade ein Video, bei dem angeblich der Skiunfall von Michael Schumacher zu sehen ist, für Probleme. »Schaut man sich dieses an, lädt man sich einen Trojaner auf seinen Computer.« Das Ziel des Virus ist es, Daten auf dem befallenen Computer auszukundschaften.

Sollte man sich einen Trojaner auf seinen Computer geladen haben, ist es laut Weiß am sichersten, den Computer neu aufzusetzen. Dies ist nötig, weil der Trojaner nach einem Neustart unter Umständen nicht mehr sichtbar ist, aber durchaus im Hintergrund Daten des Internetnutzers ausspionieren kann. »Es ist daher auch wichtig, öfters Datensicherungen zu machen«, sagt er.

Christian Weiß rät zudem, dass »man einen aktuellen Virenschutz auf seinem Computer haben soll«. Zudem, so Weiß weiter, »sollte man mit seinen Daten sehr sensibel umgehen.« Seine Passwörter sollte man etwa nie gleich wählen und sie sollten immer mindestens acht Stellen und einige Zusatzeichen haben. »Und vor allem sollte man seine Passwörter nicht am Computer speichern und diese auch regelmäßig ändern«, sagt er.

Denn vor allem auf Passwörter oder natürlich auch auf die Daten von Kredit- oder Bankkarten haben es die Betrüger abgesehen. »Wenn sie diese Daten haben, können sie fast alles machen«, sagt Weiß. Etwa bestellen sie über die gestohlenen Daten Waren über Internetversandhäuser und lassen diese an DHL-Packstationen schicken – auch hier sind die Daten des Empfängers gestohlen.

Die Betrüger bleiben somit anonym – und der Betrug fällt oft erst Wochen später auf, wenn der Eigentümer der Kreditkarte seine Abrechnung überprüft. Weiß empfiehlt daher, so oft es geht, seine Abbuchungen anzuschauen. Gibt es Unregelmäßigkeiten, muss man diese sofort melden. Die Arbeit für die Arbeitsgruppe wird nicht weniger werden, ist sich Christian Weiß sicher. Ganz im Gegenteil. Denn er sieht bereits ein neues Betätigungsfeld für die Internetbetrüger. »Die Smartphones – dieser Markt wird erst noch kommen.« SB