Intensive Testungen sind besser als Grenzschließungen

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Gerade wird viel über die Corona-Lage in Tirol diskutiert. Um Bayern vor der südafrikanischen Mutation zu schützen, schloss Ministerpräsident Markus Söder eine Grenzschließung zu Tirol nicht aus. Das würde auch die Grenzübergänge in Reit in Winkl (unser Foto) und Schleching treffen. (Foto: J. Hauser)

Ministerpräsident Markus Söder hat nicht ausgeschlossen, die Grenzen zu Tirol zu schließen, falls sich dort die südafrikanische Corona-Mutation weiter ausbreitet. Von den Überlegungen halten die Bürgermeister Josef Loferer, Matthias Schlechter und Landrat Siegfried Walch nichts. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erklären die drei, dass eine solche Grenzschließung nur auf Kosten der Berufspendler gehe, die tagtäglich die Grenze überqueren.


»Wir müssen vorsichtig sein«, stellte Josef Loferer klar. Es gehe eine Gefahr von der neuen südafrikanischen Corona-Mutation in Tirol aus. Deshalb sei es ganz wichtig, dass sich jeder an die Bestimmungen hält und vermeidbare Grenzübertritte wie etwa Einkäufe streicht. »Das alles ist kein Spaß«, gab der Bürgermeister zu verstehen. Unverantwortlich findet er es, wenn sich am Wochenende Skifahrer in die benachbarten Skigebiete aufmachen.

»Nur wenn wir uns die nächsten Wochen und Monate zusammenreißen, werden wir die Lage in den Griff bekommen«, so Loferer. Es liege an jedem Einzelnen, jetzt zusammenzuhalten, denn am Ende treffe es auch diejenigen, die sich an die Regeln halten.

Gerade die Grenzgebiete seien stark mit den österreichischen Grenzorten verbunden. Jeder sei persönlich betroffen. Loferer möchte sich nicht vorstellen, was es für viele Pendler bedeutet, wenn die Grenzen komplett geschlossen werden. »So weit darf es nicht kommen«, ist er der Meinung. Das würde auf Kosten derjenigen gehen, die ins Ausland fahren müssten, um ihr »täglich Brot« zu verdienen. »Das Augenmaß muss richtig angesetzt werden«, fordert er daher die Regierung auf.

Wenn die neuen Mutationen eine dritte »Corona-Welle« auslösen würden, dann treffe uns das alle nochmal hart, sagte Bürgermeister Matthias Schlechter. »Gerade jetzt wo die zweite Welle wieder gut im Griff ist.«

Die Grenzkontrollen und die Testpflicht für Pendler sind seiner Meinung nach ein gutes und auch ein notwendiges Mittel, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Eine komplette Grenzschließung lehnt der Bürgermeister aber ab. Das würde erneut hohe wirtschaftliche Schäden für die Region bedeuten. Viele Österreicher seien in Reit im Winkl beschäftigt – auch in Branchen, in denen kein Homeoffice möglich ist, erklärte der Bürgermeister.

Zudem würden die kompletten Grenzschließungen einen Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger und Bürgerinnen bedeuten. »Dieser Weg ist der falsche«, sagte er. Intensiveres Testen sei eine bessere Strategie, als die Leute noch mehr einzuschränken.

»Man muss jetzt sehr genau beobachten«, teilte Landrat Siegfried Walch mit. Die Grenze zu Tirol sei zwar eine politische Grenze, für das Virus spiele das aber keine Rolle, so der Landrat. Es habe sich gezeigt, dass man durchaus auf die Inzidenzen in den Nachbarländern achten soll, da das immer auf den Landkreis überschwappt, erklärte Walch.

Eine komplette Grenzschließung sei aber seiner Meinung nach »nicht möglich«, da es viele Grenzpendler gebe, die in Österreich oder Deutschland arbeiten. Es handle sich um einen Lebensraum, der auch nicht mit einer Grenze zu beschränken sei, betonte der Landrat.

aha

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