Ins neue Jahr mit neuer Vorstandschaft und neuem Namen

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Bürgermeisterin Ursula Haas (von links) gehörte zu den Ersten, die der neuen Vorstandschaft des Vereins für Heimatpflege und Kultur zu ihrer Wahl gratulierte: Schriftführerin Luise Obermeyer, Schatzmeisterin Anita Koller, stellvertretender Vorsitzender Georg Steffl und Vorsitzender Josef Obermeyer. (Foto: Aßmann)

Taching am See – Mit neuem Namen, neuer Satzung und neuer Vorstandschaft startet der Verein für Heimatpflege Tengling ins neue Jahr. Bei den Neuwahlen im Rahmen der Jahreshauptversammlung löste Josef Obermeyer den langjährigen Vorsitzenden Siegfried Müller ab. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Georg Steffl junior und zur neuen Schriftführerin bestimmte die Versammlung Luise Obermeyer. Um die Finanzen des Vereins, der sich laut neuer Satzung nun Verein für Heimatpflege und Kultur nennt, kümmert sich weiter Anita Koller. Zur Leiterin der Abteilung Theater wurde Renate Frisch gewählt. Neben Müller hatten auch sein Stellvertreter Franz Obermeyer und Schriftführerin Irene Haselberger nicht mehr kandidiert.


Noch bis November war die Zukunft des Vereins unsicher

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»Noch bis November haben wir gemeint, es geht mit dem Verein nicht weiter«, erinnerte Müller. Nach seiner Ankündigung, sich zurückziehen zu wollen, sei knapp ein Jahr lang kein Nachfolger gefunden worden. »Doch jetzt packen neue, jüngere Leute mit neuem Vereinsnamen und neuen Schwerpunkten wieder an«, freute sich der scheidende Vorsitzende, der anschließend einen kurzen Überblick über 23 Jahre Heimatverein Tengling gab.

Ausgangspunkt für die Gründung war die 1200-Jahr-Feier der Gemeinde. Schon ein Jahr später wurde an Mariä Himmelfahrt die 1. Burger Kirchweih gefeiert. »Das war wohl die schönste Veranstaltung dieser Art, weil es die erste war«, sagte Müller. 1994 gründeten sich die Theatergruppe und die Tenglinger Bajuwarengruppe. Der vom Verein organisierte Tenglinger Opernball und die Tenglinger Faschingshochzeit waren weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Anlässlich der Faschingshochzeit kam Müller und seinen Mitstreitern zudem die Idee, den Kirchenchor Tengling wiederzugründen.

Die Pflege der Heimat, des Brauchtums und der Kultur waren dem Verein stets ein Anliegen. So restaurierte man die Votivtafeln in Mariä Burg, stellte alte Postkarten aus und brachte an vielen historischen Gebäuden Tafeln an, die auf die Bedeutung der Bauwerke in der Geschichte verweisen. In mehr als 320 ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurde zudem die Kalvarienkapelle bei der Kirche Mariä Burg instandgesetzt. »Seitdem ist der Verein auch Grundstücksbesitzer, da zur Restaurierung der Kauf des gesamten Kapellenumgriffs erforderlich war«, erläuterte Müller, der regelmäßig Führungen durch Mariä Burg und St. Coloman bietet und verschiedene Publikationen zur Ortsgeschichte verfasst hat. Sein neuestes Buch »Die Grafen von Tengling« über das bedeutende, altbayerische Grafengeschlecht der Tenglinger aus der Verwandtschaft der Sieghardinger wird vom Verein für Heimatpflege subventioniert und kann so sehr günstig verkauft werden.

Schächerfiguren sieben Jahre nach Diebstahl wieder da

Schlaflose Nächte bereitete dem Vorsitzenden 1997 der Diebstahl der beiden Schächerfiguren aus der Kalvarienkapelle. Obwohl seinerzeit sofort das Landeskriminalamt eingeschaltet wurde, blieben die wertvollen Figuren verschwunden. Erst 2004 tauchten die Kunstwerke unversehrt in Frankreich auf, als die Polizei eine europaweit agierende Kunsträuberbande aushob. Zwei Jahre später fanden die Figuren der Kreuzigungsgruppe, nunmehr gut gesichert, ihren Platz wieder in der Kapelle bei Burg.

Renate Frisch ließ das Jahr aus Sicht der Theatergruppe Revue passieren. Zunächst aufgrund der veränderten Situation im Tenglinger Neuwirt ohne Spielort, habe man beim Bergwirt in Taching eine neue künstlerische Heimat gefunden. Mit Unterstützung der Gemeinde wurde dort die Bühne gekauft und mit der Hilfe des Vereins für Heimatpflege theatertauglich umgebaut. Im August begannen die Proben zu dem Schwank »D' Moral is beim Deifi« von Ulla Kling, der mit fünf ausverkauften Aufführungen sowie einer vollbesetzten Zusatzvorstellung ein riesiger Erfolg war und rund 1000 Besucher zum Lachen brachte. »Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unsere Ausgaben fast vollständig wieder eingespielt haben«, bekräftigte Frisch.

Schatzmeisterin Anita Koller erläuterte, der Verein stehe auf einem soliden finanziellen Fundament. Aktuell gehören dem Verein 101 Mitglieder an. Anschließend wurde die aktualisierte Vereinssatzung von der Versammlung genehmigt. Ferner kündigte Siegfried Müller ein kunsthistorisches Jubiläum in Tengling an: Der spätgotische Flügelaltar in dem Kircherl St. Coloman besteht heuer seit 500 Jahren.

Dickes Lob von der Bürgermeisterin

»Es ist für eine Gemeinde von unschätzbarem Wert, wenn es Menschen gibt, die anpacken, mitdenken und mithelfen. Diese ehrenamtliche Tätigkeit bringt ein Dorf zusammen«, lobte Bürgermeisterin Ursula Haas den Verein und seine Mitglieder. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass die großartige Arbeit auch von der neuen Führungsriege weitergeführt wird und der Sinn des Vereins erhalten bleibt.

Der neue Vorsitzende Josef Obermeyer betonte, man wolle sich künftig verstärkt der Ortsverschönerung widmen. So sollen beispielsweise Ruhebänke an schönen Aussichtsplätzen aufgestellt, alte Kulturgüter und Kapellen erhalten oder Wanderwege hergerichtet werden. Er forderte die Vereinsmitglieder sowie die Tenglinger und Tachinger Bürger auf, Vorschläge einzubringen: »Nur wenn alle zusammenhelfen, können wir etwas erreichen.« Auch neue Mitglieder seien jederzeit willkommen. Dazu wird der Jahresbeitrag mit fünf Euro bewusst niedrig gehalten, um an Ortsgeschichte, Heimatpflege, Theater und Kultur interessierten Bürgern den Vereinseintritt zu erleichtern. mia

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