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Innovative und zeitlos aktuelle Bildungsarbeit

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Wilfried Hess, Leiter der Kritischen Akademie Inzell, gratulierte einerseits der Träger-Stiftung und andererseits seiner Mitarbeiterin Erika Pohlner zum 50. Geburtstag. Pohlner ist frischgebackene Fußball-Abteilungsleiterin und erhielt dafür eine Torte in Ballform. (Foto: Mergenthal)

Inzell. »Inzell passt gut zur Stiftung und die Stiftung passt gut zu Inzell«, betonte Zweiter Bürgermeister Richard Hütter bei der 50-Jahr-Feier der »Stiftung zur Förderung von Bildung, Erholung und Gesundheitshilfe für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer« in Inzell an der Kritischen Akademie.


Als verbindende Elemente zwischen dem Urlaubsort Inzell und der Stiftung stellte Hütter unter anderem die Themen Gesundheit und Erholung heraus. Die Kritische Akademie, die 1977 unter Trägerschaft der Stiftung errichtet wurde, nannte er »Botschafter Inzells« und »Aushängeschild« für Inzell. Sie sei der größte private Arbeitgeber in der Gemeinde.

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Seit 1964 organisiert die gemeinnützige Stiftung Bildungsangebote für Beschäftigte der Miederindustrie. Grundlage ist ein 1963 vereinbarter Tarifvertrag für die Unterwäschebranche, mit dem sich die Unternehmen zu einer jährlichen Abgabe von zunächst 2,5 Prozent der Lohn- und Gehaltssumme verpflichteten. Der Tarifvertrag besteht bis heute bei inzwischen 3,4 Prozent. Die Stiftung war zunächst eine Einrichtung der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB). Nach deren Zusammenschluss mit der IG Metall 1998 ging sie an die IG Metall über.

Die Angebote der Kritischen Akademie werden heute von rund einem Drittel der Beschäftigten der deutschen Miederindustrie genutzt. Eine Weiterbildungsquote von jährlich 33 Prozent der Beschäftigten ist ein Spitzenwert in der deutschen Wirtschaft. Die Stiftung bietet seit einigen Jahren Qualifizierungsangebote für Arbeitnehmer sowie für Betriebsräte aus vielen Branchen an.

Festlich umrahmt wurde die Feier von Sabine Kübler, Lehrerin an der Musikschule Inzell, an der Violine, am Klavier begleitet von Isabel Benker. Akademie-Leiter Wilfried Hess gratulierte neben der Stiftung einigen 50er-Jubilaren, darunter seiner Mitarbeiterin Erika Pohlner, der frischgebackenen Fußball-Abteilungsleiterin: Sie erhielt eine Torte in Fußballform.

Für den Landkreis sei die Akademie mit ihrer Brandbreite der Themen und ihrem positiven Geist eine wichtige Bildungseinrichtung, betonte Florian Amann vom Landratsamt, der den Landrat vertrat. Die innovative Arbeit der Stiftung bis heute und ihre Rolle bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften in Zeiten des Strukturwandels und der Globalisierung würdigte Jörg Hofmann, Vizevorsitzender der IG Metall. Er hob die starken Einflüsse des aus einer verarmten Adelsfamilie stammenden und bei Rosenheim aufgewachsenen »roten Barons« Waldemar von Knöringen hervor: Dieser habe kritisches Bewusstsein als Basis einer Demokratie gesehen. Kämpferisch, frei und mit viel schwäbischem Humor sprach Kuni Stütz, der lange Gesamtbetriebsratsvorsitzender war. Er erinnerte an die wichtige Rolle der Stiftung gerade für Frauen, die zur Gründungszeit für Taschengeld Heimarbeit leisteten, während ihr Mann das Einkommen verdiente und ihr Haushaltsgeld zuteilte. Eindringlich rief er dazu auf, die Altersarmut der älteren Frauen, die ihr Leben lang zu miserablen Löhnen gearbeitet haben, zu bekämpfen und die Asylbewerber, aus denen ein neues Proletariat entstehe, nicht auszubeuten. »Wie wir die unteren Schichten bilden, wird entscheidend sein«, sagte er und: »Wir brauchen kritische Leute.«

Dieter Braun, Gesellschafter von Triumph International, würdigte die visionären Stiftungsgründer Herbert Braun von Triumph, Karl-Heinz Koch von der Arbeitsgemeinschaft der Miederindustrie und Karl Buschmann von der GTB. Er zeigte auf, warum die Bildungsarbeit der Stiftung auch für die Arbeitgeber wichtig ist. Es sei wichtig, dass Mitarbeiter einmal aus dem Betrieb herauskommen, ihren Horizont erweitern, sich erholen und Gesundheitsvorsorge lernen. Es gebe auch vielseitige Kooperationen, etwa in Form von Azubi-Lehrgängen und Fachseminaren. vm