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Informationen rund ums Thema Pflege

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Palling. 260 Bäuerinnen und Landfrauen nahmen am ersten »Tag der Austragsbäuerin« in Palling teil. Mit so großem Andrang hatten die Organisatoren des Bayerischen Bauernverbands nicht gerechnet, zeigten sich jedoch sehr erfreut. Die Bäuerinnen der älteren Generation verfolgten mit großem Interesse die Vorträge rund um das Thema »Pflege«.


Einen »Tag der Jungbäuerin« mit Themen für die junge Familie gibt es im Landkreis Traunstein schon seit mehreren Jahren. Nun wurde erstmals auch ein Tag für die älteren Bäuerinnen angeboten. »Wir hätten niemals gedacht, dass wir damit auf so große Resonanz stoßen«, freute sich Kreisbäuerin Resi Schmidhuber. Bauernverbands-Geschäftsführer Reinhard Lampoltshammer versprach, dass ein solcher Tag für die ältere Generation auch im nächsten Jahr angeboten wird, denn »offenbar ist der Bedarf dafür vorhanden«.

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Die Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut kümmerte sich um die Vorträge und hatte fünf Referenten rund um das Thema Pflege eingeladen. Vorstandssprecher Franz Hofmann übernahm die Moderation und betonte, dass sich auch die Raiffeisenbank intensiv mit dem Thema Pflege im Alter beschäftige und tagtäglich miterlebe, wie die Pflege von Angehörigen die Konten ihrer Kunden belaste. Die Referenten gingen auf die Situation im häuslichen und stationären Bereich ein und waren sich einig: »Das Thema Pflege ist so aktuell wie nie.« Der Großteil der Pflegebedürftigen werde Zuhause von den nächsten Verwandten gepflegt, die jede nur erdenkliche Hilfe dafür bekommen sollten.

Robert Scheitler, Pflegeberater der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, weiß aus seinem beruflichen Alltag, dass der Beratungsbedarf enorm groß ist. Jede Familie habe Anspruch auf eine Pflegeberatung und seine Versicherung führe im Jahr rund 600 individuelle Beratungen durch zu unterschiedlichsten Fragen rund um pflegerische, medizinische und soziale Hilfestellungen.

Über die ambulante Pflege sprach Gabriele Pauli, stellvertretende Pflegedienstleitung der Caritas-Sozialstation. Sie ging unter anderem auf das Verhältnis zwischen Pflegedienst und Pflegebedürftigen ein. Pflege brauche viel Vertrauen und die Pflegekräfte müssten Geborgenheit vermitteln, ohne etwas aufzudrängen. Wichtig sei vor allem auch, dass sich die pflegenden Angehörigen rechtzeitig Hilfe holen und erkennen, wann sie überfordert sind und selber nicht mehr zurecht kommen.

Den gleichen Tenor schlug Monika Sandbichler an, Geschäftsführerin der Kreisaltenheime im Landkreis Traunstein. Sie betonte: »Die Pflegenden müssen auf sich selber schauen und Hilfe annehmen, denn wenn sie selber nicht mehr können, bricht das ganze Netzwerk zusammen.«

Die Chefin der drei Altenheime in Palling, Grabenstätt und Trostberg empfahl, sich die in Frage kommenden Einrichtungen beizeiten anzusehen und auch einmal einen Aufenthalt in Kurzzeitpflege auszuprobieren. Grundsätzlich finde der Umzug in ein Seniorenheim immer später statt. Im Durschnitt kämen die Senioren erst im Alter von 85 Jahren ins Heim, wenn es Zuhause gar nicht mehr geht. Und insgesamt würden nur rund 30 Prozent der Pflegebedürftigen überhaupt im Heim versorgt.

Einen wichtigen Aspekt griff Notar Georg Mehler auf, der über Übergabeverträge und Sozialregress sprach. Seine wichtigste Botschaft lautete: »Beizeiten übergeben!« Denn wenn im Fall einer Pflegebedürftigkeit die Mittel des zu Pflegenden aufgebraucht sind, könnten Schenkungen bis zu zehn Jahre danach zurückgefordert werden. Vereinbarte Austragsleitungen können für den Pflegefall herangezogen werden und alle Kinder von Pflegebedürftigen sind ihren Eltern gegenüber unterhaltspflichtig, wenn sie über ausreichend Geldmittel verfügen. Allerdings könne den Nachkommen nie die Existenzgrundlage, sprich ein bewirtschafteter Hof, genommen werden.

Zur Absicherung im Alter stellte Thomas Klammer von der Versicherungskammer Bayern verschiedene Modelle der privaten Pflegeversicherung kurz vor, die im Falle der Pflege einspringe und verhindere, dass das Ersparte aufgewändet werden muss oder die Kinder zur Finanzierung herangezogen werden.

Im Anschluss an den informativen Teil wurde ein Imagefilm über den Landkreis Traunstein, den der Bauernverband drehen ließ, gezeigt. Reinhard Lampoltshammer stellte außerdem das neu eingeführte »Montagstelefon« vor. Dabei handelt es sich um das Angebot eines helfenden Gesprächs für Menschen in landwirtschaftlichen Familien. Ob bei Sorgen in Familie, Schule oder Betrieb, bei Krankheit, Überlastung, Einsamkeit, Resignation oder anderen Themen, können sich Betroffene kostenlos und anonym immer am Montag von 9    bis 13 Uhr und von 16 bis 20    Uhr unter der Telefonnummer 0800/1311310 Hilfe holen oder einfach mal in Ruhe mit jemandem reden. mix