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In Traunstein passiert mehr als in München

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Am Wochenende zwischen 0 und 2 Uhr hat die Polizei in der Stadt am meisten zu tun. Traunstein sei einfach die Stadt in der Region, in der abends ausgegangen wird. Deshalb komme es hier im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden auch zu relativ vielen Straftaten.

Traunstein – »Die Kriminalität im Landkreis spielt sich in erster Linie in Traunstein ab« – allerdings nicht in der Brutalität, wie in den Großstädten. Mit dieser Aussage überraschte Rainer Wolf, Leiter der Polizeiinspektion Traunstein, so manches Stadtrats- und Verwaltungsmitglied in der Sitzung des Hauptausschusses.


Er stellte die Kriminalstatistik der Stadt Traunstein für das Jahr 2013 vor und listete insgesamt 1591 Straftaten auf (bei einer Aufklärungsquote von knapp 65 Prozent), etwas mehr als im Jahr zuvor. Die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung, die sogenannte Häufigkeitszahl, lag damit bei 8400 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Im Vergleich dazu: Die Häufigkeitszahl in der Stadt Traunreut lag bei 5500 bis 6000 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Und im Vergleich zu größeren Städten: In der Landeshauptstadt München lag die Häufigkeitszahl 2013 bei 7400 Straftaten, in der Stadt Rosenheim bei über 9000 Straftaten pro 100 000 Einwohner.

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Hochbetrieb am Wochenende zwischen 0 und 2 Uhr

Damit wird deutlich: In Traunstein gibt es durchaus viele Straftaten. Das sei ein Phänomen kleinerer Städte, so Wolf im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Traunstein sei die Stadt, in der abends ausgegangen wird. Und gerade am Wochenende zwischen 0 und 2 Uhr habe die Polizei die meiste Arbeit – vor allem mit Betrunkenen, die handgreiflich werden und/oder randalieren.

»Die Qualität der Delikte in den großen Städten ist noch mal eine andere«, relativierte der Dienststellenleiter das düstere Bild, um im Anschluss aber gleich klarzumachen: Auch in Traunstein gebe es jedes Jahr schwerere Verbrechen. Und dass auf Menschen eingeschlagen bzw. mit den Füßen eingetreten werde, wenn sie bereits am Boden liegen, komme auch in der Kreisstadt immer wieder vor.

Die sogenannten »Rohheitsdelikte« machten im vergangenen Jahr 253 der insgesamt 1591 Straftaten aus. Dazu zählen 201 Körperverletzungen – wobei »nur« 59 davon gefährliche und schwere Körperverletzungen waren. Meist handle es sich um kleinere Reibereien oder eine »Watschn«, erläuterte Wolf die Zahlen.

Diebstähle wurden 261 begangen – davon 79 Ladendiebstähle, 52 Fahrraddiebstähle, 23 Diebstähle aus Fahrzeugen und vier Wohnungseinbrüche (2012 waren es acht Wohnungseinbrüche). Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen sei in unserer Region allgemein auf einem niedrigen Niveau. Wolf räumte auch mit dem Vorurteil auf, es handle sich bei den Tätern meist um osteuropäische Banden: »Das sind meist lokale, örtliche Täter.«

Das Internet ist das »Spielfeld der Zukunft«

Betrugsdelikte registrierte die Polizei in Traunstein im vergangenen Jahr 159. Der deutliche Rückgang um knapp 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr sei jedoch wenig aussagekräftig, so Wolf. Oft habe es die Polizei hier mit Serientätern zu tun. Als Problem, das bei der Polizei für viel »Frustration« sorge, bezeichnete der Dienststellenleiter den »Tatort Internet«. Die Aufklärung von Betrugsfällen sei hier äußerst schwierig. Zugleich bezeichnete Wolf das Internet als »das große Spielfeld der Zukunft«.

Die Sachbeschädigungen – 210 im vergangenen Jahr in der Stadt – haben deutlich zugenommen (plus 45 Prozent). Dabei handelte es sich um 51 Sachbeschädigungen an Autos und 103 Sachbeschädigungen »im öffentlichen Bereich« wie zerstörte Blumenbeete, kaputte Verkehrszeichen – »typische Fälle von Vandalismus«, so Wolf. Wie schon bei den Körperverletzungen habe die Polizei vor allem am Wochenende verstärkt mit diesen Fällen zu tun.

Droge Crystal noch nicht so präsent

Auch die Rauschgiftkriminalität in der Stadt hat anhand der Zahlen zugenommen von 106 (2012) auf 156 Fälle (2013). Wolf machte jedoch klar: Eine Statistik könne hier die Realität schlecht wiedergeben. In der Stadt und an jeder Schule seien alle Arten von Drogen präsent. Je intensiver die Polizei hier ermittle, desto mehr Fälle würden aufgedeckt. Die Droge Crystal sei in der Region zum Glück noch nicht so auf dem Vormarsch wie anderswo. Das liege vor allem an der Entfernung zu den Produktionsstätten.

Zu den 1591 Straftaten wurden 847 Tatverdächtige ermittelt, die meisten davon waren Männer. Knapp ein Viertel der Täter waren unter 21 Jahre alt. Das entspreche bundes- und landesweiten Trends, so der Leiter der Traunsteiner Polizei. Kathrin Augustin