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»In Traunstein ist er immer herzlich willkommen«

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Papst Benedikt XVI. zeigte sich begeistert von den Vorführungen der Trachtler bei der Sonderaudienz und freute sich sehr über den Besuch aus seiner Heimat.
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Landrat Hermann Steinmaßl (links) überreichte am 30. Juli 2011 Papst Benedikt XVI. bei einer Sonderaudienz den Goldenen Ehrenring des Landkreises sowie die Ehrungsurkunde. Sichtlich bewegt nahm er die Ehrung damals in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo entgegen.
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Die Stadt Traunstein ist stolz auf »seinen« Papst – direkt vor der Stadtpfarrkirche St. Oswald steht etwa eine Büste von Papst Benedikt XVI. (Foto: Brenninger)

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. zum Monatsende hat gestern auch im Landkreis für viel Diskussionsstoff gesorgt. Schließlich lebte Josef Ratzinger hier einige Jahre. Er ist der bekannteste Ehrenbürger der Stadt und zudem Träger des Goldenen Ehrenringes des Landkreises.


Im Februar 2006 bekam er vom damaligen Traunsteiner Oberbürgermeister Fritz Stahl die Ehrenbürgerschaft verliehen. An die damalige Begegnung erinnert sich Fritz Stahl noch gerne zurück: »Es war ein sehr herzliches Verhältnis. Die Balance zwischen der Würde des Amtes und der Freundlichkeit des Menschen war zum Wohlfühlen.« Vom Rücktritt sei er sehr überrascht gewesen, sagte Stahl. »Ich hätte nie mit einer solchen Entscheidung gerechnet. Ich habe davor große Achtung. Er hat sicherlich gute Gründe, das zu machen.«

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Sein Nachfolger, Oberbürgermeister Manfred Kösterke, hat die gestrige Erklärung des Papstes »mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen«. Schließlich »war er unser bayerischer Papst«. Aus seiner Sicht verdiene die Entscheidung aber höchsten Respekt. Papst Benedikt XVI. habe, so Kösterke weiter, sein Amt immer zum Wohle der Kirche und zum Besten der Christen ausüben wollen. »Nachdem seine Kraft zur optimalen Amtsausübung nach seinem Gefühl nicht mehr ausreicht, ist es für ihn nur folgerichtig, den Platz für einen anderen freizumachen.«

»Großartige Persönlichkeit hat mich beeindruckt«

Manfred Kösterke befürchtet für die Stadt in Sachen Tourismus auch keine großen Auswirkungen. Man sehe an den Wirkungsstätten von Karol Józef Wojtyla, dem Vorgänger von Papst Benedikt XVI., dass diese nach wie vor touristische Magneten sind. »Diese haben an der Anziehungskraft überhaupt nichts eingebüßt«, betonte er.

»Vielleicht hat Papst Benedikt in Zukunft auch wieder Zeit, seine alten Wirkungsstätten in Ruhe zu besuchen«, hoffte der Oberbürgermeister. Kösterke könne sich gut vorstellen, dass er in seine alte Heimat zurückkommt. »Vielleicht mag er ja wieder mal im Seminar vorbeischauen«, so Kösterke, »in Traunstein ist er jedenfalls immer herzlich willkommen.«

Die Nachricht, dass Papst Benedikt XVI. sein Amt niederlegt, hat auch Landrat Hermann Steinmaßl überrascht. »Ich bin berührt«, sagte er in einer ersten Stellungnahme. »Meine erste Sorge gilt seiner Gesundheit. Dieses verantwortungsvolle Amt zehrt durch seine täglichen Belastungen enorm an den Kräften.« Zudem, fuhr Steinmaßl fort, sei er tief beeindruckt von diesem Maß an menschlicher Größe. »Diese Ankündigung muss Papst Benedikt XVI. außerordentlich viel Mut abverlangt haben.« Steinmaßl begegnete dem Papst öfter. »Dabei hat mich die großartige Persönlichkeit mit ihrer menschlichen Art stets tief beeindruckt.« Vor allem der 19. April 2005 werde ihm immer in Erinnerung bleiben, fuhr er fort. »Dass eine Persönlichkeit unserer Heimat als Papst aus dem Konklave hervorging, war und ist eine große Ehre. Und dass wir in der rund zweitausendjährigen Geschichte der Päpste genau dieses Zeitfenster erleben durften, ist für den Landkreis Traunstein einmalig.«

Besonders gern erinnert sich Steinmaßl an die Übergabe des Goldenen Ehrenrings des Landkreises zurück. »Das war für alle, die dabei waren, ein bewegendes und bestimmt auch unauslöschliches Erlebnis.« Auch Papst Benedikt XVI. zeigte sich damals sehr gerührt und sagte: »Ich bin glücklich und dankbar über meine schöne Heimat und über diesen wundervollen Abend, den Sie mir schenken. Vergelt´s Gott! Ihnen, lieber Herr Landrat, danke ich ganz herzlich für Ihre von Herzen kommenden Worte. Sie kamen von Herzen und sind mir zu Herzen gegangen.«

Traunsteiner Gruppe nimmt morgen an Audienz teil

Markus Moderegger, Direktor des Studienseminars St. Michael, in dem Papst Benedikt XVI. als Schüler einst gewohnt hat, war ebenfalls überrascht: »Ich hatte bisher überhaupt nicht das Geringste davon gehört, dass sich da in Richtung Rücktritt etwas anbahnen würde – bis auf die früheren Äußerungen des Papstes, dass er sich grundsätzlich durchaus vorstellen könne, dass auch ein Papst zurücktritt.«

Als »Botschafter von Oberbayern« bezeichnete Michael Lücke, Geschäftsführer von Chiemgau Tourismus, den Papst. Schließlich sei er ein »großartiger Mensch«, fügte er hinzu. »Uns schmerzt der Rücktritt natürlich schon, aber für uns wird sich nichts Grundlegendes ändern und wir werden weiter mit Papst Benedikt XVI. werben.«

Hans Wembacher vom gleichnamigen Reisebüro ist seit gestern in Rom – und zwar mit einer Leserreise des Traunsteiner Tagblatts. Wembacher und seine Gruppe werden morgen wohl die letzte Gruppe aus dem Landkreis sein, die eine Audienz von Papst Benedikt XVI. miterleben darf. »Denn danach geht der Papst in Exerzitien«, sagte Wembacher, der den Rücktritt »gar nicht hatte glauben können«. Allerdings, so Wembacher weiter, hatte er schon geahnt, dass es so kommen könnte. »Denn Papst Benedikt XVI. hat immer gesagt, dass er nicht so leiden möchte, wie sein Vorgänger.« SB/he