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In Reit im Winkl soll ein neuer Ortsteil entstehen

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Weiter ausgebaut und erneuert wird derzeit das Haupthaus des Guts Steinbach. Dafür bleibt es bis September geschlossen. In den nächsten Jahren sollen zudem eine Reihe von Wohnhäusern im alpenländischen Stil rund um das Hotel erbaut werden. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. Auf den ersten Blick war wenig Spektakuläres zu erahnen, als vor knapp zwei Jahren einer der größten Reit im Winkler Übernachtungsbetriebe den Besitzer wechselte. In der Folge war damals aus dem Vier-Sterne Hotel »Steinbacher Hof« das »Gut Steinbach« geworden. Der Rottach Egerner Hotelier Klaus-Dieter Graf von Moltke hatte das südöstlich des Ortszentrums angesiedelte Anwesen in Alleinlage samt weitläufigem Umgriff erworben.


Von Moltke ging es aber nur in einem ersten Schritt darum, den etwas in die Jahre gekommenen Betrieb gründlich zu modernisieren, auszubauen und aufzuwerten, um so gezielt ein gut situiertes Klientel ansprechen zu können. Laut Gesamtplanung von 2011 hätte in einem zweiten Schritt zusätzlich eine ganze Reihe von Wohnhäusern im alpenländischen Stil rund um das Hotel erbaut werden sollen. Auch, um aus dem Verkaufserlös der Häuser die gesamte Investition refinanzieren zu können.

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Regierung von Oberbayern war anfangs skeptisch

Die Regierung von Oberbayern signalisierte allerdings schnell, dass sie der Realisierung des Großprojektes skeptisch gegenüberstünde. Die Gründe: zu viel Landschaftsverbrauch und zu wenig wirtschaftlicher Nutzen für den Ferienort. Nun hat von Moltke seine Vision verändert und sie vor wenigen Wochen dem Gemeinderat vorgelegt.

Die geänderte Planung fand nun die einstimmige Unterstützung seitens der Gemeinderäte, was sowohl der Investor von Moltke, wie auch der Reit im Winkler Bürgermeister mit großer Erleichterung quittierten. »Ich bin sehr froh über diese Zustimmung, jetzt können wir so richtig loslegen«, so von Moltke, nachdem er die Entscheidung im Sitzungssaal mitverfolgt hatte. Nachdem also jetzt für dieses Areal ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt wurde und auch der Flächennutzungsplan entsprechend angepasst wurde, könnte in Reit im Winkl tatsächlich ein ganz neuer Ortsteil entstehen.

Das Projekt Gut Steinbach soll nach derzeitigem Stand folgende Ausmaße haben: Westlich des Haupthauses sollen in zwei »Hoteldörfern« insgesamt 16 neue Gebäude entstehen. Sieben kleinere Gebäude mit Hotelappartements und Chalets werden dabei kreisförmig um einen Teich positioniert, sie sind dem Hotelbetrieb angeschlossen. Insgesamt sind dort 42 Betten vorgesehen. Nördlich des ersten Hoteldorfes soll ein zweites mit insgesamt neun Häusern errichtet werden, acht davon sollen in ihrer Form Bauernhöfen ähnlich sein. Vier der großen Höfe sollen frei verkauft werden, weitere drei werden überwiegend touristisch genutzt. Ergänzt und abgerundet wird der Komplex von einem Gebäude für Veranstaltungen und Tagungen sowie einem Restaurant.

So zumindest stellte während der Gemeinderatssitzung Bürgermeister Heigenhauser die Gesamtplanung des größten Bauprojektes vor, das in Reit im Winkl je von einem Investor realisiert werden könnte, vor. Wesentlicher Unterschied zur ursprünglichen Konzeption ist jetzt die Tatsache, dass im gesamten Hotelbereich die Kapazität von 110 auf 218 Betten ansteigen soll, vorher wären weit mehr Gebäude in den freien Verkauf gelangt.

Dies, so ließ die Regierung von Oberbayern durchblicken, wären den Bestimmungen des Landesentwicklungsplanes zuwidergelaufen. Durch die Überarbeitung der Pläne, insbesondere eben durch die Erhöhung der Bettenanzahl für Urlaubsgäste sieht sich die Gemeinde in ihrem Haupterwerbszweig, dem Tourismus wesentlich gestärkt, die Konzeption diene jetzt deutlich mehr »dem Allgemeinwohl«, so Bürgermeister Heigenhauser.

»Eine einmalige Gelegenheit für den Ort«

Von allen Fraktionen wurde diese Unterstützung während der Sitzung bekundet: »Wir haben jetzt einen idealen Kompromiss zwischen privaten Wohnungen und Hotelbetten«, sagte beispielsweise Andreas Mühlberger (Freie Wähler). Wolfgang Hechtl (parteilos) ergänzte, die Gemeinde »könne sich nur beglückwünschen«. Andreas Heigenhauser (CSU), Zweiter Bürgermeister erklärte, dieses Vorhaben sei eine »einmalige Gelegenheit für den Ort«.

In den kommenden Monaten müssen noch wesentliche Details geklärt werden. Dazu gehören auch Festsetzungen bei der baulichen Gestaltung der Häuser: Während der Unternehmer, der eigenen Angaben zufolge in das Gut bereits 4,5 Millionen Euro investiert hat, eher auf einen größeren Handlungsspielraum hofft, drängt die Verwaltung auf die Bestimmungen der am Ort geltenden Satzungen.

Sollten die weiteren Verfahrensschritte planungsgemäß verlaufen, soll das Gesamtprojekt Gut Steinbach in den nächsten Jahren verwirklicht werden. »Von uns aus kann es jetzt losgehen«, so der Hotelier Klaus-Dieter Graf von Moltke nach der Sitzung, »ich glaube fest an den Standort und noch mehr an die Region.« ost