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In Not geratenen Mitbürgern unbürokratisch helfen

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Bergen. Rund elf Monate nach der Gründung des Vereins Soziale Bürgerhilfe Bergen-Vachendorf sind die Mitglieder zu ihrer ersten Jahresversammlung zusammengekommen. Wie Vorsitzender Frank Klaus mitteilte, habe der am 29. März gegründete Verein 63 Mitglieder.


Für Bundesfreiwilligendienst anerkannt

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Für die Vorstandschaft sei das erste Jahr mit viel Arbeit und großen Herausforderungen verbunden gewesen. Mit dem Finanzamt und dem Amtsgericht habe es wegen der Satzung »einigen Schriftverkehr« gegeben. »Wir haben es aber geschafft und sind nun ein eingetragener Verein mit gemeinnütziger Anerkennung«, so Frank. Mit der Anerkennung für den Bundesfreiwilligendienst für zwei Bundesfreiwillige habe man eine weitere bürokratische Hürde gemeistert: »Wir warten jetzt nur noch auf freie Stellen vom Bund. Sobald die erste frei ist, geht's los«. Ein Zeitaufwand »von 25 bis 40 Stunden pro Woche« rechtfertige den Bundesfreiwilligendienst.

Das im Juni von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellte Büro am Säulnerweg 18a werde gut angenommen. »Es ist zweimal die Woche vormittags besetzt«, betonte Frank und lobte Anna Genghammer, die dort dienstags und mittwochs die Stellung hält. Zusammen mit Eberhard Rathke leiste sie »die meiste Arbeit«. Eine große Rolle spiele auch der Außendienst mit Hausbesuchen, Besprechungen und dergleichen.

»Was uns richtig Freude bereitet ist, dass uns Bürger immer wieder bestätigen, dass wir das Richtige tun«, so Frank. Dies zeige sich auch an der Spendenfreudigkeit. »Wir werden deswegen noch aktiver sein und jedem, der Hilfestellung in sozialen Belangen braucht, helfen«, versprach Frank. Man sei auf einem guten Weg, das soziale Netzwerk, »das Eberhard Rathke über viele Jahre in vorbildlicher Weise aufgebaut hat«, weiter auszubauen.

Leider werde dem Verein auch vorgeworfen, dass »wir die uns anvertrauten Gelder nicht richtig verwenden und damit sogar Vorstandsmitglieder bezahlen«. Dies sei völlig aus der Luft gegriffen, ärgerte sich Frank, denn bis auf die geringfügig Beschäftigte Anna Genghammer seien alle Vorstandsmitglieder ehrenamtlich tätig. Zudem werde strikt getrennt zwischen Spenden mit vorgegebener sozialer Verwendung und Spenden, die bei Bedarf für die Wirtschaftlichkeit des Vereins verwendet werden können. Eigene Gelder erwirtschafte man zum Beispiel beim »Advent in Bergen«.

Von der Verwaltungsgemeinschaft Bergen-Vachendorf habe man eine Anschubfinanzierung von 1500 Euro erhalten. Dass im Berichtszeitraum nur knapp 400 Euro ausbezahlt wurden, liege auch daran, dass viele keine finanzielle Hilfe suchen. »Einige sozial Bedürftige trauen sich wohl auch nicht, uns anzusprechen«, mutmaßte Frank.

»Es kommen immer mehr Leute auf uns zu«

Zweiter Vorsitzender Eberhard Rathke, der bald als Bundesfreiwilliger tätig sein wird, verwies unter anderem auf 194 Auswärtsstunden, 116 Bürostunden, 229 Telefonate, 61 Hausbesuche, 28 Pflegeheimbesuche, sieben Krankenbesuche, vier Fortbildungen und 2352 gefahrene Kilometer. Das sei auf Dauer »nicht zu akzeptieren, dass Eberhard das alles aus seiner eigenen Tasche bezahlt«, stellte Arnold Poschmann klar. »Es kommen immer mehr Leute auf uns zu«, gab Rathke zu bedenken und wünschte sich, dass das Zusammenspiel zwischen den sozialen Einrichtungen optimiert werde. Konkurrenzdenken sei hier fehl am Platz. Die größte Freude bereite es ihm, wenn Bedürftige sagen: »Danke, dass du da warst und zugehört hast.«

Auf Hans Weiß' Frage, ob das Büro der sozialen Bürgerhilfe künftig im neuen Rathaus untergebracht werde, wandte sich Rathke an Bürgermeister Bernd Gietl: »Lassen sie uns bitte beim Gemeindekindergarten im Säulnerweg, denn dort ist eine gewisse Anonymität gewährleistet«. Frank bedankte sich bei allen, die sich zu freiwilligen Tätigkeiten bereit erklärt hatten, aber noch nicht eingesetzt wurden. Das werde sich ändern.

Zudem verwies er auf einen Vortrag über »Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung« am 2. Mai, denn »dieses Thema geht uns alle an«. Bürgermeister Gietl und sein Vachendorfer Amtskollege Rainer Schroll wünschten dem Verein alles Gute. Claudia Weber vom Bayerischen Roten Kreuz stellte noch die Initiative »Betreutes Wohnen zu Hause« vor. mmü