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In Maiergschwendt sind die Pisten fast leer

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In Maiergschwendt tummeln sich nur noch wenige Skifahrer, meist Eltern, die ihren Kindern das Skifahren beibringen. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Am Anfänger- und Übungslift in Maiergschwendt herrschen zurzeit ideale Bedingungen für Skifahrer, doch die Hänge sind fast leer. Früher war das anders: Da tummelten sich sogar unter der Woche oft mehrere Schulklassen sowie zahlreiche Teilnehmer von Zwergerl- und Anfängerkursen gleichzeitig auf den breiten Naturschnee-Pisten. Nach einer Reihe schneearmer Winter hat jetzt aber die Skischule Ruhpolding ihre Zelte in Maiergschwendt abgebrochen. Den Betreibern ist damit auf einen Schlag das Hauptgeschäft weggebrochen.


»Jetzt müssen wir uns halt auf die neue Situation einstellen«, sagt Christian Fraunhofer. »Gott sei Dank müssen wir davon nicht leben«, wirft Ehefrau Barbara erleichtert ein. Sie und ihr Mann betreiben zusammen den Maiergschwendter-Hof als Naturland-Biohof mit Ochsenaufzucht sowie einer Frühstückspension. Vor 17 Jahren haben die beiden aus Überzeugung den beliebten Anfänger- und Übungslift von Barbaras Vater Sepp Zeller übernommen – obwohl sich schon damals der Klimawandel abzeichnete und so mancher schneearme Winter den Fraunhofers das Leben schwer machte.

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Die vergangene Wintersaison brachte den absoluten Negativrekord mit nur 14 Betriebstagen. Strom, Treibstoff, Versicherungen, TÜV – da braucht man kein Rechenkünstler sein, um festzustellen, was da in der Kasse noch übrig bleibt. Aber darum geht es dem Ehepaar nicht nur. Sie möchten die Anlage auch als Mosaikstein im touristischen Angebot ihres Heimatorts verstanden wissen und so lange betreiben, wie es die natürlichen Voraussetzungen zulassen.

Eine Beschneiungsanlage kommt für die Fraunhofers nicht in Frage. Freilich ist das Thema schon mehrmals im Familienrat beraten worden. Aber es scheiterte letztlich immer schnell an der ökologischen Einstellung der Fraunhofers. »Und selbst Schneekanonen können nicht zaubern, vor allem bei den milden Temperaturen, die uns oftmals gerade an Weihnachten einen Strich durch die Rechnung machen«, gibt Christian Fraunhofer zu bedenken.

Schon 20 Zentimeter der weißen Pracht genügen im Normalfall, um den sanft abfallenden Hang mit den zwei Abfahrten zu beiden Seiten des Lifts optimal präparieren zu können. Sohn Max übernimmt mittlerweile öfters die Pistenpflege, auf die schon Barbaras Vater großen Wert gelegt hatte. Damals, vor 45 Jahren, musste sich Sepp Zeller allerdings selbst auf Skiern vor die schwere Präparierungswalze spannen, um sie per Hand über den Hang zu dirigieren. Heute geht das mit einer modernen Raupe natürlich einfacher.

Immerhin gibt es noch Eltern, die ihren Kindern in Maiergschwendt die ersten Grundkenntnisse im Skifahren beibringen. Die Zwergerl werden später einmal von sich behaupten können, dass sie mit dem Skifahren in einer Gegend angefangen haben, die als »Wiege des Ruhpoldinger Skisports« bekannt geworden ist. Denn in unmittelbarer Nähe der Skipisten in Maiergschwendt stand früher einmal die legendäre Adlerschanze, und gegenüber am Adlerhügel gab es auch einmal einen Skilift. ls