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In einem Jahr sollte das neue Heizwerk fertig sein

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Hier am Ortseingang von Tettenhausen aus Richtung Fridolfing soll das neue Heizkraftwerk entstehen. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Zur Heizperiode 2016/17 sollte das geplante Heizwerk an der Wolkersdorfer Straße in Tettenhausen fertig sein, zumindest wenn nichts dazwischen kommt. Die Planungen laufen, Flächennutzungsänderung sowie Bebauungs- und Grünordnungsplan werden parallel erarbeitet, der Eingabeplan steht, aber – ein Tettenhausener Bürger hat auf der gut besuchten Informationsversammlung in der Strandbad-Gaststätte angekündigt: »Ich werde alles unternehmen, um diesen Standort zu verhindern.«


Dabei handelt es sich um Michael Schittenhelm, der in der Nähe des geplanten neuen Heizwerks wohnt. Schittenhelm kritisierte die »rauchenden Schlote«, die hier entstehen würden, und glaubt nicht, dass es am neuen Werk keine Staubentwicklung mehr geben werde. Dies hatte der Traunsteiner Planer Anton Stadler aber weitgehend ausgeschlossen: »Zu 95 Prozent«, so hatte er gesagt, werde es keinen Staub mehr auf den Dächern geben.

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Staub und Lärm sollen bald der Vergangenheit angehören

Das ist ein Problem am jetzigen Standort im Feuerwehrhaus, ganz in der Nähe eines Wohngebiets. Immer wieder beklagen sich Bürger über Staub- und Lärmbelästigungen. Mit der neuen Anlage soll aber alles wesentlich besser werden. Planer Stadler erläuterte, wie das neue Heizwerk ausgestattet sein soll: In der 800-Kilowatt-Hackgut-Heizzentrale sollen zunächst zwei Kessel stehen, Platz für einen weiteren Kessel wird eingeplant.

Dazu ist ein Pufferspeicher mit 30 000 Litern vorgesehen und zudem Platz für einen weiteren Pufferspeicher, falls auf dem Dach Warmwasserkollektoren zur Heizungsunterstützung installiert werden. Die Kosten für das Heizwerk werden auf rund eine Million Euro netto geschätzt – die Gemeindewerke sind ja vorsteuerabzugsberechtigt.

Die Verteilung des warmen Wassers erfolgt weiterhin über die bisherige Heizzentrale, von der neuen Anlage aus müssen daher Leitungen dorthin verlegt werden. Die langen Leitungen bringen einen erheblichen Wärmeverlust von 30 Prozent mit sich, wie Planer Stadler einräumte. In der alten Heizzentrale bleibt der bisherige Ölkessel in Betrieb, um ihn im Bedarfsfall zuschalten zu können.

Was die Tettenhausener sicherlich beruhigen dürfte, ist die Zusicherung, dass der bisherige Heizpreis auch nach Inbetriebnahme des neuen Werks gleichbleiben werde. Aufgrund der Kostenschätzung sieht Werkeleiter Heinrich Thaler »keinen aktuellen Grund zu einer Preiserhöhung«. Michael Schittenhelm hatte zuvor kritisiert, dass der Wärmepreis in den vergangenen zehn Jahren um 130 Prozent gestiegen sei. Diesen Anstieg konnte Thaler mit drei Faktoren erklären: Der Preis für Hackschnitzel sei in der Zeit von 2003 bis 2009 um 80 Prozent gestiegen, man habe viel Öl zuheizen müssen, weil der Heizkessel Probleme hatte und dann auch zu klein wurde, und schließlich sei in dieser Zeit auch der Ölpreis bis auf fast einen Euro hochgeklettert.

Häusl: »Wir haben einen Montags-Kessel erwischt«

Die Probleme, die die bisherige Heizanlage von Anfang an begleitet haben, schilderte Bürgermeister Herbert Häusl. Der Kessel, mit dem das Heizwerk damals im Jahr 1999 in Betrieb ging, war ein Prototyp, der offenbar nie so richtig funktionierte: »Wir haben da eher einen Montags-Kessel erwischt«, meinte der Bürgermeister etwas sarkastisch. Dann sei durch den Anschluss zusätzlicher Häuser der Kessel auch im Laufe der Zeit an das Ende seiner Kapazität gelangt. Aus all diesen Gründen sei es auch zu Lärm- und Staubemissionen gekommen. Die künftigen Werte seien mit der jetzigen Rußbelastung überhaupt nicht mehr vergleichbar, sagt Thaler. Dadurch seien auch keine hohen Kamine mehr erforderlich.

Häusl betonte auch, dass in Waging seinerzeit »ökologische Pionierarbeit geleistet« worden sei. In den 1990er Jahren habe noch kaum eine Gemeinde eine Hackschnitzelheizung gebaut. Nach einem anfänglich schleppenden Interesse sei das Interesse inzwischen recht groß. Aber weitere Anschlüsse seien derzeit nicht mehr möglich: 72 Häuser seien bisher angeschlossen, 30 Häuser entlang der Trasse seien noch nicht angeschlossen, und in dem Bereich gebe es zudem noch 23 Bauparzellen.

Für den Bebauungsplan zuständig ist der Planer Ludwig Kleißl. Er stellte fest, dass in der nächsten Bauausschuss-Sitzung Bebauungs- und Grünordnungsplan auf den Weg gebracht werden könnten. Allerdings werde das Verfahren seine Zeit dauern: Kleißl rechnet mit etwa einem halben Jahr und damit mit einem Baubeginn frühestens im Mai 2016. Das Gebäude selber sei aber wohl rasch zu errichten, da es als Fertigteil-Bau geplant ist. Dazu kam Kritik aus der Versammlung: Dadurch, so hieß es, könnten Firmen aus der Region kaum zum Zug kommen.

Abschließend nahm Häusl noch kurz Stellung zu Michaels Schittenhelms Ankündigung, sich gegen den Standort des neuen Heizwerks zur Wehr zu setzen. Natürlich habe dieser das Recht, alle verfügbaren Rechtsmittel gegen diesen Standort auszuschöpfen. Falls der Standort dann tatsächlich nicht zu realisieren wäre, »müssen wir zügig schauen, einen anderen zu finden«. he