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»In der Stadt Traunreut und Umgebung eine neue Heimat gefunden«

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Die Siebenbürger Sachsen feierten ihr 40-jähriges Bestehen mit zahlreichen Gästen im Rahmen eines feierlichen Festaktes mit kulturellen Aufführungen im Saal des k1. ( Foto: Mix)

Traunreut – Ihr 40-jähriges Bestehen feierte die Kreisgruppe Traunreut der Siebenbürger Sachsen mit einem reichhaltigen Festprogramm im k1. Dabei wurde eindrucksvoll bewiesen, dass das Anliegen der Gründer nach wie vor großen Stellenwert hat, nämlich das kulturelle Erbe zu erhalten, die Traditionen zu bewahren und die Gemeinschaft zu fördern. Mit vielfältigen Veranstaltungen und einem sehr regen Vereinsleben erhalten die Siebenbürger Sachsen diese Werte auch 40 Jahre nach ihrer Gründung aufrecht.


»Das nenne ich gelebte Integration«

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Zum Jubiläum gratulierte unter anderem Gerta Daniel, die Vorsitzende des Landesverbands Bayern der Siebenbürger Sachsen. Sie lobte die »sehr aktive Kreisgruppe mit ihren zahlreichen Kulturformationen«. Hier werde Brauchtum nicht nur gepflegt, sondern auch gelebt und dies erfreulicherweise vor allem von der Jugend. Die Landesvorsitzende übernahm auch die Auszeichnung einiger Mitglieder. Sie überreichte die Goldene Ehrennadel an Andres Lauer als langjährigen Stellvertretenden Vorsitzenden. Die Silberne Ehrennadel erhielten Jürgen Filff, der als Jugendreferent seit Jahren die Jugendarbeit intensiv betreibt. Ebenfalls mit der silbernen Nadel ausgezeichnet wurden Udo Albrich und Willi Stürzer. Anerkennungsurkunden für ihr ehrenamtliches Engagement gab es für Martin Edel, Monika Schwarz, Uschi Richter, Luise Lauer, Christian Binder und Werner Schenker. Norbert Klein, der als Vorsitzender die Kreisgruppe von 2002 bis 2014 leitete, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

In weiteren Grußworten gratulierten Stellvertretender Landrat Andreas Danzer und Traunreuts Kulturreferentin Steffi Gampert. Sie dankte im Namen der Stadt allen Personen, die sich in den vergangenen 40 Jahren leidenschaftlich um den Verein kümmerten und mit ihren Veranstaltungen das Leben in der Stadt bereicherten. »Das nenne ich gelebte Integration«, so Steffi Gampert. Für Andreas Danzer versteht es die Kreisgruppe hervorragend, »die eigene Identität auszuleben, ohne die Identität anderer infrage zu stellen«. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Situation mit den Flüchtlingen im Landkreis seien diese Erfahrungen von großem Wert, »wir können von ihnen nur lernen«. Der evangelische Pfarrer Stefan Hradetzky lobte ausdrücklich das Engagement der Siebenbürger Sachsen in der Traunreuter Kirchengemeinde und deren tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben.

Vorsitzender Richard Schneider ging auf die Geschichte der Kreisgruppe ein. Am 8. November 1974 fand im katholischen Pfarrsaal Traunreut die Gründungsversammlung statt, in der das Anliegen deutlich wurde, »das kulturelle Gut der Siebenbürger Sachsen in Wissenschaft, Kunst und Brauchtum zu pflegen«. Als Erster Vorsitzender wurde damals Otto Schatz gewählt, der das Amt 27 Jahre mit großem Einsatz ausübte. Die Kreisgruppe zielte in erster Linie darauf ab, die ausgesiedelten Landsleute zu betreuen, sie zu beraten und sie in der beruflichen oder sozialen Integration zu unterstützen. Auf der anderen Seite sah sie als Aufgabe die Aufrechterhaltung, Pflege und Bewahrung von Tradition und Brauchtum aus Siebenbürgen. In ehrenamtlichem Einsatz wurden etwa 8000 von Siebenbürger Landsleuten mitgebrachte Dokumente aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzt und den Spätaussiedlern mit wichtigen Hinweisen für ihre Behördengänge ausgehändigt. Weiterhin galt es in Traunreut, Landsleute aus etwa 70 unterschiedlichen Orten Siebenbürgens einer neuen Gemeinschaft zuzuführen und auf diese Weise Heimatverlust und Vereinsamung entgegenzuwirken.

Mit der Jugend zuversichtlich in die Zukunft schauen

1979 wurde der erste Chor gegründet, 1984 die erste Jugendtanzgruppe. 20 komplette Trachten wurden 1984 in ehrenamtlicher Handarbeit für den tanzenden Nachwuchs genäht und bestickt. In den 1980er Jahren haben Mitglieder der Kreisgruppe von Traunreut aus gespendete Hilfsgüter in Höhe von 15 000 D-Mark nach Siebenbürgen gebracht. Richard Schneider betonte: »Wir blicken heute vor allem mit Stolz auf die vielen Jugendlichen, die in unserer Kreisgruppe aktiv mitmachen. Sie tragen unsere Trachten mit Leidenschaft, sie sagen ja zur Tradition und sie sagen ja zur Brauchtumspflege. Mit dieser Jugend können wir zuversichtlich in die Zukunft schauen. Sie bewahrt die Traditionen, sie bewahrt unsere Kultur und hält so die Werte und Einstellungen lebendig, die unsere Vorfahren über Jahrhunderte geprägt haben.«

Traunreut ist zur neuen Wahlheimat geworden

Längst fühlen sich die Siebenbürger Sachsen inzwischen in Bayern zu Hause. »Wir haben in der Stadt Traunreut und Umgebung eine neue Heimat gefunden. Für uns Siebenbürger Sachsen hat dies einen ganz besonderen Wert, gerade weil wir unsere Ursprungsheimat verloren haben. Die Traunreuter Bürger und jene des Landkreises haben auch dazu beigetragen, dass wir hier eine neue Wahlheimat gefunden haben. Dafür sind wir dankbar und wissen dies zu würdigen«, erklärte der Vorsitzende.

Zur Unterhaltung der vielen Gäste im Saal des k1 führten zwei Tanzgruppen mit Jugendlichen und Erwachsenen flotte Tänze auf. Der Chor sang einige Lieder und auch frühere Chormitglieder standen noch einmal auf der Bühne. Als Gäste bereicherte die Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen aus Augsburg das Programm. Beim Jubiläumsball wurde anschließend lang und ausgiebig getanzt und gefeiert. mix