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In der Ritterrüstung zur Weltmeisterschaft

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Mit Helm, Schwert und Schild ist Matthis Krebs bei vielen Showkämpfen und Vollkontakt-Turnieren in der Region am Start. Für die Weltmeisterschaft tauscht er allerdings sein Kettenhemd mit einer fast 40 Kilogramm schweren Rüstung aus Stahl und zahlreichen Polstern.
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Gemeinsam auf den Weg zur Weltmeisterschaft im Vollkontaktkampf machen sich heute Abend Matthis Krebs (rechts) aus Eisenärzt und Magnus Ströber aus Anger.

Siegsdorf. Wenn der Eisenärzter Matthis Krebs dem Alltag entfliehen will, dann schnappt er sich Schwerter, Kettenhemd und Eisenhelm und verwandelt sich in einen Ritter. Doch mit einem einfachen Mittelalterhobby hat die Leidenschaft des 35-Jährigen nicht viel zu tun. Wenn Krebs seinen Gegnern gegenübertritt, dann wird von ihm Hochleistungssport abverlangt. Ab Donnerstag tritt er zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südfrankreich an.


Bereits seit Wochen bereitet sich der diplomierte Wirtschaftsjurist in seiner Freizeit auf den Einsatz vor. Fast täglich trainierte er im Fitnessstudio neben Kraft und Schnelligkeit auch seine Ausdauer. Allein seine Rüstung für den Kampf, die dem Mittelalter vor 600 Jahren nachempfunden ist, wiegt bis zu 40 Kilogramm. »Spätestens nach drei Minuten bin ich unter der schweren Ausrüstung klitschnass geschwitzt«, erzählt der 35-Jährige. Atmen kann er zu dem Zeitpunkt nur durch die Helmschlitze an den Augen.

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Neben Kampfsporttechniken wie Tritten und Würfen darf während des Kampfes so gut wie alles eingesetzt werden, damit der Gegner zu Boden geht: Schildkanten, Hellebarden, Äxte, Schwerter und auch Kriegshämmer.

Gekämpft wird, bis nur noch einer steht

So treten in einer Disziplin fünf Kämpfer jeder Nation in drei Runden gegeneinander an. Am Ende gilt das Prinzip des »Last-Man-Standing«. Die Mannschaft mit dem letzten stehenden Kämpfer hat gewonnen.

Das klingt sehr brutal, trotzdem wird im Vollkontaktkampf Sicherheit groß geschrieben. Es gibt ein umfangreiches Regelwerk mit über 80 Punkten, das von bis zu sechs Schiedsrichtern und einer Videokamera kontrolliert wird. So sind etwa Treffer unterhalb des Knies nicht erlaubt, da dieser Bereich wegen der authentischen Darstellung nicht geschützt ist. Auch sind die Kanten und Spitzen der Waffen abgestumpft. Hinzu kommen Tugenden der Ritterlichkeit, sodass etwa auf einen Gegner, der die offene Handfläche entgegen streckt oder dem große Teile der Rüstung fehlen, nicht weiter eingeschlagen wird.

Das Wichtigste beim Kampf ist aber die authentische Stahlrüstung, ergänzt mit darunter liegenden Polstern, Mund- und Hodenschutz. »Dadurch wird das Verletzungsrisiko stark minimiert«, erklärt Krebs, der vor acht Jahren feierlich zum Ritter geschlagen wurde. Prellungen und Hämatome sind aber trotzdem nach fast jedem Wettkampftag an der Tagesordnung. »Ähnlich wie beim Fußball oder dem Boxen«, findet der Eisenärzter, der seit einem knappen Jahr mit einer langen, senkrechten Narbe auf der linken Gesichtshälfte gekennzeichnet ist. »Das war aber eine Unachtsamkeit während eines Schaukampfes mit meiner Mittelaltergruppe. Das wird mir nicht noch einmal passieren.«

Vor vier Jahren gründete er die »Grenzwacht«

Der 35-Jährige ist in der Region kein Unbekannter. Vor vier Jahren gründete er als Anführer mit dem Namen »Fjorka von Rauhenklamm« seine eigene Gruppe, die »Grenzwacht«. Sie widmet sich der authentischen Darstellung des Mittelalters in der Gegend südlich von Burghausen. Dazu gehören neben Lagerleben, Showkämpfen und Waffentraining auch das Schmieden und Nähen der eigenen Kleidung und Ausrüstung. Als gemeinsames Erkennungszeichen dient das blaue Wappen mit weißem Pferdekopf und zwei weißen Sparren.

Über das Training in der Mittelaltergruppe, Schwertseminare und Fechtturniere entwickelte Krebs den Ehrgeiz, den Vollkontaktkampf als Leistungssport zu betreiben. Der Weg in die deutsche Nationalmannschaft war aber hart. Bei mehreren Ausscheidungswettkämpfen musste er sich gegenüber Hunderten von Mitbewerbern beweisen. Am Ende gehörte er zu den besten Zwanzig. So wie auch Magnus Ströber aus Anger, der als Ersatzmann mit zur Weltmeisterschaft reist. Zusammen hatten sie in den letzten Monaten in der Turnhalle in Fridolfing für den internationalen Wettbewerb trainiert.

24 Mannschaften treten gegeneinander an

Denn die Konkurrenz ist sehr groß. Insgesamt 24 Mannschaften treten bei der »Battle of the Nations« von Donnerstag bis Sonntag an. Die Deutschen zählen allerdings nicht zu den Favoriten, da der Vollkontaktkampf hier im Gegensatz zu Russland oder England noch in den Kinderschuhen steckt. »Wir wollen aber trotzdem unser Bestes geben und weit kommen«, gibt sich Krebs kämpferisch. Heute Abend bricht er zusammen mit seinen Kollegen nach Aigues-Mortes in Südfrankreich auf und kämpft dann in Einzel- und Gruppenduellen nicht nur um Preisgeld, sondern auch um die Ehre als Ritter. apo