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In der eigenen Wohnung überfallen

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Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte gestern die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs einen 22-jährigen Traunreuter wegen versuchten schweren Raubes. Der Mann soll Schmiere gestanden haben, während zwei Komplizen am Abend des 6. Dezember 2012 gegen 20.30 Uhr bei einer Familie in Traunreut Sturm klingelten und hartnäckig klopften. Nach dem Öffnen der Tür stürmten zwei maskierte Täter in die Wohnung, bedrohten die Mutter und ihre beiden Kinder mit einer Waffe und durchsuchten die Räume nach Wertsachen.


Die beiden weiteren Tatverdächtigen, zwei junge Männer aus Traunreut, müssen sich demnächst vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Ihr Prozess findet am 10. Juli statt. Eigentlich hatte das Trio – einer der Männer hatte eine ungeladene Schreckschusspistole in der Hand – laut Vorwurf von Staatsanwältin Ulrike Hackler es auf Bargeld abgesehen. 1200 Euro, nach Aussage des gestern Verurteilten sogar 3000 Euro, vermuteten sie bei dem 25-jährigen Sohn der Familie. Zum Hintergrund des Geldes oder eventuellen offenen Forderungen gab der 22-Jährige keine schlüssige Erklärung. Letztlich erbeuteten die Täter kein Geld oder andere Wertsachen.

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Familie geht Überfall immer noch unter die Haut

Im Laufe der polizeilichen Ermittlungen kristallisierten sich immer mehr die drei Traunreuter im Alter von 20 bis 22 Jahren als mögliche Täter heraus. Alle saßen seit ihren Festnahmen Ende Januar beziehungsweise Mitte Februar 2013 in Untersuchungshaft.

Der Familie geht der Überfall noch immer unter die Haut, die Beteiligten leiden unter psychischen Folgen. Einen der anderen Tatverdächtigen, gestern Zeuge, fragte der Vorsitzende Richter: »Haben sie sich mal Gedanken gemacht, was es für die Geschädigten bedeutet, in ihrer Wohnung von Maskierten mit einer Pistole überfallen zu werden? Dass Opfer jahrelang Angst haben in Tiefgaragen? Oder Angst haben, wenn das Licht ausgeht?« Die Antwort des Zeugen: »Es ist Scheiße.«

Staatsanwältin Ulrike Hackler beantragte gestern fünf Jahre Haft wegen gemeinschaftlichen schweren Raubs. Als Pluspunkte für den 22-Jährigen nannte sie sein frühes Geständnis – »obwohl er vermutlich auch ohne Geständnis zu überführen gewesen wäre«, und seinen wohl eher geringen Tatbeitrag. Andererseits habe er mehrere Vorstrafen, sei zur Tatzeit unter offener Bewährung gestanden und habe eine hohe Rückfallgeschwindigkeit an den Tag gelegt. Auch die erheblichen psychischen Folgeschäden sprächen gegen ihn.

Verteidiger: »Es war eine Schnapsidee«

Verteidiger Michael Fraunhofer aus Trostberg führte an, sein Mandant sei von einer Spielzeugpistole ausgegangen. Die Tat sei nur ein Versuch geblieben. Ein minderschwerer Fall sei angezeigt, etwa wegen seines untergeordneten Tatbeitrags und der chaotischen Planung: »Es war eine Schnapsidee.« Wegen seiner Geldsorgen habe sich der 22-Jährige zum Mitmachen überreden lassen. Er hob die Reue und die Aufklärungshilfe heraus. Eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren sei angemessen. Im »letzten Wort« meinte der Angeklagte: »Ich bedauere alles zutiefst. Es war ein schwerer Fehler. Ich möchte mich bei der Familie entschuldigen.«

Im Urteil bestätigte das Gericht die Rolle des Angeklagten. Er habe aufgepasst, während die beiden anderen die Zimmer durchsuchten. Dem 22-Jährigen sei auch die Schreckschusspistole zuzurechnen. Sie sei verschwunden, deshalb wisse man nicht, ob sie geladen war. Rechtlich komme versuchter schwerer Raub in Betracht. Die Sache mit dem angeblich aus der Wohnung mitgenommenen Marihuana sei vielleicht nur erfunden worden, um den überfallenen 25-Jährigen schlecht zu machen und den Überfall so zu rechtfertigen. Die Tat zeuge von »erschreckend hoher krimineller Energie«. kd