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In der ambulanten Palliativversorgung beginnt eine neue Ära

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Der Vorsitzende des »Netzwerks Hospiz«, Alois Glück (rechts), übergab Stefan Nowack die Ernennungsurkunde zum Ehrenmitglied. (Foto: Buthke)

Traunstein – Wichtige personelle und strukturelle Veränderungen standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des »Netzwerks Hospiz – Verein für Hospizarbeit und Palliativbetreuung Südostbayern« im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG. Der geschäftsführende Vorsitzende Stefan Nowack verlässt den Verein, weil er eine neue Stelle im Klinikum Passau antritt. Zum 1. Mai soll zudem die Spezialisierte Ambulante Palliativ-versorgung (SAPV) eingeführt werden. Für sein Engagement bei der Gründung und beim Aufbau des »Netzwerks Hos-piz« wurde Nowack zum Ehrenmitglied ernannt. »Mit dem Aufbau der SAPV mit eigenen Medizinern beginnt eine neue Ära«, war Nowack überzeugt.


Landtagspräsident a. D. Alois Glück bleibt Vorsitzender

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Bei den Neuwahlen wurde Landtagspräsident a. D. Alois Glück als Vorsitzender bestätigt. Stellvertreter wurden der Altenmarkter Bürgermeister Stefan Bierschneider und Hospizbegleiter Dr. Reinhard Kalender aus Anger. Schatzmeisterin wurde Bilanzbuchhalterin Ulrike Kecht aus Inzell, Schriftführer der Chefarzt der Hämatologie und Onkologie im Klinikum Traunstein, Dr. Thomas Kubin. Als Beisitzer wurden der Geschäftsführer des Caritas-Zentrums Traunstein, Franz Burghartswieser, Dr. Henner Kraus vom Hospizverein Berchtesgadener Land, Dr. Martin Metz als Vertreter der Hausärzte, Michaela Stockhammer vom Sozialbüro Kirchanschöring, Dr. Christian Stöberl, Leitender Arzt der Palliativstation der Kreisklinik Bad Reichenhall, und der Vorstand der Kliniken Südostbayern AG, Elisabeth Ulmer, gewählt. Rechnungsprüfer bleiben Traudl Wiesholler-Niederlöhner und Karl Kaditzky.

Als wichtige Etappe in der Entwicklung des »Netzwerks Hospiz« bezeichnete Glück die Einführung der SAPV. Ausschlaggebend seien die Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen. Das »Netzwerk Hospiz« werde Träger der gemeinnützigen GmbH. Als Geschäftsführer wurde Ludwig Hartl aus Trostberg vorgestellt. Ärztlicher Leiter wird Dr. Robert Kühnbach aus Mühldorf.

Die Palliativversorgung muss von einem Arzt verordnet werden. Anspruch auf Leistungen haben Versicherte, die an einer nicht heilbaren, fortschreitenden Erkrankung leiden, die das Leben des Patienten auf Monate begrenzt, und die zudem eine aufwändige, ambulant oder in stationären Einrichtungen zu erbringende, medizinische Versorgung benötigen. Palliative Care Teams, die mit den Kassen SAPV-Verträge geschlossen haben, können die Leistungen mit der jeweiligen Kasse abrechnen.

Voraussetzungen sind unter anderem die 24-stündige Erreichbarkeit des Dienstes an jedem Tag der Woche, nachgewiesene fachliche Qualifikation der Mitarbeiter und die Gewährleistung einer bestimmten materiellen Ausstattung, zu der auch ein Notfallvorrat an Betäubungsmitteln für den unvorhersehbaren, dringenden und kurzfristigen Bedarf gehört. Dr. Kühnbach sprach in seiner Vorstellung der SAPV deshalb von einer »Notfallstation auf Rädern«.

Bundesregierung muss die Finanzierung regeln

Glück wies auf die Debatte über das Thema »Würde des Menschen und Würde des Sterbens« hin. »Die positive Reaktion darauf ist, die menschliche Begleitung und Unterstützung bis zum Tod zugänglich zu machen«, so Glück. Die organi-sierte Unterstützung beim Selbstmord werde vom Bundestag voraussichtlich gesetzlich verboten, weil es durch die Palliativmedizin kaum mehr ein Krankheitsbild gebe, bei dem Menschen nicht schmerzfrei gestellt werden könnten. Aber die Bundesregierung müsse auch die Finanzierung regeln. »Mit der SAPV haben wir vom 'Netzwerk Hospiz' den organisatorischen Weg erschlossen«, erklärte er.

Palliativversorgung bräuchten Tumorpatienten, bei denen keine Tumortherapie mehr möglich ist, und die den Wunsch hätten, zuhause zu sterben, sagte Dr. Kühnbach. Rund zehn Prozent aller Sterbenden brauche deutlich mehr Qualifikation und Gerätschaften und deshalb die SAPV. Voraussetzung seien ein Vertrag mit den Kassen, ein Versorgungsgebiet von 250 000 Ein-wohnern, die Versorgung durch den Hausarzt und eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sowohl durch einen Arzt als auch durch Pflegekräfte. Dazu sei ein eigenes Netzwerk von Haus- und Fachärzten, Pflegediensten und Pflegeheimen, Krankengymnasten, Palliativstationen und einem SAPV-Team notwendig. Die Zentrale werde im Pfarrhof von Heilig Kreuz in Traunstein sein. Ein Büro werde es zudem in Bad Reichenhall geben.

Vor zehn Jahren wurde das »Netzwerk Hospiz« in Bergen gegründet. Aus diesem Anlass blickte Stefan Nowack zurück. Der Verein erhielt vom Landkreis Traunstein eine Startfinanzierung von 200 000 Euro und in den vergangenen Jahren Zuschüsse beider Landkreise. »Ohne umfangreiches Sponsoring und Unterstützung wäre das 'Netzwerk Hospiz' und die Arbeit der Brückenpflegekräfte nie zum Laufen gekommen«, betonte er. Dabei wies er unter anderem auf die umfangreiche Unterstützung der Kliniken Südostbayern AG hin. »Die Palliativstationen Bad Reichenhall und Traunstein sind wichtige und regelmäßige Ansprechpartner unserer Brückenpflegekräfte, die die kostenlose ambulante Palliativversorgung sicherstellen«.

Im Dezember 325 Patienten im Landkreis Traunstein betreut

Im Landkreis Traunstein waren im Dezember 2014 zwölf und im Landkreis Berchtesgadener Land zehn Brückenpflegekräfte beschäftigt. Betreut wurden im Dezember 325 (Traunstein) bzw. 76 Patienten (Berchtesgadener Land). Als weiteren Baustein nannte Nowack den Aufbau der außerklinischen Ethikberatung auf Initiative von Dr. Birgit Krause-Michel, deren Finanzierung durch die Hertha und Wilhelm-Simson-Stiftung erfolgt. Höhepunkt war 2009 die Fotoausstellung »Noch mal leben vor dem Tod« in der Traunsteiner Klosterkirche mit 6000 Besuchern. Der Verein hat derzeit 580 Mitglieder.

Zum Aufbau der SAPV meinte Nowack, das »Netzwerk Hospiz« habe zwei Hauptprobleme: Die Brückenpflegekräfte seien beim Patienten meist allein und auf die Mitarbeit der Hausärzte angewiesen, die unterschiedlich gut qualifiziert und engagiert seien. Eine kompetente Unterstützung durch Palliativmediziner sei nicht gegeben. Da die Finanzierung des »Netzwerks Hospiz« ausschließlich über freiwillige Zuschüsse der Landkreise, Spenden und Mitgliedsbeiträge erfolgt und die Zahl der Patienten und damit die Kosten stiegen, sei eine dauerhafte Finanzierung nicht gegeben. Die SAPV werde von den Kassen finanziert. In der Allgemeinen Ambulanten Palliativversorgung (AAPV) werde das »Netzwerk Hospiz« die Betreuung von Patienten weiterhin sicherstellen. Bjr