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In Bayern war der Nikolaus lange der Gabenbringer

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Der Nikolaus kommt in bischöflichen Gewändern, die Mitra auf den Kopf und den Stab in der Hand.
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Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: Bischof Nikolaus.


Kaum ein Heiliger ist uns von Kindertagen her so vertraut wie St. Nikolaus. Der Abend vom 5. auf den 6. Dezember, seinem Namenstag, ist und bleibt für nicht wenige auch heute noch ein ganz besonderer Abend. Da spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob er sich bereits 10- oder 20-mal auf den verschiedensten Advents- oder Christkindlmärkten der Region hat blicken lassen, um dort Gaben zu verteilen. Wenn sich »Bischof Nikolaus« mit Stab und Mitra zu einem Hausbesuch angesagt hat und dann auch erscheint, begleitet von einem Krampus oder gar mehreren, ist das für Jung und Alt allenthalben immer noch ein besonders beeindruckendes Erlebnis.

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Seine persönliche Geschichte, von zahlreichen Legenden überwuchert, hier erzählen zu wollen, wäre im Rahmen dieses Beitrags viel zu aufwändig. Aber dass er, ehe das Christkind die Aufgabe übernahm, bei uns in Bayern der Gabenbringer über lange Zeit hinweg war, soll und darf nicht verschwiegen werden. Die Überlieferung sagt, dass er dieses Amt des Gabenbringers zum Beispiel in der Münchner Residenz schon Mitte des 16. Jahrhunderts ausübte und später zunächst auch beim übrigen Hochadel.

Der heute bekannte »Einkehrbrauch«, wie er auf uns gekommen ist, breitete sich im überwiegend katholischen Süddeutschland um 1650 erstmals in der Fläche aus. Das Aussehen von St. Nikolaus hat sich seither eigentlich nicht grundlegend verändert, einmal abgesehen von der jämmerlich daherkommenden, gartenzwergähnlichen Gestalt, die die Werbeindustrie tausendfach aus ihm gemacht hat.

Zwei Beschreibungen aus jüngerer Zeit, die erste um 1950 und die zweite aus der Zeit um 1980, sollen das verdeutlichen. Der Darsteller des Nikolaus, so heißt es da, kommt in bischöflichen Gewändern, meist mit dem Rauchmantel und Messgewand angetan, die Mitra auf dem Kopf und den Stab in der Hand. Er ist begleitet von einem oder zwei Kramperln, die in eine dunkle Fellumhüllung gewandet sind und über dem Kopf eine Art Gugel aus rauem schwarzem Stoff oder Lammfell, dem zwei kurze Hörner aufgenäht sind, gestülpt haben. Sie rasseln mit Ketten und während der Nikolaus die in der Stube versammelten Kinder beten lässt und ein paar Fragen über ihr Betragen an die Eltern richtet und sie dann mit Äpfeln und Nüssen und Leckereien beschenkt, droht der Krampus den bösen Kindern mit der Rute und macht wohl auch Miene, sie in den Sack zu stecken.

Um 1980 heißt es zum selben Thema: »Unter einem bunt bestickten Rauchmantel trägt der Nikolaus eine weiße bis zum Boden reichende Albe. Stola, Mitra und Stab kennzeichnen ihn als Bischof. Ein voller, langer und bis auf die Brust reichender, grau-weißer Bart lassen ihn als ehrwürdigen und weisen, alten Mann erscheinen.« Dann eine entscheidende Änderung im Brauch: »Ihn begleiten bis zu zwölf finstere Gesellen, die Kramperl. In langes, zottiges Fell gehüllt, über den Kopf eine Larve gestülpt, sind sie die Schreckgestalten für die Kinder. Die Larven sind möglichst eindrucksvoll aus Fellstücken gefertigt oder aus Holz geschnitzt mit Augen und Mundöffnungen versehen. Meist haben sie noch Hörner aus Stoff oder echte Kuhhörner oder Gamskrickerl aufgenäht. Eine lange rote, aus dem Maul hängende, Zunge vervollständigt die Teufelsfratze.«

Es folgt dann eine weitere Beschreibung, die darauf hinausläuft, dass gar mehrere Kramperl-Gruppen auf dem Marktplatz erscheinen mit ihrem Nikolaus zusammen. Für so manche »Kramperlpass« der Jetztzeit ist der Nikolaus, so scheint es jedenfalls, nur noch Randfigur. Angst und Schrecken zu verbreiten, scheint das Hauptziel zu sein.

In einem Aufruf zum Advent war dazu kürzlich zu lesen: »...findet neben dem Markttreiben eine Krampusshow mit Engeln statt (inklusive Pyrotechnik) – ein Muss für alle Eltern mit Kindern«. Welch ein Widersinn im Bezug auf die als außerordentlich mitmenschlich, mildtätig sowie allseits schützend und helfend beschriebene Person des heiligen Nikolaus von Myra. fb