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Die Volkshochschule Traunstein feierte ihr 70-jähriges Bestehen – Professor Klaus Meisel hielt launige Festrede

In 70 Jahren »von der Würstlbude zum Vier-Sterne-Hotel«

Traunstein – Mit einem glanzvollen Festabend, der von »Bob Sattle & Hot Hoagascht« musikalisch gestaltet worden ist, hat die Volkshochschule (VHS) Traunstein ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert.

Der Vorsitzende der Volkshochschule Traunstein, Fritz Stahl (rechts), und Geschäftsführer Günter Scholz (links) dankten dem Vorsitzenden des Bayerischen Volkshochschulverbands, Professor Klaus Meisel, für die Festrede zum 70-jährigen Bestehen. (Foto: Buthke)

Festredner war Professor Klaus Meisel, der Vorsitzende des Bayerisches Volkshochschulverbands. In seinem launigen Vortrag machte er eindrucksvoll deutlich, wie sehr die Gesellschaft die Volkshochschulen braucht.

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Früher sei das lebenslange Lernen nur ein Thema von Sonntagsreden gewesen, meinte Meisel. Inzwischen hätten die Menschen aber verstanden, dass sie ohne lebenslanges Lernen den Anschluss verlieren würden. Deshalb brauche man öffentliche Bildungseinrichtungen für die Erwachsenenbildung, die dezentral zugänglich seien und auch nicht renditeorientierte Themen aufgriffen. Die 200 Volkshochschulen in Bayern erreichten rund drei Millionen Menschen.

Die größten Sprachschulen der Republik

Im öffentlichen Diskurs habe der Begriff Volkshochschule sehr oft etwas Despektierliches, obwohl die Volkshochschulen bei allen Qualitätsuntersuchungen der Stiftung Warentest sehr gut abschnitten. So seien die Volkshochschulen etwa die größten Sprachschulen der Republik und trügen damit zur Weltoffenheit bei. Als weiteren Gesichtspunkt zählte er die präventive Gesundheitsbildung auf. Die VHS Traunstein sei auch in der beruflichen Bildung etabliert. Ferner leiste sie Integrationsarbeit nach innen und außen.

In der Bayerischen Verfassung hätten die Volkshochschulen Verfassungsrang als demokratiefördernde Einrichtungen. Einrichtungen, die für alle da seien. Solche Orte müsse man gemeinsam stärken, meinte Meisel.

Der Vorsitzende der Volkshochschule Traunstein, Altoberbürgermeister Fritz Stahl, erklärte, die VHS wolle mit diesem Abend dreierlei: Bei der Stadt Traunstein und allen Gemeinden Danke sagen, allen Mitarbeitern ein Treffen und Kennenlernen bieten sowie die Bedeutung der Jugend- und Erwachsenenbildung herausstellen und dafür werben.

Seit 1947 ergänze die VHS Traunstein nicht nur die Arbeit der Schulen. Sie fördere die berufliche und persönliche Bildung, biete Gemeinschaft und lasse Kreativität wachsen. Aber dies sei nicht alles, denn Bildung solle insbesondere auch die Persönlichkeit stärken und Lebensfreude fördern.

Der Mensch sei nie zu alt, um zu lernen, meinte Oberbürgermeister Christian Kegel. Möglichkeiten für lebenslanges Lernen, zur persönlichen Weiterentwicklung und zur sinnvollen Freizeitgestaltung zu bieten, das sei Aufgabe der Volkshochschulen. Als eine von insgesamt 30 Bildungseinrichtungen sei die VHS Traunstein von besonderer Bedeutung für die Große Kreisstadt. Sie ergänze nämlich das Bildungsangebot um ein umfangreiches und vielfältiges Kursangebot, das auf die Bedürfnisse und Anforderungen von Erwachsenen ausgerichtet sei.

Die VHS Traunstein habe sich in 70 Jahren zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Als sie 1947 ihr erstes Kursprogramm veröffentlicht habe, seien 34 Angebote zur Auswahl gestanden. Heute seien es über 800 Kurse und Seminare. Die Bedeutung der VHS Traunstein machte Kegel an ihrem Standort fest: Seit 1997 habe sie direkt neben dem Rathaus ihre Heimat. 2012 sei sie um ein repräsentatives, rund 600 Quadratmeter großes Seminarzentrum mit modernen Büro-, EDV- und Seminarräumen erweitert worden.

Die Volkshochschule Traunstein mit ihren elf Außenstellen sei heute die Anlaufstelle Nummer eins bei der Erwachsenenbildung in Traunstein und weit über die Stadtgrenzen hinaus. Jahr für Jahr nutzten rund 10 000 Menschen ihre Angebote. Die Stadt Traunstein wisse um die Bedeutung dieser Bildungseinrichtung und fördere sie deshalb nach Kräften. Sie sei in städtischen Immobilien untergebracht und erhalte einen jährlichen Zuschuss in beträchtlicher Höhe.

Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte auch der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser. Das Wirken der VHS Traunstein in den zurückliegenden 70 Jahren habe die Stadt und den Landkreis Traunstein bereichert und uns heute wie selbstverständlich eine Institution gegeben, die aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken sei. Die VHS Traunstein leiste einen wertvollen Beitrag für die hohe Bildungsqualität im Landkreis.

Käthe Ludwig, die bis 1995 25 Jahre lang die Geschäftsleitung der VHS Traunstein innehatte, blickte auf eine bewegte Zeit zurück. Die Entwicklung der Volkshochschule Traunstein verglich sie bildlich treffend: »von der Würstl- bude zum Vier-Sterne-Hotel«. Traunstein könne stolz auf ihre Volkshochschule sein, betonte Ludwig.

Programm als Spiegel aktueller Themen

Geschäftsführer Günter Scholz erklärte, die klassischen sechs Programmbereiche Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, Sprachen, Beruf und Grundbildung seien immer auch ein Spiegel aktueller gesellschaftlicher und sozialpolitischer Themen. Er ehrte langjährige Mitglieder im Gesamtvorstand, Dozenten, Lehrkräfte sowie Mitarbeiter. Aus dem Gesamtvorstand waren dies Dr. Jürgen Eminger, Christiane Giesen und Karl Irber.

Die geehrten Dozenten und Lehrkräfte waren Kurt Bauer, Gabriele Fahrner, Peter Frey, Elisabeth Grünaug, Gerlinde Hinterschnaiter, August Koch, Monika Ries, Robert Schmidtmeier, Beate Selig, Reinhild Stiegler, Klaus Weitemeyer, Marianne Wimmer, Hildegard Wernicke, Elisabeth Wülfing, Erika Vitztum und Martina Zecher. Bjr