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Impulsator ist der Starkbierkönig 2014

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Im Druckereimuseum des Verlags ließen sich die vielen Starkbiertester die acht Bockbiere der regionalen Brauereien schmecken. Weitere Bilder zur Starkbierprobe finden sie unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos.

Traunstein. Was der Nockherberg kann, kann Traunstein schon lang: »In den Niederungen der lokalen Presse«, wie Starkbierredner Albert Rosen-egger zum Druckereimuseum des Traunsteiner Tagblatts im Keller der Verlagsgebäude sagte, traf sich eine »fachkompetente Auswahl von ausgewiesenen Starkbierkennern«, um das beste der acht heimischen Bockbiere zu küren. Eine Aufgabe, die so manch einem Tester schwer fiel. »Mir schmeckt das Bier«, so etwa das pauschale Urteil von Dekan Georg Lindl, der nach einer anstrengenden Skitour Glas für Glas versuchte, seinen Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot zu bringen. Eine andere Strategie wählten da die Jurymitglieder Stefan Schnitzer und Andreas Hobmaier: Sie hatten sich sogar spezielle Gläser mitgebracht, um die Aromen der Biere noch besser aufnehmen zu können. Über ihren Entscheidungen grübelten sie ähnlich konzentriert, wie so manch ein Brauer; dieser aber aus Unsicherheit, welches der acht Biere nun das Seine ist. »Ich hab es nicht erkannt«, gaben im Anschluss einige freimütig zu.


Bewertet wurden der Mastrobator der Brauerei Camba (Rosenegger: »Is dös a Bock oder a Elixier für sexuelle Alleinunterhalter?«), der Chorherrenbock der Klosterbrauerei Baumburg, der Fastenbock vom Hofbräuhaus Traunstein, der Bernhardus-Bock der Brauerei Schnitzlbaumer (auch eine Art von Verkaufsstrategie: »Euren Bock habts ihr bereits restlos verkauft, mitsamt der Brauerei und da Wirtschaft. So bringt man am Besten los.«), der Saphir-Bock der Privatbrauerei Schönram, der Stein-Bock der Schlossbrauerei Stein, der Impulsator der Privatbrauerei Wieninger (»Dass die Teisendorfer solche Impulse gelegentlich von Nöten haben, ist aus ihrer Gemeindepolitik deutlich ersichtlich«) und der Rote Lindl der Brauerei Wochinger. »Habm Sie jetz bei dem Bier Pate gstanden, Herr Stadtpfarrer«, spielte Rosenegger nicht nur auf die Namensgleichheit an, sondern auch auf die ähnliche Farbe: Die Skitour hatte Lindl nicht nur »unglaublich durstig« gemacht, wie er selbst sagte, sondern vor allem knallrot werden lassen.

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Die 37 Jurymitglieder beurteilten die acht Biere nach den Kriterien Farbe, Schaum, Geruch, Geschmack und Nachtrunk. »Die Biere sind sehr unterschiedlich, alle aber unheimlich hochwertig«, bilanzierte Markus Lohner von der Camba. »Mir schmecken die Biere sehr gut«, freute sich Dekan Peter Bertram nicht nur über die Auswahl an Flüssigem, sondern auch über das »tolle Ambiente« und die »unverfälschten, persönlichen Begegnungen«. Landrat Hermann Steinmaßl sprach gar von »sehr viel Exklusivität, die wir hier erleben« und spielte auf die spitzfindige Rede von Albert Rosen-egger an, der – wie es sich für einen Starkbierredner gehört – auch die anwesenden Politiker derbleckte. Den scheidenden Landrat bezeichnete er als »nahezu perfekte Testperson«, weil er die Dinge ja jetzt sehr entspannt angehen könne – sich zugleich im Genre Bier »glänzend zurechtfindet«. Der Schmerz, dass er aus Altersgründen nicht mehr hat kandidieren dürfe, habe sich nach Einnahme der acht Testeinheiten möglicherweise schon verflüchtigt. »Denn Starkbier ist nicht nur ein gesundes, flüssiges Fastenbrot, sondern auch ein medizinisch anerkanntes Anti-Depressivum mit überschaubaren Nebenwirkungen – vor allem nach Wahlausgängen«. Das brauche Oberbürgermeister Manfred Kösterke zwar nicht, »aber Vorsicht! Stichwahlen san nicht ungefährlich, wenn es auch momentan so aussieht, ois datn si sich nicht mehr aus dem Amt kegeln lassen«. Als Beweis, wie Starkbier die geistige Potenz fördern kann, zeigte Rosenegger ein »Gemälde«: »Kein Picasso und auch kein Dali, Nein! Landrat Hermann Steinmaßl, 6. März 2008, 23.30 Uhr, Entwurf für den Neubau des Anette-Kolb-Gymnasiums auf einer Papiertischdecke nach da 3. Hoibe Starkbier – do herunten!« Und so einen architektonischen Visionär lasse man nicht mehr antreten. »Ois wie wenn mas grod a so hättn!« Rosenegger schlug Steinmaßl vor, dieses Mal den Entwurf für die AKG-Turnhalle zu zeichnen. »Papiertischdecken und unterstützende Extrakte stehen Ihnen im ausreichenden Maße zur Verfügung«.

Zwar brachte Steinmaßl an diesem Abend nichts mehr zu Papier, das eine oder andere Starkbier ließen er und die anderen Jurymitglieder sich nach Abgabe der Bewertungsbögen aber schon noch schmecken. Und auch wenn die Jury der Ansicht war, dass das heimische Bockbier insgesamt geadelt gehört, gab es wieder einen Starkbierkönig und sieben Starkbierprinzen. Die höchste Punktzahl bekam wie 2008 der Impulsator der Privatbrauerei Wieninger – ein Sieg, der bei so viel guter Stimmung und der Freude über noch viel mehr gutes Starkbier eigentlich zur Nebensache wurde. ka