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Immer wieder gegen das Verdrängen und Vergessen kämpfen

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Zum Lied vom »Guten Kameraden« senkten sich auch bei der Feier auf dem »Hohen Kreuz« die Fahnen der Traditions- und Ortsvereine.
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Als die Stadtmusik Traunstein das Lied vom »Guten Kameraden« spielte, senkten sich bei der Feier des VdK am Kriegerdenkmal im Stadtpark die Fahnen der teilnehmenden Vereine.

Traunstein. Mit Gedenkfeier und Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag, an denen die Traditions- und Ortsvereine, Polizei und Bundeswehr teilnahmen, wurde in Traunstein der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Oberbürgermeister Manfred Kösterke erklärte gestern bei der Veranstaltung des VdK am Kriegerdenkmal: »Wir brauchen Momente und Orte des Gedenkens wie diese gegen das Verdrängen und Vergessen.« Der Volkstrauertag sei ein Tag des stillen Gedenkens an alle Opfer von Krieg und Gewalt. Zugleich sei er auch ein Tag der Besinnung, wie wir heute auf Krieg, Gewalt und Terror reagieren und was wir für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit tun können. Auf dem Gelände des damaligen Friedhofs und heutigen Stadtparks wurde 1837 ein Obelisk errichtet. »Seit 175 Jahren ist er Mahnung zum Frieden und Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen«, erklärte der Oberbürgermeister.


Auch der VdK-Ortsvorsitzende Jürgen Pieperhoff erinnerte an die Aufstellung des Obelisken vor 175 Jahren, den der frühere Stadtpfarrer Franz Mooslechner mit einem Zeigefinger, der zum Frieden mahne, verglichen habe. »Er erinnert uns daran, dass der Friede ein hohes Gut ist, das es zu schützen und zu bewahren gilt.« Seit einigen Jahren seien leider auch wieder gefallene deutsche Soldaten zu beklagen.

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Beim ökumenischen Gottesdienst verwies Prädikant Volker Steiner auf die Geschichte von Sisiphos, der immer wieder einen Stein einen Berg hinauf rollen musste. »Auf alle gescheiterten Friedensbemühungen gemünzt, ruft uns sein Schicksal zu: Gebt niemals auf, wenn es um den Frieden geht«, sagte Steiner. Wir wollten den Frieden draußen und bei uns fördern, aber wir erlebten immer wieder »Tage des Sisiphos«, Tage der Resignation, der Ohnmacht und der wütenden Verzweiflung.

Angesichts von Not, unmenschlichem Leid, Trauer und Tod sowie Wissen um Ungerechtigkeiten könne es nur die Kraft der Hoffnung sein, die uns leben und weitergehen lassen, unterstrich Pastoralreferentin Edith Heindl. Inmitten der Trauer, Not und Ausweglosigkeit sollten wir Gott suchen, weil Gottes Wort in der Welt wirke.

Am Vorabend des Volkstrauertags fanden traditionell die Gedenkfeiern der Kreisverbindungskommandos der Bun-deswehr auf der Kriegsgräberstätte »Hohes Kreuz« und der Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach am Kriegerdenkmal in Haslach statt. Auf dem »Hohen Kreuz« erklärte Oberstleutnant a. D. Erwin Wuttke vom Kreisverbindungskommando, unser Staat begehe den Volkstrauertag, aber dieser Staat brauche Menschen, die ihn vertreten und sichtbar werden lassen. »Die Menschen, die dies von Amts wegen tun, sind viel, jedoch viel zu wenige. Das Wichtigste sind die Menschen, die hier und heute, aber auch anderswo für die Werte einstehen, die die Symbole des Staates ausdrücken«, so Wuttke. Der Redner musste seine weiteren Ausfüh-rungen dann wegen eines Schwächeanfalls abbrechen.

Oberbürgermeister Kösterke zitierte die aktuellen Schlagzeilen wie »Bundeswehr steht vor Patriot-Einsatz an der türkisch-syrischen Grenze« und »Israel zerbombt Hamas-Zentrale. Bodenoffensive im Gazastreifen steht unmittelbar bevor«. Die mache die Bedeutung des Volkstrauertags und die Bemühung um Frieden besonders deutlich.

Militärpfarrerin Claudia Konoppa machte das Leid, das die Nationalsozialisten über Europa gebracht haben, aber auch deren Scheitern daran fest, dass es sich um ein gottloses Regime gehandelt habe. Nicht umsonst sei nach dem Krieg der Bezug zu Gott in das Grundgesetz aufgenommen worden. Sie warnte jedoch davor, dass sich unsere Gesellschaft von Gott entferne. Mit der Kranzniederlegung ging die Gedenkfeier, für deren musikalische Gestaltung der Musikzug der Gebirgsschützenkompanie verantwortlich war, zu Ende.

Nach dem gut besuchten Abendgottesdienst mit Pfarrer Rupert Berger zog in Haslach die Glaubensgemeinschaft mit vielen Fahnenabordnungen an das Kriegerdenkmal. Dort hielt Pfarrer Berger ein kurzes Gedenken. »Dieses Gedenken an die zahlreichen Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft soll nicht nur ein Gedenken sein, das im Rückblick auf die Vergangenheit oder aus Gründen der Tradition am Leben erhalten wird, es soll uns immer wieder vor allem auch zum notwendigen Nachdenken für unsere Zukunft anregen«, erklärte Zweiter Bürgermeister Hans Zillner. In Deutschland könnten wir auf eine fast 70-jährige friedliche Zeit zurückschauen, aber die Menschen neigten dazu, in friedlichen Zeiten Unangenehmes zu verdrängen und zu vergessen, wie wichtig der Friede ist. Wie rasch sich das aber ändern könne, könnten wir am Beispiel Israel und Palästina aktuell erfahren.

Leider gebe es immer wieder machtbesessene Politiker und Fanatiker, die keinen anderen Ausweg sähen, als durch Kriege ihre Meinungen und Absichten durchzusetzen. Dabei müsste die Vergangenheit uns längst gelehrt haben, dass Kriege nur Verlierer hinterließen. »Deshalb ist die Erinnerung an das Leid kriegerischer Auseinandersetzungen auch eine unserer Aufgaben bei dieser Veranstaltung«, so Zillner.

Dabei werde jedoch keine Heldenverehrung betrieben. »Wir stehen hier vielmehr im stillen Gedenken an die vielen Einzelnen, die um ihr Leben betrogen wurden und schmerzhafte Lücken hinterließen. Arbeiten wir weiter daran, dass vielleicht irgendwann einmal aus dem Volkstrauertag ein Volksfriedenstag wird. Im Anschluss an Zillners Ausführungen wurden Kränze niedergelegt. Bjr