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Immer weniger Rinderhalter auch in Teisendorf

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Bei der Diskussion bei der Maschinenring-Ortsversammlung in Teisendorf, die Ortsvorsitzender Rupert Koch (links) moderierte, ging es auch um den Bieber und die Schäden, die er an Dämmen verursacht. Dazu meinte Bürgermeister Thomas Gasser (rechts), dass es Möglichkeiten der Umsetzung gebe, die genutzt werden sollten. (Foto: Peter)

Teisendorf – Die Mitglieder des Ortsverbands Teisendorf des Maschinen- und Betriebshilfsring Laufen (MR) setzten bei den Neuwahlen der Ortsvertreter auf Kontinuität und sprachen dem amtierenden Ortsvorsitzenden Rupert Koch und seinem Stellvertreter Heinrich Abfalter einstimmig das Vertrauen aus. Dem Ortsverband Teisendorf gehören über 240 Mitglieder an.


Zum Thema »Die Kommunen und ihre Landwirtschaft« wollte die Vorstandschaft eine direkte Diskussion zwischen Landwirten und Bürgermeister Thomas Gasse ermöglichen, sagte Koch. Denn nur im Gespräch könne jeder etwas über die Vorstellungen des anderen erfahren und Lösungsansätze finden.

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Den Strukturwandel in der Landwirtschaft in den Jahren 2000 bis 2015 zeigte Maschinenring-Vorsitzender Franz Helmberger auf. Der Strukturwandel habe nicht nur Auswirkungen auf die Landwirtschaft, sondern auch auf die Kommunen und Bürger. Die landwirtschaftlichen Betriebe würden immer weniger und größer, der Viehbestand werde größer, folglich werde auch der Verkehr mehr und die Transportwege würden länger, meinte Helmberger.

Die Zahl der Betriebe ist im Landkreis Berchtesgadener Land in den letzten 15 Jahren um über 16 Prozent auf 1292 gesunken. In Teisendorf gibt es 308 landwirtschaftliche Betriebe, von denen 121 im Vollerwerb bewirtschaftet werden. Die Zahl der Biobetriebe hat sich fast auf 122 verdoppelt, wobei in Teisendorf 31 Betriebe ökologisch produzieren. Die Zahl der Rinderhalter ist um 16,8 Prozent auf knapp 1000 gesunken, die Rinderzahl jedoch nur um wenige Prozent auf knapp 35 000 Tiere.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist um rund 850 auf 18 705 Hektar gesunken. Teisendorf hat noch 5070 Hektar, was einem Rückgang um rund zwei Prozent in den letzten 15 Jahren entspricht. Dieser Flächenverbrauch sei den Ausgleichsflächen wie auch den Flächen für die Infrastrukturentwicklung geschuldet, merkte Helmberger an. Der Maisanteil am Ackerland habe im ganzen Landkreis abgenommen und liege deutlich unter 50 Prozent.

Um 1900 habe ein Bauer zu seiner Familie noch vier weitere Personen ernährt. Ein halbes Jahrhundert später waren es zehn, heute seien es 143, so Bürgermeister Thomas Gasser. Trotz der Leistungssteigerung der Betriebe sei Deutschland ein Nettoimporteur bei den Agrarprodukten. In der Gemeinde werde der Flächennutzungsplan nach langer Zeit überarbeitet. Er habe großen Wert darauf gelegt, dass die Landwirte schon zu Beginn mit einbezogen wurden. Es müsse auch darauf geachtet werden, dass durch die Emissionsauflagen eine Entwicklung der Kommunen und der landwirtschaftlichen Betriebe nicht unmöglich werde.

Auch die sozialen und kulturellen Aspekte seien hervorzuheben, sagte Gasser. Wenn bei einem Vereinsfest Bauern dabei seien, könne man sich sicher sein, dass die Organisation laufe, meinte Gasser. Wenn Werkzeuge der Geräte benötigt würden, könne man auf sie zurückgreifen. Auch bei Feuerwehren sicherten die Landwirte oft die Ausrückstärke bei Einsätzen. Zum Tourismus trage die Landwirtschaft einen wichtigen Teil durch den Erhalt der Kulturlandschaft und der Almen bei.

Beim Thema Flächenverbrauch wurde der Ausbau des Radwegenetzes mit dem Sicherheitsaspekt für die Radfahrer weder von der Landwirtschaft noch vom Bürgermeister in Frage gestellt. Doch wurde stark infrage gestellt, ob auf die ganze Länge eines Radwegs der 2,5 Meter breite Grünstreifen zwischen Straße und Radweg erforderlich sei. In diesem Zusammenhang wurde auch die Praxis bei der Ausweisung von Ausgleichsflächen kritisiert. Doch würden durch die Überarbeitung der Richtlinien künftig Möglichkeiten wie Ökopunkte geschaffen, um landwirtschaftliche Flächen zu schonen.

Gasser sagte, er sehe in den Bauern wichtige Entscheidungsträger. Darum sollten sie sich für auch politische Ämter zur Verfügung stellen. Da auch in den ländlich geprägten Regionen viele Bürger keinen Kontakt mehr zur Landwirtschaft hätten, sollten die Landwirte mit Tagen des offenen Hofes, Hoffesten oder Lehrerfortbildungen mehr Bezug zwischen Verbraucher und Landwirtschaft ermöglichen, meinte Gasser.

Geschäftsführer Herbert Galler ging auf aktuelle rechtliche Themen ein und verwies darauf, dass Landwirte auf Straßenverschmutzungen unbedingt hinweisen und die betroffenen Stellen absichern und reinigen müssten. Bei Erntearbeiten lasse sich die Arbeit an Sonn- und Feiertagen nicht immer vermeiden. Trotzdem solle dies die Ausnahme bleiben, meinte Galler. Die Verschmutzung der Wiesen durch Hundekot sei nach wie vor ein schwieriges Thema, so Galler. Es müsse weiterhin versucht werden, durch Aufklärung dieses Problem in den Griff zu bekommen. MP