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Immer mehr kleine Waffenscheine im Landkreis

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Schreckschusswaffen wie diese können mit einem so genannten kleinen Waffenschein legal geführt werden. Im Landkreis Traunstein haben im vergangenen Jahr 620 Personen – überwiegend Männer – einen solchen Waffenschein beantragt.

Traunstein – Kleine Waffenscheine sind – besonders bei Männern – im Landkreis gefragt wie nie; gleich 620 Scheine wurden letztes Jahr ausgestellt.


Gleich 620 solcher Karten, die den Besitzer berechtigt eine Reiz- oder Schreckschusswaffe zu tragen, stellte das Landratsamt Traunstein im vergangenen Jahr aus. Dies kommt fast einer Versechsfachung gegenüber 2015 gleich. 510 Scheine gingen an Männer, lediglich 149 an Frauen. Mit dem subjektiven Sicherheitsgefühl vieler Bürger scheint es nicht zum Besten zu stehen.

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Dem widersprachen Polizeipräsident Robert Kopp und Landrat Siegfried Walch beim jährlichen Sicherheitsgespräch, das am Mittwoch im Landratsamt stattfand. Ihr Fazit: Im Landkreis Traunstein lässt es sich sehr sicher leben. Für den Polizeichef ist es aber beunruhigend, »wenn der Bürger das Gefühl hat, sich bewaffnen zu müssen«. Schwer nachzuvollziehen für Kopp, denn der Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik 2016 für den Landkreis zeige ein erfreuliches Bild, »mit Licht und Schatten«, wie er es formulierte.

Im vergangenen Jahr 311 Straftaten mehr als 2015

6637 Straftaten registrierte das zuständige Polizeipräsidium Oberbayern Süd im vergangenen Jahr für den Landkreis Traunstein, im Vergleich zu 2015 ein Anstieg von 311 Straftaten. »Diese Zahl ist jedoch sehr vorzeigbar, da es sich um den zweit niedrigsten Wert seit 2009 handelt«, wie der Polizeipräsident betonte. Zudem sei die Aufklärungsquote gestiegen und liege bei mittlerweile 63,9 Prozent – zwei von drei Straftaten im Landkreis werden aufgeklärt.

Warum jedoch die größer werdende Schere zwischen objektiv positiver Sicherheitslage im Landkreis und dem subjektiven Unsicherheitsgefühl vieler Landkreisbürger rührt, das führen Kopp und Walch auch auf die verstärke Zuwanderung in den vergangenen Jahren in den Landkreis zurück. Damit einher ging auch ein Anstieg der Fälle von Gewaltkriminalität. Dennoch seien die Zahlen nicht alarmierend hoch. »Aber: Jede Straftat ist eine zu viel«, wie Kopp sagte. In 300 Fällen wurden Zuwanderer im vergangenen Jahr verdächtigt, in eine Straftat verwickelt zu sein. Dabei überwiegen sogenannte Rohheitsdelikte, unter die etwa Körperverletzungen fallen, mit 141 Verdachtsfällen, gefolgt von Diebstählen in 35 und Drogendelikten in 20 Fällen.

Der Polizeipräsident machte jedoch in diesem Zusammenhang klar, dass die meisten Straftaten Zuwanderer untereinander begehen – Tatortschwerpunkt seien dabei in der Regel die Gemeinschaftsunterkünfte. »Wenn ständig vor einer Asylbewerberunterkunft die Polizei vorfährt, ruft das sicherlich bei manchem Bürger Unwohlsein hervor«, sagte Kopp; jedoch versuche man sehr niedrigschwellig einzuschreiten, um Straftaten gar nicht erst passieren zu lassen. Auch sei bei Rauschgiftdelikten kein Anstieg im Zusammenhang mit Zuwanderern zu erkennen, da lediglich in 20 der insgesamt 475 im Landkreis registrierten Fälle Zuwanderer verdächtig waren.

Als weitere Quelle für subjektiv gefühlte Unsicherheit nannte der Polizeichef Einbrüche in Privatwohnungen. Obwohl es hier eine positive Entwicklung im Landkreis gibt. In 63 Fällen wurden Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr angezeigt, 2015 hatten die Polizeiinspektionen im Landkreis noch 95 Fälle registriert. Zudem blieben im zurückliegenden Jahr 36 von 63 Fällen im Versuchsstadium stecken. »Es lohnt sich also in Sicherheitsvorkehrungen in die eigenen vier Wände zu investieren«, sagte Harald Pickert, Leiter der Abteilung Einsatz und stellvertretender Polizeipräsident. Obwohl der Rückgang der Einbrüche im Privatbereich »sehr positiv ist«, sei die Vorstellung, dass ein Fremder in die Wohnung oder das Haus eindringe, sehr belastend, stellte Walch fest.

»Reichsbürger« im Landratsamt brisantes Thema

Auch »Reichsbürger« sind im Landratsamt ein brisantes Thema; vor allem wenn sogenannte Reichsbürger auch Waffen besitzen oder die Erlaubnis haben, mit Sprengstoffen zu hantieren. Derzeit stehen im Landkreis 20 Personen unter Beobachtung, die »diese Schnittmenge aufweisen«. Sie wurden gegebenenfalls aufgefordert, ihre Waffen abzugeben. Neun Personen sind dieser Aufforderung bisher nachgekommen, »freiwillig«, wie Landrat Walch betonte. Ausgestanden sei das Thema jedoch nicht, vor allem, da die genaue Zahl von Sympathisanten der »Reichsbürgerbewegung« schwer abzuschätzen sei. vew

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