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Imker gingen heuer bei der Honigernte fast leer aus

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Die Bayerische Honigkönigin Franziska Seifert aus Sonthofen übergab die Medaillen für den besten Honig in Bayern, der von einer unabhängigen Jury bewertet wurde.

Inzell. Bayerns Imker haben in diesem Jahr so wenig Honig wie seit Jahrzehnten nicht mehr geerntet. Schuld ist das Wetter. Das war eine der Aussagen beim Verbandstag der Bayerischen Bienenzüchter im Festsaal in Inzell. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bienenzuchtverein Inzell. Der Vorsitzende vom Verband Bayerischer Bienenzüchter (VBB), Franz Vollmaier, würdigte die Bemühungen des Ortsverbands Inzell als Ausrichter und des Kreisverbands Traunstein. Der Inzeller Gartenbauverein hat die Veranstaltung ebenfalls unterstützt und die Inzeller Musikkapelle hat sie musikalisch begleitet.


Vollmaier berichtete, dass das schlechte Wetter in diesem Jahr für eines der schlechtesten Bienenjahre in seiner 30-jährigen Imkertätigkeit gesorgt habe. Die Völker entwickelten sich langsam und wegen des kalten und regnerischen Wetters bei der Blüte von Obstbäumen, Löwenzahn und Raps fiel die Blütenhonigernte in den meisten Regionen aus. Eine ausreichende Schwarmkontrolle war kaum möglich, da es an den wenigen schönen Tagen vermehrtes Schwärmen gab.

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Vollmaier beklagte, dass auf den intensiv genutzten, landwirtschaftlichen Flächen kaum noch etwas blüht. In letzter Zeit würden auch die Straßenränder nicht nur einen Meter neben der Straße mehrmals gemäht, sondern es werden auch alle Randstreifen und Böschungen radikal abgemäht. Lobend erwähnt wurden von ihm die Städte Traunstein und Traunreut, die heuer öffentliche Flächen und Kreisverkehrsflächen mit wunderbaren Blühmischungen eingesät haben und auch versuchen, erst nach dem Abblühen zu mähen. Positiv sei die Zunahme der Imker, vor allem auch Frauen.

Der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Inzell, Robert Birnbacher, stellte seinen Verein vor und nannte wichtige Ereignisse seit der Gründung im Jahr 1924. Der Vorsitzende des Kreisverbands Traunstein, Peter Bichler, meinte, die Imker hätten keine Lobby. Man müsse die Menschen sensibilisieren und ihnen klarmachen, wie wichtig Honig ist. In Deutschland werden pro Jahr 100 Millionen Kilo Honig verzehrt, von denen 80 Prozent aus dem Ausland kommen. Das Verhältnis in Bayern ist ein wenig besser. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubung durch Bienen liegt laut Bichler bei 2 Milliarden Euro und weltweit bei über 70 Milliarden Euro. Den Politikern seien die Bienen aber nichts wert, obwohl sie den drittwichtigsten Platz bei den Nutztieren einnehmen.

Bichler forderte 50 Euro Halterprämie pro Jahr und Bienenvolk. Das sollte von den Agrarsubventionen der Bauern bezahlt werden. Ansonsten sei die Imkerei stark gefährdet. Schließlich müsse man viel Aufwand für die Behandlung von Krankheiten betreiben. Stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber ist selbst Imkerin und berichtete, dass der Landkreis Traunstein durchaus bemüht sei, heimatliche und bodenständige Blumen und Sträucher zu pflanzen. Sie dankte den Imkern mit ihrer Arbeit für die Erhaltung der Natur. Inzells Bürgermeister Hans Egger wies auf die große Bedeutung der Bienen hin. »Wir in Inzell sind eine vom Tourismus geprägte Gemeinde und deshalb ist uns auch der Blumenschmuck im Ort sehr wichtig«, so das Gemeindeoberhaupt. Er dankte den Imkern für ihre manchmal auch schmerzhafte Arbeit. Landwirte und Hobbygärtner seien gefordert, mit der richtigen Bepflanzung einen wertvollen Beitrag für die Erhaltung der Natur zu leisten.

Die Europaabgeordnete Maria Noichl betonte, dass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen zur Verfügung stehen müssen – die Bestäubung sei eine öffentliche Leistung. Sie sprach sich gegen Gentechnik in Europa aus. »Wir müssen für eine bienenfreundliche Landwirtschaft ohne Giftstoffe eintreten«, so Noichl.

Ein wichtiger Programmpunkt war die Prämierung der Honigproben, die von jedem Imker im Juli eingeschickt werden konnten. Von einer unabhängigen Jury wurden diese Proben bewertet und die jeweils besten Imker wurden mit den Gold-, Silber-, und Bronzemedaillen ausgezeichnet. hw