weather-image
29°

Im Zellerbauernkaser wird wieder eingeheizt

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Der urige Herd mit zwei separaten Heizstellen wird künftig für wohlige Wärme im Zellerbauernkaser sorgen. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Seinem Vorhaben, den Zellerbauern-Kaser in der Schwarzachen zu einer kulturellen und gesellschaftlichen Begegnungsstätte zu machen, ist Franz Ringsgwandl wieder ein Stück näher gekommen. Dieser Tage ist der rustikale Herd im Vorkaser fertig geworden, den der umtriebige Ortsheimatpfleger nach eigenem Modell mit Schamott und alten, sogenannten Reichsformat-Ziegeln in mühsamer Detailarbeit aufgemauert hat. Seine Feuertaufe hat der neue Mittelpunkt mit den beiden schweren, eisernen Ofenplatten bereits mit Bravour bestanden, denn das erste Holzknechtmuas aus Wasser, Mehl, Schmalz und Salz ist auf Anhieb gut gelungen.


Damit auch das sich anschließende Kammerl noch etwas von der Wärme abbekommt, hat Franz Ringsgwandl zusätzliche Rauchzüge eingebaut, um die Wärmespeicherung bis zum Kamin voll auszunutzen.

Anzeige

Lediglich auf das »Granterl« zur Warmwasserbereitung hat er verzichtet, weil im Winter die Gefahr des Einfrierens besteht, wenn es nicht frühzeitig ausgeleert wird.

Jahrelang war das Heizen im Kaser nicht mehr möglich gewesen, denn der alte Herd wurde irgendwann einmal abgetragen. Für die Mauern war dies alles andere als zuträglich. Zu der Zeit, als das Gebäude als Promi-Alm diente und dem Tourismusort Ruhpolding zu einem beachtlichen Bekanntheitsgrad verhalf, fanden die Veranstaltungen meist am Lagerfeuer statt, wurde das Essen geliefert oder mit Gas geheizt und gekocht.

Mit dem neuen Herd am angestammten Platz ist nun ein weiterer Mosaikstein geschaffen, um den Zellerbauernkaser in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Alte Fotos und Erinnerungen seiner Frau Burgi aus deren Sennerinnenzeit am Fuß des Sonntagshorns helfen Ringsgwandl dabei. Das gilt auch für die spartanische Inneneinrichtung mit Eckbank, Schüsselrahmen und Herrgottswinkel, die nach und nach wieder originalgetreu nachempfunden werden soll.

Wichtiger aber war dem pensionierten Zimmerermeister und Bautechniker vorerst, die Alm von außen auf Vordermann zu bringen. Seit Jahren werkelt der erfahrene Handwerker unentgeltlich an »seinem« Objekt. Er sanierte, erneuerte und zimmerte an allen Ecken und Enden, immer wieder unterstützt von freiwilligen Helfern wie dem Lanzinger-Sepp, die sich von seinem ungebrochenen Tatendrang anstecken lassen.

Mittlerweile sind auch die selbst gefertigte, doppelflügelige Stalltür und das Fenster aus Lärchenholz eingebaut. Der Vorplatz zum Stall wurde eingeebnet. Viel Zeit und Mühe nahm auch das Absenken des Stallbodens in Anspruch, um mehr Raumhöhe zu gewinnen. Schließlich soll ab dem Frühjahr auf den massiven Tannenbohlen getanzt werden. Der 100 Quadratmeter große Raum soll auch für Ausstellungen und Brauchtumsveranstaltungen zur Verfügung stehen.

Abgesegnet ist das außergewöhnliche Engagement vom Bayerischen Staatsforst und von der Gemeinde Ruhpolding, die den Kaser bis 2033 gepachtet hat. Was die Finanzen betrifft, ist Ringsgwandl bis auf kleinere Zuschüsse ziemlich allein auf sich gestellt.

In den nächsten Wochen hält den 77-Jährigen eine ganz andere Baustelle auf Trab: Zum zweiten Mal organisiert er die von ihm ins Leben gerufene Adventsveranstaltung »A bsonderer Weg«, die am 20. und 21. Dezember mit der Weihnachtslegende von Ludwig Thoma und umrahmt von heimischen Musikgruppen im Zellerbauernkaser stattfindet. Karten hierfür gibt es in der Tourist-Info Ruhpolding. Die Plätze sind begrenzt. ls