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Im Wald steigt die Borkenkäfer-Gefahr

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Wolfgang Madl,  Abteilungsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zeigt  die Rinde einer Fichte mit den typischen Fraßspuren des Borkenkäfers. (Foto: Schwaiger-Pöllner)

Der Borkenkäfer ist auf dem Vormarsch: Nach Sturmtief »Niklas« im Frühjahr und der trockenen Hitze im Sommer sind die Voraussetzungen für eine rasche Vermehrung des Forstschädlings ideal, wie Wolfgang Madl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein ausführt. Im nördlichen Kreis Traunstein gilt bereits jetzt die höchste Gefährdungsstufe, im übrigen Landkreis sowie im Berchtesgadener Land ist immerhin bereits die Warnstufe aktiviert.


»Wir haben heuer ein Jahr mit einer besonderen Konstellation«, erklärt der Abteilungsleiter. Orkantief »Niklas« habe alleine in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land rund 40 000 Festmeter Holz umgeworfen. Die Aufarbeitung habe Wochen und Monate gedauert. Mehr noch: »Letzte Sturmflächen sind immer noch vorhanden«, führt der Forstoberrat aus. Diese boten und bieten einen idealen Brutraum für den Borkenkäfer – denn der Forstschädling sucht sich meist geschwächte Bäume.

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Eine fatale Kombination für Waldbesitzer

»Und dann kam der warme, trockene Sommer«, fährt Madl fort. Ein Wetter, wie es der Borkenkäfer liebt. Eine fatale Kombination für die Waldbesitzer, deren Folgen schon jetzt deutlich zu sehen sind. Denn heuer seien nicht nur, wie sonst üblich, Bäume am Waldrand befallen, sondern auch bereits mitten in den Wäldern. Und die Situation wird sich wohl weiter zuspitzen, wie der Experte ausführt.

»Ein erneutes Schwärmen steht unmittelbar bevor«, sagt er. Mit Blick auf die übers Internet abrufbare Risikogebietskarte, die Madl für den Bereich des Traunsteiner Amtsgebiets erstellt, führt er aus: »Vorige Woche waren die roten Flecken noch deutlich kleiner – und nächste Woche werden es wieder deutlich mehr rote Flecken sein.«

Das wird verständlich, wenn man weiß, dass ein einziges Borkenkäferpaar pro Jahr bis zu 100 000 Nachkommen haben kann. »Unsere beiden Hauptschädlinge sind der Buchdrucker und der Kupferstecher«, führt der Forstoberrat aus. Die beiden Borkenkäferarten befallen die Fichte, den Baum, der nach wie vor mit Abstand am häufigsten in den heimischen Wäldern vorkommt.

In einer einzigen Fichte können sich bis zu 20 000 Jungkäfer entwickeln. Sie sind unter der Rinde zu finden, wo sie die »Wasserleitungen« der Bäume »zerstören«. »Dadurch bekommt der Baum kein Wasser mehr, vertrocknet und stirbt ab«, erklärt Madl. Die wirklich große Gefahr aber ist, dass die Forstschädlinge ausschwärmen und weitere Bäume befallen; gut einen halben Kilometer weit können die Käfer fliegen.

Um ein Ausbreiten des Schädlings zu verhindern, sind jetzt die Waldbesitzer gefordert, wie der Forstoberrat erklärt. Sie müssen ihren Bestand fest im Blick haben – und vor allem auf Bohrmehlsuche gehen. Wenn sich die Borkenkäfer nämlich durch die Rinde fressen, rieselt – quasi als Hinterlassenschaft ähnlich der Sägespäne – das sogenannte Bohrmehl auf den Waldboden. Die rotbraunen Häufchen am Fuß des Stammes sind ein deutliches Indiz dafür, dass ein Baum befallen ist. Ein Blick auf die Innenseite der Rinde bringt dann Gewissheit: Die typischen Fraßspuren von Buchdrucker und Co. sind unverkennbar.

Wer sie entdeckt, muss schnell handeln, wie Wolfgang Madl erklärt: Der befallene Baum gehört so schnell wie möglich umgeschnitten und abtransportiert. Nur so lässt sich weiterer wirtschaftlicher Schaden abwenden, wie der Forstexperte erklärt.

Scharfe Gesetze in Bayern

Um ein Ausbreiten des Borkenkäfers zu verhindern, gibt es in Bayern scharfe Gesetze. Sie bieten auch die Handhabe dafür, dass die Forstbehörde bei nachlässigen Waldbesitzern ein Umschneiden der befallenen Bäume anordnen beziehungsweise auch durchführen lassen kann. Mit gutem Grund: »Wenn man nichts tun würde, würden sich die Befallsherde rasant ausbreiten und bestandsbedrohende Schäden entstehen«, findet Wolfgang Madl deutliche Worte. Wichtiger aber ist, dass das Amt die Waldbesitzer mit der Borkenkäfer-Gefahr nicht allein lässt und etwa kostenlose Vor-Ort-Beratungen durch Revierbeamte anbietet.

Wolfgang Madl weiß, dass die Borkenkäfer, wenn das Wetter passt, bis Ende September fliegen. Die Gefahr schwebt also noch eine ganze Zeit über den Waldbesitzern. Und sie wird auch auf den Holzpreis durchschlagen. Die Rechnung ist einfach: »Je mehr Käferholz es gibt, desto stärker sinkt der Preis«, erklärt der Forstoberrat. Und Käferholz, da ist er sich sicher, »kommt noch in nennenswerten Mengen«. san