Im Waginger Seniorenheim muss gespart werden

Waging am See – Auf rund 4,47 Millionen Euro summieren sich beim Seniorenheim St. Martin in Waging die Erlöse und Erträge, die Aufwendungen und Ausgaben belaufen sich auf rund 4,55 Millionen Euro. Somit wird sich im Haushalt für das aktuelle Jahr 2015 ein vorläufiges Minus von 84 300 Euro ergeben – deutlich weniger als 2014, in dem sich das Minus auf 120 000 Euro belief. Dies wurde in der Sitzung des Seniorenheim-Ausschusses bekannt gegeben. Der Haushalt wurde einstimmig abgenickt.


Verschiedene Maßnahmen sollen Defizit senken

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Um das Ziel eines geringeren Defizits zu erreichen, sind jedoch etliche Maßnahmen notwendig, die entweder bereits angelaufen sind oder im Laufe des Jahres realisiert werden sollen. Ein Punkt ist laut Heimleiter Hubert Sailer die Nachverhandlung bei den Pflegesätzen, wovon man sich Mehreinnahmen in Höhe von rund 100 000 Euro erhofft. Außerdem solle der Investitionskostenanteil erhöht werden, um Rückstellungen für kommende Instandhaltungskosten vor allem im Altbau bilden zu können; dadurch wird allerdings der Pflegesatz ansteigen.

Weiter will man drei Vollzeitstellen abbauen von derzeit 7,5 auf 4,5 Stellen über dem Stellenschlüssel, der vorgeschrieben ist. Außerdem soll weiter versucht werden, die vielen Überstunden abzubauen – etwa durch reduzierten Personaleinsatz am Wochenende. Inzwischen wurde auch eine auswärtige Expertin engagiert, die mithelfen soll, Arbeitszeitmodelle zu entwickeln und die Organisationsstruktur zu verbessern. Zudem will man prüfen, ob es Synergieeffekte mit den Kreisaltenheimen geben könne, etwa beim Einkauf.

Zweiter Bürgermeister Christian Reiter hatte zu Beginn darauf verwiesen, der Gemeinde sei von Anfang an klar gewesen, dass es beim Seniorenheim alljährlich ein Defizit geben würde: »Die Frage ist nur, wie hoch!« Bedingt durch die gute Leitung des Hauses und ein hohes Engagement der Mitarbeiter habe das Defizit 2012 und 2013 jeweils nur rund 20 000 Euro betragen, was »praktisch ein Plus-Minus-Null« bedeute – und das obwohl das Seniorenheim deutlich mehr Personal vorhalte als vorgeschrieben. Allerdings dürfe das Defizit nicht im sechsstelligen Bereich liegen: »Das ist nicht akzeptabel.«

Reiter ging dann auf die Vielzahl von Gründen ein, die 2014 zu dem hohen Minus von 120 000 Euro geführt haben, das die Gemeinde, wie vom Finanzausschuss empfohlen, ausgleichen wird – einen entsprechenden Beschluss des Gemeinderats vorausgesetzt. Im ersten Vierteljahr seien gleich ungewöhnlich viele Bewohner gestorben. Daraus ergab sich jeweils ein zeitweiser Bettenleerstand, sodass die Belegung – die im Jahresdurchschnitt 98 Prozent betrug – zwischendurch auf bis zu 92 Prozent abgesunken war. Ein Prozent weniger Belegung bedeute einen finanziellen Ausfall von 40 000 bis 50 000 Euro, erklärte Sailer.

Größter Kostenfaktor ist das Personal

Der mit Abstand größte Kostenfaktor sind die Mitarbeiter; für Personalausgaben sind heuer rund 3,45 Millionen Euro angesetzt. Es lag immer im Bestreben von Gemeinde und Seniorenheim, etwas mehr Mitarbeiter vorzuhalten als vorgeschrieben, »zum Wohl der Bewohnerschaft«, wie Reiter sagte, und auch um Krankheitszeiten besser ausgleichen zu können. Inzwischen seien es 7,5 Vollzeitstellen mehr als vorgeschrieben.

Dennoch sei es nicht gelungen, genug Überstunden abzubauen. Dies liege auch daran, dass die Pflegedokumentation per EDV eingeführt werden musste. So konnten laut Sailer zwar 4300 Überstunden abgebaut werden, aber deren Zahl liege immer noch bei über 4000 – das mache im Haushalt eine Rückstellung von rund 130 000 Euro aus. Dazu komme eine hohe Krankenrate. Und nicht zuletzt steigen die Instandhaltungskosten für den Altbau stetig an.

Deshalb sei inzwischen bereits gegengesteuert worden, sagte Sailer. Durch ausscheidende Mitarbeiter und nicht verlängerte Zeitverträge sei der Personalstand schon etwas abgesunken. Denn Kündigungen oder Ausstellungen werde es nicht geben und auch keinen anderen Tarifvertrag. Problematisch sei aber der hohe Krankenstand mit fünf langzeitkranken Mitarbeitern.

Durch all diese Maßnahmen hofft man nun in der Gemeinde, das Defizit auf besagte rund 85 000 Euro verringern zu können. Dies sei, so Reiter, »absolut realistisch, nicht schöngerechnet«. Dabei gelte aber das Ziel, den hohen Qualitätsstandard des Hauses aufrecht zu erhalten, wobei das »von den Bewohnern und Angehörigen gewohnte Leistungsniveau absinken« werde – was sich bei weniger Mitarbeitern nicht vermeiden lasse. Aber das Haus werde trotzdem im Vergleich recht gut dastehen.

Auf Anfrage von Beppo Hofmann erläuterte Sailer, die Abschreibungen stiegen im Haushalt deshalb an, weil – vor allem im Altbau – immer wieder investiert werden müsse. Jetzt müssten Brandschutztüren nachgerüstet werden zu je 8000 bis 10 000 Euro. 40 Prozent der Bewohner stammen aus Waging, weitere 25 Prozent aus der Seen-Region. Somit seien rund zwei Drittel »Dasige«. Der Rest komme »bis von Stuttgart und von weiß Gott woher«.

Im Haushalt ist auch die Umgestaltung des Eingangs enthalten, erläuterte Sailer auf Anfrage von Hedwig Witzleben; ob das in einem so schwierigen Finanzjahr dann auch tatsächlich realisiert werde, müsse erst noch entschieden werden. Sailer relativierte den von Christine Rehrl angesprochenen hohen Investkostenanteil beim Pflegesatz mit Beispielen: Während dieser in Waging bei 11,63 Euro liege, betrage er etwa in Teisendorf über 18 Euro, in Laufen 17 Euro. »Da brauchen wir uns nicht verstecken«, so Sailer. Allerdings werde der Investkostenanteil wegen notwendiger Arbeiten im Altbau sicher ansteigen. Zum Schluss informierte Reiter, dass all die geplanten Maßnahmen den Mitarbeitern bereits bekannt seien und dass es Mitte Februar eine Mitarbeiterversammlung geben werde. he

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