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Im vergangenen Jahr 6200 Festmeter Holz geerntet

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Überall im Traunsteiner Stadtwald entwurzelte bzw. knickte der Sturm Niklas Bäume. Die Mitarbeiter der städtischen Forstverwaltung sind noch immer damit beschäftigt, die Sturmschäden aufzuarbeiten. Das Bild zeigt einen Forstarbeiter beim Aufarbeiten von Sturmholz im Haidforst auf Höhe der Panzerstraße.

Traunstein – Im mehr als 600 Hektar großen Stadtwald wurden im vergangenen Jahr rund 6200 Festmeter Holz geerntet. Das entspricht 92 Prozent des geplanten Einschlags. Mit dem Erlös aus dem Holzverkauf konnte man alle Kosten decken und sogar noch einen leichten Überschuss erzielen. Das berichtete Stadtförster Gerhard Fischer in seinem Jahresbericht in der letzten Stadtratssitzung.


Er machte aber auch deutlich, dass es im Stadtwald um weit mehr als nur um die Bewirtschaftung mit dem Ziel geht, Holz zu ernten. Er und seine Mitarbeiter verfolgen seit Jahren das Ziel, einen naturnahen Wald zu erhalten, der seine Funktion als »grüne Lunge« rund um die Große Kreisstadt erfüllt.

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Dass es dabei immer wieder Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten gibt, machte Fischer an einigen Beispielen deutlich. Zuletzt hat der Sturm Niklas die Arbeitspläne der Mitarbeiter im Stadtwald über den Haufen geworfen. Mit geschätzt gut 1200 Festmeter Schadholz sei man zwar glimpflich davongekommen. Da jedoch nur einzelne Bäume geknickt bzw. entwurzelt wurden, ist der Aufwand, die Schäden zu beseitigen, für die Mitarbeiter des Stadtforstes sehr groß.

Daneben bereitet das europaweit verbreitete Eschentriebsterben auch im Stadtwald Probleme. Der materielle Schaden halte sich mit rund 100 Festmeter im vergangenen Jahr zwar in Grenzen; man müsse aber viele Eschen fällen, die an Straßen und Wegen stehen, weil deren morsche Äste in den Kronen eine permanente Gefahr für Passanten darstellen. Mancherorts musste man schweres Spezialgerät einsetzen, um die Bäume zu entfernen.

Fischer berichtete, dass der Pilzbefall, der zum Absterben der jungen Eschentriebe führt, nach neuesten Erkenntnissen von Ungarn ausgegangen sei. Ursprünglich hatte der Pilz die Aufgabe, welkes Laub zu zersetzen. Er sei jedoch mutiert und verrichte sein zerstörerisches Werk jetzt auch an den jungen Trieben der Bäume. Die wenig erfreuliche Prognose des Stadtförsters: »Große Teile des Eschenbestandes werden dahingerafft.«

Seit Jahren werden im Stadtwald die hiebsreifen Fichtenmonokulturen geerntet. Hier, so Fischer, sei wegen des starken Unterbewuchses eine verstärkte Kulturarbeit nötig, um die Flächen für Neupflanzungen vorzubereiten. Ein weiteres Thema ist das Management von Ausgleichsflächen. Zuletzt wurde die große Ausgleichsfläche bei Kotzing bepflanzt. Sie soll die Verluste durch die Rodungen ausgleichen, die für den Verkauf von Grundstücken an die Firmen Leimer und Schaumaier erfolgten.

Fischer informierte auch über die jagdliche Situation im Stadtwald mit seinen drei Eigenjagdrevieren. 91 Rehe habe man im vergangenen Jahr erlegt (2013 waren es 78). »Die Verbisssituation hält sich im Rahmen«, stellte der Stadtförster fest. Um vor allem jungen Menschen den Stadtwald und seine Aufgaben nahezubringen, habe man wieder Projekttage und Führungen für Schulen und Kindergärten organisiert. Außerdem habe das Landwirtschaftsamt Lehrveranstaltungen im Traunsteiner Stadtwald abgehalten. Das Jahr 2015 sei vom Landwirtschaftsministerium zum »Waldnaturschutzjahr« erklärt worden. Ein Ziel sei es, Wald noch stärker naturnah zu gestalten und Teile sich selbst zu überlassen. Gegen solche Pläne wandte sich Ernst Harrecker und wies mahnend darauf hin, was im Bayerischen Wald geschehen sei, als man ihn sich selbst überlassen habe. Abgesehen davon, dass sich der Borkenkäfer ungehindert ausbreiten könne, sieht er darin auch einen Eingriff ins Eigentum der Waldbesitzer.

Eingangs war Gerhard Fischer detailliert auf die Holz-ernte eingegangen. Von den 6259 Festmeter, die man letztes Jahr geerntet habe, seien 4284 Meter Stammholz, 951 Festmeter Brennholz und 1024 Festmeter Hackgut. Letzteres entspreche 2500 Schüttraummeter. Auf eine diesbezügliche Anfrage von Thomas Stadler antwortete Fischer, dieses Schüttgut werde in den beiden von den Traunsteiner Stadtwerken betriebenen Hackschnitzelanlagen verheizt.

Das Stammholz, vorwiegend Fichten und Tannen, werde zum allergrößten Teil an Sägewerke im Umkreis von 25 Kilometer um Traunstein verkauft. Erfreulich sei, dass es im vergangenen Jahr keine gravierenden Sturmschäden im Stadtwald gegeben habe. Nur 250 Festmeter, also sechs Prozent des Einschlags seien Schadholz gewesen.

Vorgestellt wurde auch die Bilanz des Haßlbergerschen Stiftungswaldes, in dem letztes Jahr 336 Festmeter geerntet wurden. Mit der Bilanz zufrieden zeigte sich auch Forstreferent Sepp Häusler. Er regte an, sich darüber Gedanken zu machen, wie man den Stadtwald in das Konzept der Landesgartenschau einbinden kann. -K.O.-