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Im richtigen Moment das Richtige getan

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Großer Bahnhof für eine Schülerin der Waldorfschule Prien: Constanze Richter aus Chieming hat beherzt eingegriffen und damit möglicherweise ein Busunglück verhindert. Unser Bild zeigt sie bei der Ehrung der Polizeiinspektion Prien, der Gemeinde Prien und der Schule mit (von links) Bürgermeister Jürgen Seifert, Schulleiterin Andrea Wiericks und dem stellvertretenden Leiter der Polizeiinspektion Prien, Stefan Jaworek. (Foto: Hohler)

Prien. Die Aufregung stand ihr ins Gesicht geschrieben, und der große Aufriss um ihre Person war ihr sichtlich unangenehm – Constanze Richter aus Chieming wurde gestern in der Waldorfschule Prien für ihren grandiosen Einsatz vor wenigen Tagen ausgezeichnet. Als der 54-jährige Fahrer ihres Schulbusses bewusstlos zusammensackte, drückte sie mit den Händen aufs Bremspedal schaltete das Automatik-Getriebe auf Leerlauf und brachte so das tonnenschwere Gefährt mit 20 Schülern an Bord kurz vor einer viel befahrenen Straße zum Stehen. Allerdings war sie nicht die einzige, die sofort reagierte: »Eigentlich waren wir ja zu viert«, sagte sie am Rande der Veranstaltung dem Traunsteiner Tagblatt. Deshalb sei es für sie ganz merkwürdig, dass nur sie geehrt werde.


Die 17-Jährige saß ganz hinten im Bus. Im Innenspiegel des Busses sah sie, dass der Busfahrer verkrampfte, und spurtete los nach vorne. Das war keine Sekunde zu früh: Der Bus war mit rund 30 km/h unterwegs auf der Beilhackstraße, die an der viel befahrenen und auch von Radlern und Fußgängern frequentierten Kreuzung in die Alte Rathausstraße einmündet. Direkt nach der Kreuzung fließt die Prien unter der Straße durch. Nicht auszudenken, was passieren hätte können. Aber, und das ist Constanze Richter persönlich wichtig zu betonen, sie war nicht die Einzige, die reagierte: Zwei Freundinnen öffneten die Türen im Bus, damit die anderen aussteigen konnten. Eine 19-jährige Chiemingerin lief zum Schulbus dahinter und informierte dessen Fahrer, der dann noch den Motor des führerlosen Busses abstellte. Constanzes 18-jährige Freundin Alice Wiesholler, ebenfalls aus Chieming, lief in ein Geschäft in der Nähe, um dort Hilfe für den Busfahrer zu holen. Ein weiterer Schüler verständigte über sein Handy die Rettungsleitstelle. Die kleineren Schüler leiteten derweil den Verkehr an dem Bus vorbei. Der Busfahrer wurde von einem zufällig anwesenden Arzt notversorgt und ins Krankenhaus gebracht. Das konnte er aber bereits wieder verlassen.

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»Ich möchte dir auch im Namen unseres Dienststellenleiters Rudi Kick ganz herzlich danken«, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Prien, Stefan Jaworek. »Du hast das wahrgenommen, das war nicht selbstverständlich, und dann hast Du schnell und beherzt perfekt reagiert. Besser hätte man's nicht machen können.« Jaworek überreichte der Schülerin eine Urkunde der Polizeiinspektion Prien als Anerkennung. »Wir haben hier 3000 Schüler täglich, die unterwegs sind, und zum Glück hatten wir in den letzten Jahren nur eine Hand voll Unfälle. Du hast dazu beigetragen, dass das so bleibt. Das hätte ein richtig schlimmes Busunglück werden können. Darauf sind wir zwar vorbereitet, aber natürlich hoffen wir, dass nichts passiert.«

Bürgermeister Jürgen Seifert überreichte ihr Blumen und für die ganze Busbesatzung einschließlich des wieder genesenen Fahrers einen ganzen Tag freien Eintritt im Prienavera plus für jeden ein Eis. »Du hast das Prinzip der Waldorfschule perfekt gelebt.« Und auch Schulleiterin Andrea Wiericks war voll des Lobes für ihre Schüler: »Nicht der ist ein guter Antroposoph, der alle Werke von Rudolf Steiner gelesen hat, sondern der, der im richtigen Moment das Richtige tut.« coho