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Im reiferen Alter den Jugendtraum vom Aupair erfüllt

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In Adelaide in Australien verbrachte die Traunsteinerin Christa Sammer drei Monate als »Granny-Aupair«, als Oma auf Zeit also.

Traunstein – Als »Granny-Aupair«, also als »Oma-Aupair«, verbrachte die Traunsteinerin Christa Sammer – vielen Traunsteinern aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die Stadtkirche Traunstein bekannt – drei Monate in Australien. Da ihre Gasteltern in öffentlichkeitswirksamen Berufen arbeiten, durfte sie leider nicht zu viel über die Familie selbst verraten. Aber über ihre Eindrücke, ihre Motivation, und über lehrreiche Rückschlüsse, die sie zog, berichtet sie heute im Traunsteiner Tagblatt:


»Schon immer habe ich junge Leute bewundert, die sich zum Freiwilligendienst ins Ausland auf den Weg gemacht haben. Seit einiger Zeit wusste ich nun von einem Vermittlungsportal, das auch noch älteren Menschen hilft, sich diesen Traum zu erfüllen. Auf der Internetseite von »Granny-Aupair« registrieren sich Familien aus aller Welt, die Omas suchen und daneben interessierte ältere, meist Damen, die sich gerne für einige Zeit vermitteln lassen und so neue Erfahrungen sammeln wollen.

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Den Flug zahlte sie, Essen und Unterkunft die Familie

So bekam ich eine Anfrage für einen dreimonatigen Aufenthalt bei einer jungen Familie aus Adelaide, Südaustralien, zur stundenweisen Beaufsichtigung ihrer damals sieben Monate alten Tochter. Nach einigen E-Mails und einem Telefonat waren wir uns einig, ich nehme die Einladung an und begebe mich als Oma auf Zeit nach Downunder. Die Kosten des Flugs hatte ich selbst zu tragen, für Unterkunft und Verpflegung hatte die Gastfamilie zu sorgen. Ich wollte erfahren, wie es mir als Rentnerin ginge, allein, ohne die üblichen Strukturen und Sicherheiten, unterwegs zu sein. Was würde mir fehlen? Womit verbringe ich meine freie Zeit? Und welche Erfahrungen würde ich machen? Wollte ich wirklich einmal für einige Monate als Granny ins Ausland gehen, so war das jetzt meine Chance. Die Aufnahme in der Familie war herzlich und auch mit der sieben Monate alten Lani verstand ich mich auf Anhieb sehr gut. Zu meinen Aufgaben zählten Lani spazierenfahren, mit ihr zu spielen, sie zu beaufsichtigen und zu beschäftigen. Daneben begleitete ich sie zur Kindergymnastik und zum Babyschwimmen. Darüber hinaus half ich im Haushalt der Gastfamilie mit.

Englischkurs mit Teilnehmern aus zehn Nationen

Meinen Aufenthalt nutzte ich, um meine Englischkenntnisse zu verbessern. Daneben besuchte ich zweimal die Woche einen Abendkurs. Schnell fühlte ich mich in der mit über zehn Nationen gemischten Klasse als altersmäßige Oma sehr wohl. Es ergaben sich für mich viele neue Erkenntnisse, wie man mit unterschiedlich guten Englischkenntnissen dennoch innerhalb kurzer Zeit zusammenwächst.

Sonntags besuchte ich den Gottesdienst in der anglikanischen Gemeinde St. Peter in Adelaide. Auch die Feier der Karwoche und des Osterfests fielen in diesen Zeitraum. Viele Ehrenamtliche kümmern sich um die Gottesdienstbesucher, nehmen mit ihnen Kontakt auf und vermitteln so ein Willkommensgefühl. So war auch für mich das sonntägliche Kirchencafé die Gelegenheit, mit Frauen und Männern ins Gespräch zu kommen. Dabei erfuhr ich auch, dass die Kirchengemeinde sich derzeit um die Restaurierung der Orgel kümmert.

Meine freie Zeit in der Familie ermöglichte mir einen Ausflug nach Melbourne, wo ich für drei Nächte im Hostel »Nonnenkloster« im Acht-Bett-Zimmer noch das letzte Etagenbett buchen konnte. Unter jungen Leuten erhält man viele wichtige Reiseinformationen und zudem fühlt man sich um Jahrzehnte jünger. Zurück ging es über die Great Ocean Road wieder zu meiner Gastfamilie.

Der Besuch der Museen in Adelaide, das Musical Cats, das Fringe-Festival, Ausflüge nach Barossa Valley und Victor Harbor ließen bei dem dreimonatigen Aufenthalt keine Langeweile aufkommen. Auch ein australisches Footballspiel im Adelaide Oval stand auf meinem Programm. Nachdem meine Zeit als Granny in den australischen Sommer fiel, waren es auch die wunderbaren Strände, die meinen Einsatz zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. Zum Schluss stand noch ein neuntägiger Aufenthalt mit Rundreise auf Tasmanien auf meinem Plan.

Das Traunsteiner Tagblatt auf dem Tablet dabei

Obwohl am anderen Ende der Welt, fühlt man sich mit den heutigen Kommunikationsmitteln stets mit der Heimat verbunden und mit dem Traunsteiner Tagblatt auf dem Tablet sogar noch früher informiert als mancher Zeitungsleser zu Hause. Adelaide ist um 7,5 Stunden der deutschen Zeit voraus.

Sich als »Granny-Aupair« auf den Weg zu machen, kann ich jedem empfehlen, der auch noch im reiferen Alter sich einen Jugendtraum erfüllen möchte. Für mich war es eine sehr bereichernde Zeit mit vielen positiven Erfahrungen und Eindrücken, die ich nicht missen möchte.«