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Im Notfall zählt jede Sekunde

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Foto: dpa/Symbolbild

Traunstein – Im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Traunstein besteht seit 2011 die Arbeitsgruppe »Ärztlicher Leiter Rettungsdienst«, die in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten die Qualität im Rettungsdienst sichern und verbessern soll. Joaquin Kersting als Sprecher der Arbeitsgruppe betonte in der Verbandsversammlung, dass im Notfall die Zeit eine besondere Rolle spiele. »Deshalb kommt der schnellen Reaktion der rettungsdienstlichen Strukturen auf einen Notfall besondere Bedeutung zu.«


Beim »Dispositionsintervall« – der Zeitspanne zwischen Notrufeingang in der Leitstelle und der Alarmierung des ersten Rettungsmittels – weise die Integrierte Leitstelle (ILS) Traunstein mit einer um zehn bis 15 Sekunden schnelleren Disposition als im bayernweiten Schnitt hervorragende Ergebnisse auf. Eine Reduzierung des knapp 60-prozentigen Anteils von Einsätzen mit Notarzt sei durch eine genauere Abfrage aber sicher noch möglich, so Kersting. Hier liege man um rund zehn Prozent über dem Landesschnitt, was aber auch zum Teil durch den ländlich strukturierten Dienstbereich zu erklären sei.

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Bauliche Voraussetzungen in Teisendorf nicht optimal

Das »Ausrückintervall« beschreibt die Zeitspanne von der Alarmierung durch die Leitstelle bis zur Abfahrt des Rettungsmittels. Hier wiesen laut Kersting alle Rettungswachen im Rettungsdienstbereich Traunstein sehr gute bis gute Werte auf – mit Ausnahme von Teisendorf, wo die baulichen Voraussetzungen nicht optimal seien. Die Fahrzeit zum Einsatzort soll laut Gesetz zwölf Minuten nicht überschreiten. Nur in zwei der 18 Versorgungsbereiche habe man die Hilfsfrist nicht einhalten können, so der Sprecher – in zwei Quartalen in Neumarkt-St. Veit und in drei Quartalen in Ruhpolding. »Hier werden wir dran bleiben«, versprach Kersting.

Erfasst wird schließlich noch das »Prähospitalzeitintervall« – die Zeitspanne zwischen dem Notrufeingang und der Einlieferung des Notfallpatienten ins Krankenhaus. Nach aktuellen wissenschaftlichen Studien sollte das binnen 60 Minuten der Fall sein. In den heimischen Landkreisen gelinge das binnen 40 bis 50 Minuten.

Einzelne Notarztstandorte wurden abgemeldet

2015 habe man weitere Abmeldungen einzelner Notarztstandorte verzeichnet, weil diese nicht mit einem Notarzt besetzt werden konnten, fuhr Kersting fort. »Insgesamt ist die Zahl der unbesetzten Notarztdienste im bayernweiten Vergleich gering.« Bei allen wichtigen Parametern seien keine Auffälligkeiten festzustellen. »Das BRK ist mit großer Zuverlässigkeit tätig.«

Zur Jahresmitte war Dr. Stefan Bech als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst zurückgetreten – seine Aufgaben wurden auf die anderen Leiter, Dr. Michael Eisert und Dr. Ludwig Gutermuth, übertragen. In Arbeitsgruppen sind die medikamentöse und medizintechnische Ausstattung an die bayernweiten Empfehlungen angepasst und die Aus-, Weiter- und Fortbildungen koordiniert worden.

Eine weitere Arbeitsgruppe entwickelt Behandlungsempfehlungen, die den regionalen Bedürfnissen und Strukturen angepasst wurden. Zudem wurden regionale Strategien für den Katastrophenfall ausgearbeitet. Verbesserungspotenziale lote man in regelmäßigen Gesprächen mit allen Beteiligten aus und sei in überregionalen Arbeitsgruppen und Netzwerken – etwa zu Herzinfarkt oder Schlaganfall – vertreten.

Neben der Öffentlichkeitsarbeit im Internet war die Telefonreanimation wichtiges Betätigungsfeld: Seit 2011 leitet die ILS Traunstein in Notfällen telefonisch zur Reanimation an, auch im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Fälle. Die neurologischen Schäden bei Patienten, die überlebten, seien deutlich weniger stark ausgeprägt als bei Patienten ohne die Anleitung von Helfern via Telefon. 2015 habe man die Voraussetzungen für ein systematisches Qualitätsmanagement geschaffen, das heuer gestartet werden kann.

Kersting listete weitere strukturelle Verbesserungen auf: So werde im Achental von 18 bis 6 Uhr ein Notarzt-Einsatzfahrzeug vorgehalten, an Wochenenden auch tagsüber. In der Kliniken Südostbayern AG wurde ein Klinikdisponent eingeführt, der eine koordinierte und zeitnahe Versorgung von Notfallpatienten sicherstellt, indem er je nach Auslastung und Ressourcen die optimale Klinik im Verbund findet. Und im Palliativbereich wurde in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Hospiz eine Verfahrensbeschreibung erstellt. Damit kann der Notarzt, falls der betreuende Arzt nicht erreichbar ist, den Patienten zu Hause eine ausreichende Schmerztherapie ermöglichen. rse

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