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Im Katastrophenfall laufen im Landratsamt die Fäden zusammen

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Der »verlängerte Arm« vor Ort ist die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL), deren Mitglieder von der Feuerwehr Traunstein gestellt werden und zur Sicherstellung von Kommunikationswegen und zur Einsatzdokumentation unverzichtbar sind.
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Im Mai führte eine natürliche Gasblase in der Ortsmitte von Grabenstätt zu einem Großeinsatz von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Polizei. Um die Hilfskräfte zu koordinieren, wurde ein Örtlichen Einsatzleiter (ÖEL) eingesetzt. An den Lagebesprechungen vor Ort nahmen auch die Mitglieder der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landratsamts mit Sachgebietsleiterin Andrea Bernauer (2. von links) und Landrat Siegfried Walch teil. (Fotos: Volk)
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Ganz plötzlich kann sich die Natur von einer tückischen und äußerst bedrohlichen Seite zeigen. Das haben in den letzten zwölf Jahren drei große Überschwemmungen im Landkreis Traunstein, der Felssturz in Stein an der Traun und zuletzt im Mai diesen Jahres der »Gasalarm« in Grabenstätt gezeigt. Auch ein Großbrand oder ein Unfall mit mehreren Fahrzeugen kann sich jederzeit und von einer Sekunde auf die andere ereignen.


In diesen Fällen ist ein Heer von Einsatzkräften aus Feuerwehren, Rettungsdiensten, Polizei und weiteren Hilfsorganisationen nötig, um Menschenleben zu retten und zu schützen. Die Ausrüstungen müssen aufeinander abgestimmt werden und die Einsätze koordiniert und professionell ablaufen. Dafür ist die Katastrophenschutzbehörde im Traunsteiner Landratsamt zuständig.

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In enger Zusammenarbeit mit Feuerwehren und Rettungsdiensten kommt das Team um Sachgebietsleiterin Andrea Bernauer bei Krisenfällen zum Einsatz. Zudem werden im Vorfeld bereits Katastrophenschutzpläne erarbeitet, um etwa für »Störfälle« bei Großveranstaltungen wie dem Chiemsee Reggae Summer und der Biathlon-WM gerüstet zu sein.

Ob Löschfahrzeug, Drehleiter oder Ölwehrausrüstung – alles, was im Landkreis der Abwehr und Bekämpfung von Gefahren sowie der Rettung von Menschenleben dient, ist im zuständigen Sachgebiet des Landratsamts registriert. Die Mitarbeiter kümmern sich um die Alarm- und Notstandsplanung genauso wie um die zivil-militärische Zusammenarbeit und die Betreuung des Lagezentrums im Untergeschoß des Landratsamtes.

»Das Wort 'Katastrophe' wird heute leider für alles gebraucht, was das tägliche Leben vorübergehend ein wenig schwerer macht«, bedauert Sachgebietsleiterin Andrea Bernauer. Wenn es zum Beispiel im Winter stark schneie, sei schnell von einer »Schneekatastrophe« die Rede. Und wenn im Sommer zu Eis gefrorener Regen auf die Erde prasselt, handele es sich gleich um eine »Hagelkatastrophe«.

Landrat Walch trifft die Entscheidungen

Dabei müssen bei einer Katastrophe noch viele weitere Faktoren erfüllt sein: Wenn in einem ganzen Landstrich viele Menschen von einer akuten Gefahr für Leib und Leben bedroht sind, die nur im Zusammenspiel gut ausgebildeter Fachkräfte aus verschiedenen Organisationen zu bannen ist, dann kann von einer Katastrophe gesprochen werden.

Ob es sich um eine Katastrophe handelt, das entscheidet der Landrat. Daraufhin wird eine wahre Armada von Helfern mobilisiert, die geleitet und koordiniert werden muss. Genau das ist die Aufgabe der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK), die dann unter der Leitung von Siegfried Walch steht.

Die freiwilligen Mitglieder der FüGK rekrutieren sich in der Regel aus Mitarbeitern des Landratsamts, die sich das notwendige Wissen in internen Schulungen sowie in speziellen Lehrgängen angeeignet haben. Zeichnet sich ab, dass sich ein Großschadensereignis zusammenbraut oder sogar der Katastrophenfall festgestellt werden muss, werden sie rechtzeitig alarmiert und beziehen innerhalb kürzester Zeit ihre Plätze im Lagezentrum des Landratsamts – egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Jeder kennt seinen Aufgabenbereich – etwa in der Funkergruppe, an der Lagekarte oder am Bürgertelefon.

Unterstützungsgruppe als »verlängerter Arm« vor Ort

Das Lagezentrum ist rund um die Uhr besetzt – wenn es sein muss, mehrere Tage und Nächte. Manche FüGK-Mitglieder bekommen in dieser Zeit nur selten ein Auge zu, weil sie immer wieder auf neue Lagemeldungen von den Einsatzorten reagieren müssen. Mal braucht der Örtliche Einsatzleiter Unterstützung durch Spezialisten, ein andermal ist personelle Verstärkung nötig.

Es liegt auf der Hand, dass die FüGK dabei ständig im engsten Kontakt mit den Einsatzorten stehen muss. Deshalb verfügt sie über eine Art »verlängerten Arm«: die Unterstützungsgruppe beim Örtlichen Einsatzleiter – abgekürzt UG-ÖEL. Auch ihre Mitglieder haben im Ernstfall alle Hände voll zu tun. Sie werden von der Feuerwehr Traunstein gestellt und unterstützen unter anderem die Einsatzleitung vor Ort, sorgen für funktionierende Kommunikationsmittel und halten ständigen Kontakt mit dem Lagezentrum im Landratsamt.

Im Rahmen des Blaulicht-Tages präsentieren sich die verschiedenen Rettungs- und Hilfsdienste im Landkreis am Samstag, 19. Juli, auf dem Traunreuter Festplatz. Wir stellen die Organisationen im Vorfeld in einer Serie vor. Im nächsten Teil: die Malteser.