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Im Juli ist das Richtfest geplant

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Foto: dpa/Symbolbild

Kirchanschöring – Auf dem Grundstück des ehemaligen Caritas- und Pfarrhauses am Georg-Rinser-Weg wird seit Wochen gebaut – ein »Haus der Begegnung« mit barrierefreien Mietwohnungen und Gemeinschaftsräumen...


Das Gebäude wird für Senioren und andere Menschen, die Hilfe im Alltag brauchen und in ihrem Umfeld bleiben wollen, gebaut. Wie das Wohnprojekt funktioniert, stellte der Verein »Haus der Begegnung« in seiner Jahreshauptversammlung vor.

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19 Mietwohnungen bietet das Haus in Erd- und Obergeschoß. »Ungefähr im Mai nächsten Jahres sollen die ersten Mieter einziehen«, sagte Bürgermeister und Vorsitzender Hans-Jörg Birner. Er ist zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der eigens gegründeten Kommunalen Wohnbaugesellschaft, die das Haus im Auftrag der Gemeinde finanziert und Räume vermietet.

Beim Richtfest im Juli können sich Bewerber einen Eindruck davon verschaffen. Ein Gratis-Prospekt liegt im Rathaus und im Sozialbüro aus mit Fotos und Daten wie Fläche und Mietpreis, der sich für einige Wohnungen nur an der Wohnfläche und bei anderen an Quadratmeterzahl und Einkommen orientiert.

Im Obergeschoß des Ostflügels entstehen fünf Zwei-Zimmer-Wohnungen, im Westflügel drei Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen. Den Mietern stehen zusätzlich ein Gemeinschaftsraum mit Küche, Bad, Abstellraum und ein großer Balkon für gemeinsame Stunden zur Verfügung. Dahinter steckt die Idee des »Netzwerk-Wohnens«, bei dem unterschiedliche Bevölkerungsgruppen – meist ältere Menschen und junge Leute – gezielt zusammengebracht werden. Beide sollen einander ergänzen.

Ambulant betreute Wohngemeinschaft

Im Erdgeschoß des Ostflügels ist die ambulant betreute Wohngemeinschaft mit zehn Zimmern. Diese privaten Räume mit Bad werden ergänzt durch ein gemeinsames Wohnzimmer samt Küche, einen Wasch- und Abstellraum, ein Pflegebad, eine Terrasse und einen Keller. Im Westflügel des Erdgeschosses bringt man die Arztpraxis, das Sozialbüro und die Räume für öffentliche Veranstaltungen unter.

Projektentwickler Stefan Mayer von der CaraVita, Experten für Wohnen im Alter aus Prien – sagte, als Initiator unterstütze CaraVita Aufbau und Organisation der Wohngemeinschaft im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe, ohne die Mieter mit den Kosten zu belasten. Dafür sind Robert Beck und die aus Kirchanschöring stammende Susanne Aicher zuständig.

Voraussetzung für die Aufnahme von Mietern sei Pflegerad 3. »Sie werden von selbst gewählten Dienstleistern rund um die Uhr betreut, versorgt und gepflegt, wobei jeder selbst entscheiden kann, was er will.« Es sei also immer Personal da. Durch den gemeinsamen Abruf von Pflege-, Betreuungs- und Hauswirtschaftsleistungen werde das selbstbestimmte Leben mit Gleichgesinnten finanzierbar. Auch Angehörige könnten sich jederzeit einbringen. Da viele Parteien mitredeten, gelte es alle zusammenzubringen. »Die große Kunst besteht darin, alles so ins Rollen zu bringen, dass es irgendwann von selber läuft«, betonte Beck.

Im Gegensatz zu stationärer Pflege gewähre das Leben in der WG größtmögliche Autonomie. Neben der guten Finanzierbarkeit bietet sie ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Vieles sei möglich, aber »nichts muss künstlich initiiert werden.« Für Interessierte sei eine eigene Informationsveranstaltung geplant, so Mayer.

Birner betonte, es liege auch am Verein, das Haus zu einem »Haus der Begegnung« zu machen. An diesem Ziel möchte auch Pflegepädagogin und Krankenschwester Carola Walter mitarbeiten, die Einsatzfelder vorstellte, in denen Mitglieder aktiv sein können. Sie könnten zum Beispiel mit dem Sportverein sehr viel für die Gesundheit anbieten. Konkrete Ideen solle ein Arbeitskreis entwickeln. »Wer Lust hat, mitzumachen, ist herzlich willkommen«, fügte Birner an.

Im Verein werden zwei Kassen geführt. In der tatsächlichen Vereinskasse werden die Beiträge der 106 Mitglieder verwaltet. Darum kümmert sich Elisabeth Mayer. Wie sie berichtete, ist im vergangenen Jahr finanziell nichts Spektakuläres passiert. Der leichte Überschuss aus 2016 fließe in den Topf, mit dem man dann das Haus und die Mietgemeinschaft unterstützen wolle.

Die zweite Kasse – die des Helfernetzwerks – führt Gabriele Witthöft, auch Beisitzerin in der Vorstandschaft. Die Mitarbeiter leisteten 1055 Arbeitsstunden, teils gegen Bezahlung, teils ehrenamtlich. Die Arbeitsstunde sei bislang mit 8,50 Euro vergütet worden. Seit Mitte letzten Jahres zahle man aber zehn Euro. Im Gegenzug habe man 13 Euro von den Leuten verlangt, die Hilfe brauchten; das sei mit elf Euro deutlich günstiger geworden.

Anja Straßer leitet das Helfernetzwerk mit etwa 20 Helfern, die rund 90 Stunden im Monat unterwegs seien. »Sie greifen hilfsbedürftigen Kirchanschöringern bei Haus- und Gartenarbeiten unter die Arme; helfen beim Winterdienst, geben Nachhilfeunterricht oder leisten einfach nur Gesellschaft.« Über weitere Helfer würde man sich freuen, betonte Straßer, die alle lobte, »die immer so zuverlässig da sind«.

An die zurückliegende Arbeit erinnert

Alle Fäden laufen bei Birner zusammen. Er berichtete über die Arbeit der Vorstandschaft. So waren die vergangenen 13 Monate von einer enormen Dynamik und Arbeitsintensität geprägt. Verein und Kommune seien durch seine Dreifach-Funktion eng verbandelt. Birner betonte, die »große Zeit des Vereins« komme erst, wenn das Haus mit Leben gefüllt werden müsse. Im November habe man das ambulant betreute Wohnen vorgestellt. »Die Resonanz war überwältigend und äußerst motivierend«, so Birner.

Es sei eine komplexe Aufgabe gewesen, alle Förderungen so abzustimmen, dass es am Ende gepasst habe. Dies sei aber gut gelungen. Schließlich legte man im November/Dezember das Baufeld frei mit dem Abriss des alten Pfarrhauses. Am 13. März begann der Bau. Mit dem Bagger kam der Archäologe, »der aber glücklicherweise nichts fand, was den Bau verzögert hätte«. Mittlerweile sind der Keller und die Bodenplatte des Osttraktes fertig. Auf dieser Seite betoniere man in den nächsten Tagen die Erdgeschoßdecke. Im Juli wolle die Gemeinde dann Richtfest feiern. ca