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Im Jahr 1918: Spanische Grippe und Hunger im Landkreis Traunstein

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100 Jahre Novemberrevolution
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Kampf gegen hunger und Grippe. Foto: dpa/Symbolbild Foto: dpa

Während in München die Monarchie hinweggefegt worden war und neue politische Kräfte das Sagen hatten, musste die Bevölkerung in Traunstein mit den Auswirkungen dieser Revolution umgehen. Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und die Sicherstellung der Ernährung der Stadt- und Landbevölkerung mussten nun nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung von den Bürgern sichergestellt werden.


Auch im Chiemgau war die Lebensmittelversorgung schlecht. Dass die Versorgung der Bevölkerung kein leichtes Unterfangen sein würde, macht Traunsteins Bürgermeister Dr. Georg Vonficht in seinem Aufruf im Traunsteiner Wochenblatt vom 9. November 1918 deutlich, nur durch Recht und Ordnung »wahren wir uns eine geregelte, gleichmäßige Lebensmittelversorgung.«

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Die kurz nach Ausbruch des Krieges von den Briten errichtete Blockade deutscher Häfen bestand auch nach Kriegsende und verschärfte die Versorgung mit Lebensmitteln im ganzen Reich immer weiter. Auch im ländlich geprägten Traunstein blieb dies nicht ohne Spuren. Die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln hatte zur Folge, dass der Stadtmagistrat im TWB vom 8. November bekannt gab, dass der Fremdenverkehr, das heißt, ein Aufenthalt von mehr als drei Tagen, vollständig verboten ist. Nahrungsmittel wie Honig gibt es nur mehr auf ärztliches Rezept, und nur, solange der Vorrat reicht.

Auch wurde in der Zeitung immer wieder zum Sammeln von Bucheckern aufgefordert – »wollt ihr Oel, dann sammelt Bucheckern«. Ein besonders fleißiger Sammler aus Gollenshausen fand in der Ausgabe des TWB vom 6. November 1918 Erwähnung, »der bereits 2 Zentner Bucheckern ablieferte und hierfür 9 Pfund Speiseöl erhält.« Doch es gab auch Hoffnungsschimmer, so verkündet das TWB am 13. November 1918: »Die nächste Woche nicht fleischlos! Wie die Bayer. Fleischversorgungsstelle mitteilt, kommt die fleischlose Woche vom 18. bis 24. November in Wegfall. Es darf also Fleisch an die versorgungsberechtigte Bevölkerung abgegeben werden.«

Nicht nur Mangelernährung, auch die »Spanische Grippe«, die im Jahr 1918 grassierte, setzte den Chiemgauern zu. Im TWB finden sich regelmäßig Meldungen wie diese: »An den Folgen der Grippe starb gestern die Telegraphengehilfsfrau Rosa Hofmann, 30 Jahre alt. Ein 8jähr. Sohn ist ihr vor einigen Tagen im Tode vorangegangen; 4 Kinder stehen an der Bahre der Mutter (...)«. Oftmals ließ die Spanische Grippe Kinder als Vollwaisen zurück, wie diese Nachricht deutlich macht: »Im Tode vereint: Heute nachts 12 Uhr starb infolge der Grippe mit Lungenentzündung die ehrengeachtete Frau Anna Mittermeier, Oekonomenswitwe zum Thannreiter in Kammer nach nur 5tägigem, schwerem Leiden. Am letzten Sonntag geleitete sie noch die irdische Hülle ihres Mannes zur letzten Ruhe und heute liegt auch sie auf der Totenbahre, 4 kleine Waislein zurücklassend.« Die Grippe rief aber auch Geschäftsleute auf den Plan, die ganz ungeniert für »Zimmerdesinfektion zur Vorbeugung der Grippe« warben. vew

Der dritte Teil der Serie widmet sich der Bildung der Soldaten-, Arbeiter- und Bauernräte in Traunstein.