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Im Bann der Nordlichter und Wasserfälle

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Sven Herdt mit seiner Fotografie vom Wasserfall Dettifoss. (Foto: Mergenthal)

Traunstein – Fantasievolle Details in Sven Herdts kleinem Häuschen in Vorauf bei Siegsdorf zeigen, dass der jugendlich wirkende Mann ein echter Kosmopolit ist. Sven Herdts Herz schlägt für das Reisen – und für die Naturfotografie. So hängt im Flur in einem Rahmen aus altem Holz mit Eisenrost-Spuren der Druck einer alten Island-Karte. Eine Auswahl von etwa 20 seiner Island-Fotografien zeigt Sven Herdt kommende Woche in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus. Vernissage ist am Montag um 19 Uhr.


Aufgewachsen in der Nähe von Fridolfing, verbrachte er seine Kindheit viel in der Natur und drehte in seiner Jugend gerne Videos von seinen Freunden beim Snowboarden. Zur Fotografie kam er eher durch Zufall, weil er nach der Schule eine Lehrstelle brauchte. Bei einem Fotografen in Laufen war gerade eine frei. Darüber hinaus erlernte Sven Herdt einen sozialen Beruf, Heilerziehungspfleger.

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Seit dem Alter von 20 Jahren reist er viel durch die Welt, die Kamera immer mit im Gepäck. Er war in etwa 50 Ländern in fast allen Kontinenten bis auf Nordamerika und Australien. Von Frühling bis Herbst ist er auf Reisen und leitet unterwegs Foto-Reisen und -Workshops. Im Winter ist er jeweils bei der Lebenshilfe in verschiedenen Vertretungen tätig. »Es ist immer wieder ganz gut, daheim runter zu kommen«, verrät er schmunzelnd.

Vor dreieinhalb Jahren hat er sein Herz an Island verloren, und zwar gleich auf doppelte Weise: In seiner bayerischen Heimat lernte er seine isländische Freundin Dagmar kennen, die bereits seit sie zehn Jahre alt ist, in Deutschland lebt. Unabhängig davon hatte er sich bereits vorher mit seinem Freund zu seiner ersten Island-Fahrt verabredet – und war hin und weg, als er das kleine Land mit seinen Wasserfällen, Nordlichtern, schroffen Bergen und Geysiren erstmals sah. »Von der Natur her ist es einfach wahnsinnig, so klein und so kontrastreich!«

Für seine Island-Fotografie »Cold Water«, die mehrere in einen klaren kalten See mündende, durch längere Belichtung sehr weich wirkende Wasserfälle zeigt, erhielt er bereits mehrere Preise, zuletzt beim Wettbewerb des Vereins für Tier und Naturfotografie Österreich den ersten Preis in der Kategorie Landschaft. In Island stellte er schon mehrmals aus.

Auf der Suche nach seinen Motiven ist Sven Herdt abseits der Touristenpfade unterwegs. Er bewegt sich im Sommer am liebsten an den ruhigeren Westfjorden und im Winter, wenn weniger Leute nach Island reisen, auch im Süden. Vier Stunden lang verweilte er außerhalb der Saison am »Dettifoss«, dem größten Wasserfall Islands im Nordosten des Landes. »Ich tu oft einfach nur genießen, finde es wichtig, sich in die Atmosphäre eines Ortes reinzufühlen«, betont er. Dann werden die Fotos seiner Erfahrung nach auch anders. Sonst nehme man die Landschaft immer nur durch den Sucher wahr und frage sich daheim, was man überhaupt gesehen hat.

Vom Geothermalfeld bis zu tanzenden Nordlichtern

Groß ist die in Traunstein präsentierte Bandbreite, darunter auch ganz neue Bilder von diesem November. »Our Planet« zeigt ein Geothermalfeld mit aufgesprungener Erde und einem goldenen Streifen am Horizont unter dunklen Wolken. Auch einen Papageientaucher in der Felswand, Küstenseeschwalben in Bewegung, tanzende Nordlichter oder die Lichtspiele der durch die Wolken brechenden Sonne an den Bergen hat Herdt auf die Linse gebannt.

Von Dienstag bis Donnerstag ist die Ausstellung, in der auch vier Island-Bilder von Michael Reibert zu sehen sind, jeweils von 11 bis 20 Uhr geöffnet. vm

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