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Ilse Aigner ging mit – Horst Seehofer kam zur letzten Station

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Auch der Spaß kam bei der Hauptalmbegehung nicht zu kurz: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) schoss bei einer Rast auf der Erlbergalm ein Erinnerungsfoto – und zwar vom Alm-bauernsohn Simmerl Schnaiter.
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Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (links) und Landrat Hermann Steinmaßl diskutierten ebenfalls über die Agrarpolitik.
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Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) marschierte bei der Hauptalmbegehung schnellen Schrittes voran.
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Ministerpräsident Horst Seehofer (Mitte) war erstmals bei der Hauptalmbegehung dabei – allerdings kam er erst zur letzten Station und informierte sich beim Landtagsabgeordneten Klaus Steiner (rechts) und beim Miesbacher Landrat Jakob Kreidl.
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Auch musikalisch wurde bei der Hauptalmbegehung einiges geboten: Auf der Hefteralm sangen diese vier Geschwister für die vielen Besucher. Die Tanzlmusi der Musikschule Grassau war ebenfalls vor Ort. (Fotos: Gießen)

Mit rund 1000 Teilnehmern war die Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) ein voller Erfolg – es waren so viele Teilnehmer wie noch nie (wir berichteten). Auch die Politiker kamen in Scharen. Erstmals in der 66-jährigen Geschichte der Hauptalmbegehungen war auch der Ministerpräsident dabei. Horst Seehofer kam auf die Rachelalm.


Bundeswirtschaftsministerin Ilse Aigner nahm von Beginn an der Almbegehung teil. In diesem Jahr wurde vom Adersberg aus gestartet, dorthin wurden die Wanderer mit 17 Bussen vom Parkplatz an der Hochplattenbahn gekarrt. Von da ging es über die Reifenbergalm, die Untere und Obere Lindlalm, zur Herren-, Erlberg-, Maurer- und Moieralm bis zur Hefteralm. Auch das Wetter spielte mit – es war warm, aber nicht zu heiß.

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Bergbauern arbeiten unter schwierigsten Bedingungen

Ilse Aigner betonte die hohe Bedeutung der Almwirtschaft für Gesellschaft, Natur und Tourismus. »Die harte Arbeit der Almbauern hilft, die einmalige Artenvielfalt in den Berggebieten zu erhalten und gleichzeitig die Gefahren der Natur zu mindern«, sagte sie. Aigner erinnerte, dass die Bergbauern unter schwierigsten Bedingungen arbeiten, sodass es auch in Zukunft von größter Bedeutung sei, dass sie Unterstützung durch die Politik bekommen. Den Kritikern am Wegebau in den Bergen empfahl sie, doch mal selber die notwendigen Sachen auf die Almen zu bringen, denn »vom gscheit Daherreden kommt das Zeug net rauf«, sagte sie.

Die Organisation der Almbegehung lag in den Händen von Michael Hinterstoißer, Geschäftsführer des AVO. Georg Mair, Vorsitzender des AVO, betonte, dass die Grundlage der erfolgreichen Almwirtschaft jahrzehntealte Strategien seien, wie sie zum Beispiel auch sein Vorgänger im Amt, der ebenso anwesende Franz Steindlmüller, verfolgt habe. Mair wandte sich gegen »irgendwelche schnellen »Weltverbesserungsstrategien«, sondern empfahl, auf das Altbewährte zu setzen.

In seinem Grußwort betonte der CSU-Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner, dass ein ständiger »Abwehrkampf« zugunsten der Almbauern geführt werde. Die Almwirtschaft werde oft »unter Generalverdacht gestellt«, die Umwelt zu schädigen.

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Walter Heidl, forderte die Verantwortlichen auf, genügend Mittel bereitzustellen, um die Almbauern zu fördern. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sprach allen Almbauern »Dank und Respekt« dafür aus, dass sie die Tradition der Almbewirtschaftung aufrecht erhalten. Wenn man die wunderbare Umgebung sehe und der »reinen, feinen Volksmusik« lausche (auf allen Raststationen spielten Volksmusikgruppen auf), müsse einem das Herz aufgehen. Auch er sprach sich für »besondere Rahmenbedingungen« und »maßgeschneiderte Lösungen« für die Kulturlandschaft auf den Almen aus. Damit sei letztlich auch den Verbrauchern gedient.

Ministerpräsident versprach seine persönliche Hilfe

Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller stellte den Forstbetrieb Ruhpolding mit einer Fläche von 34 000 Hektar vor, davon 28 000 Hektar Wald. Insgesamt gebe es hier 89 Pacht- und Berechtigungsalmen. Ein Grußwort sprach auch Ministerialrat Alfons Leitenbacher, der das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein vorstellte. Im Bundesgebiet bewirtschaften rund 14 600 Bergbauernbetriebe über 300 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche, mehr als zwei Drittel davon in Bayern: Hier sind es rund 10 000 Betriebe und 240 000 Hektar Land. Davon sind rund 40 5000 Hektar Lichtweideflächen, die zu fast 1400 Almen und Alpen gehören. Nach der Statistik werden jedes Jahr mehr als 50 000 Rinder, davon 4500 Milchkühe, 3200 Schafe und 1000 Pferde auf die Almen gebracht.

Auf der letzten Station der Almbegehung stieg auch Ministerpräsident Horst Seehofer mit Frau Karin zu den Almwanderern. Als einer der ersten Redner stellte Bezirksalmbauer Josef Sichler vom Großrachelhof in Grassau die Rachelalm mit rund 20 Hektar Grund vor. Sie wird seit Jahrzehnten von seiner Familie bewirtschaftet. Sichler stellte sich entschieden gegen jede Art von Gentechnik.

Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, »nicht nur der Landkreis Traunstein ist gentechnikfrei, sondern der ganze Freistaat Bayern und bleibt es auch«. Wenn er mit Blick auf den anwesenden Pfarrer Andreas Horn vom Pfarrverband Grassau das Bayernland nicht als Paradies bezeichnen wolle, so sei es in jedem Fall »eine Vorstufe zum Paradies«. »Der Herrgott war die Basis, aber dass es so schön geblieben ist, verdanken wir Euch«, so der Ministerpräsident. Nicht Gesetze und Verordnungen hätten das Land so erfolgreich werden lassen, sondern »die ehrliche Arbeit der Bäuerinnen und Bauern über Generationen hinweg«, hob er hervor.

In den letzten Jahren sei Bayern durch Zuzug um 1,5 Millionen Menschen gewachsen. Das zeige die Sehnsucht der Menschen nach Heimat und unverdorbener Landschaft. Auf die auch von Landrat Hermann Steinmaßl angesprochenen Probleme bei der Genehmigung von Erschließungswegen zu den Almen versprach Seehofer seine persönliche Hilfe. Wenn es irgendwo ein Problem mit der Regierung von Oberbayern gebe, solle man sich an ihn wenden.

Ilse Aigner hatte das letzte Wort. Sie selbst habe – teilweise auch gegen die Kanzlerin ein genfreies Bayern durchgedrückt. Zu der EU-Agrarreform für die nächste Förderperiode, die sich nun in der Endphase befindet, sagte sie, dass Deutschland eindeutig zu den Gewinnern der Agrarreform zähle. 1,2 Milliarden Euro hätten unter anderem als Ausgleichszulage für Berggebiete gesichert werden können.

Auch an die Hochwasseropfer wurde gedacht

Die umstrittenen, von der EU-Kommission geforderten pauschalen Flächenstilllegungen seien ebenso vom Tisch wie Kürzungspläne, bei denen bis zu 30 Prozent der Direktzahlungen weggefallen wären und damit viele Bergbauernbetriebe gefährdet hätten. Dass mehr als die Hälfte der Verbraucher auf regionale Produkte achten, hielt Aigner für eine große Chance der Bergbauern. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz habe ein »Regionalfenster« entwickelt, das nach der Erprobungsphase ab Herbst vom Handel eingeführt werde. Damit sei eine transparente Kennzeichnung regionaler Produkte gewährleistet.

Zum Abschluss wurden zwei von Holzbetrieben gespendete Holztische mit den zugehörigen Bänken und den Autogrammen von einigen Politikern versteigert. Der Erlös soll den Hochwasseropfern im Achental zugute kommen. gi