Ihre Fragen zum Thema Impfen: Beantwortet von Dr. Herbert Bruckmayer – Teil 2

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Mit welchen Risiken und Nebenwirkungen sind bei der Coronaimpfung zu rechnen? Dr. Herbert Bruckmayer steht den Fragen der Leser des Traunsteiner Tagblatts Rede und Antwort. Foto: dpa

In der zweiten Fragerunde des Traunsteiner Tagblatts zum Thema Impfen beantwortet Dr. Herbert Bruckmayer, medizinischer Leiter des Impfzentrums in Altenmarkt, weitere Fragen. Unter anderem geht er darauf ein, wie Allergiker mit der Impfung umgehen sollen oder warum man derzeit eine Einverständniserklärung unterschreiben muss, wenn man sich impfen lassen will.


»Ich bin 78 Jahre alt und habe keine Milz und Galle mehr. Auch fehlt mir ein kleines Stück Bauchspeicheldrüse. Soll ich mich impfen lassen?« Leserin Anneliese S.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Ja, es ist sogar besonders wichtig, weil Sie durch die fehlende Milz für Viruseffekte anfälliger sind.«

»Ich bin 62 Jahre alt, Allergiker (Birkenpollenallergie, ein paar Lebensmittelkreuzallergien, überstandene Wespengiftallergie) und kenne das Verhalten meines Immunsystems, auch aus früheren Impfungen, z.B. gegen FSME-Viren recht genau. Erfahrungsgemäß spielt mein Immunsystem ab dem Beginn der Birkenpollensaison ein wenig verrückt (ca. März-April) und ich halte die Auswirkungen mit immunsystemdämpfenden Mitteln unter Kontrolle. Ist es deswegen denkbar noch bis ca. Ende Februar, also vor dem Start »meiner Pollen« geimpft zu werden?« Leser Manfred M.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Es wäre sinnvoll, aufgrund der momentanen Impfsituation, jedoch leider nicht möglich. Ich darf Ihnen deshalb ein Abwarten in den Herbst empfehlen.«

»Ich bin seit über 16 Jahren nierentransplantiert und nehme Cellcept und Advagraf gegen die Organ-Abstoßung. Im Juni werde ich 70. Mit welchem Impfstoff darf ich ggf. geimpft werden und zu welcher Gruppe gehöre ich, wann darf ich geimpft werden?« Leserin Elisabeth N.-K.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Sie dürfen mit jedem zugelassenen Impfstoff geimpft werden, der Ihre beiden immunsupprimierenden Medikamente nicht ausschließt. Sie gehören vor der Impfung sicher zur Priorisierungsgruppe 1, diese Priorisierung wird aber vom Impfprogramm der bayerischen Staatsregierung durchgeführt.«

»Welche validen Daten gibt es zur Wirkdauer der Impfung? Die Angaben schwanken von (nur) fünf Monaten bis eineinhalb Jahren. Ist eine Auffrischungsimpfung erforderlich und wenn ja, nach welchem Zeitraum? Wenn Sie sämtliche Impfkapazitäten des Landkreises ausschöpfen – vorausgesetzt der Impfstoff ist verfügbar – wie lange dauert es Ihrer Meinung nach, bis alle Impfwilligen des Landkreises die Doppelimpfung erhalten haben? Gibt es dann Überschneidungen mit eventuell benötigten Auffrischungsimpfungen, was zu weiteren Verzögerungen führen könnte?« Leser Paul K.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Diese Fragen zur Wirkungsdauer kann Ihnen seriös leider noch niemand beantworten, da erst seit dem Sommer im Rahmen der Studien Impfungen durchgeführt werden. Dies wird sich daher im Verlauf des nächsten Jahres ergeben. Bezüglich der Durchimpfung rechnet man bei den jetzt vorhandenen Impfstoffen mit circa drei Jahre, da aber neue, einfacher zu handhabende Impfstoffe zu erwarten sind, wird die Durchimpfung etwa ein Jahr dauern. Diese Frage zur Auffrischung kann ich nicht seriös beantworten, da aktuell niemand weiß, ob Auffrischungen notwendig sind.«

»Ich (79) reagiere allergisch auf Nahrungshaltbarkeitsmittel. Nur durch vorherige Einnahme von »Lorano akut 10 mg Tabletten« kann ich die nach vier Stunden auftretenden erheblichen Beschwerden wie Nesselfieber bis hin zu Atembeschwerden vermeiden. Ist in meinem Fall eine Coronaimpfung machbar und sinnvoll?« Leser Reinhold B.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Die Impfung hat ein leicht erhöhtes Risiko, ist aber machbar. Eventuell empfiehlt es sich, vor der Impfung Lorano aktut einzunehmen, das würde das Impfergebnis nicht verschlechtern.«

»Ich bin eine AGS-Patientin mit Salzverlust. Deswegen habe ich noch nie eine Impfung erhalten. Darf ich mich jetzt gegen Corona impfen bzw. muss auf was Besonderes geachtet werden?« Leserin Bernadette R.

Dr. Herbert Bruckmayer: »In Ihrem Fall sind mir keine Kontraindikationen bekannt.«

»Soviel ich weiß, beinhaltet der Corona-Impfstoff Nanopartikel. Nanopartikel können, da so winzig, bekanntlich die Hirnschranke passieren. Stimmt das? Wenn ja, ist dann als Langzeitwirkung ein Anstieg von Demenzerkrankungen zu erwarten bzw. kann das zu 100 Prozent ausgeschlossen werden?« Anonym gestellte Frage

Dr. Herbert Bruckmayer: »Die Dosis der in den Muskel indizierten mRNA ist so gering, dass eine Verteilung im gesamten Körper unwahrscheinlich ist. Auch werden die mRNA-Partikel nach wenigen Tagen abgebaut und damit die Eiweißproduktion der Virusproteine eingestellt. Somit ist keine Langzeitwirkung im Sinne einer Demenzerkrankung zu erwarten.«

»Ich leide am Takayasu-Syndrom (Aortenbogen-Syndrom), Gefäßentzündung der Schlagadern, Chronischer Polyarthritis, Myxomatöse Verdickung des vorderen Mitralsegel (Herzklappe), Anamnestisch Hashimoto und Hypercholesterinämie. Mein Hauptproblem bezüglich der Corona Impfung ist, dass bei dem Medikament RoActemra bei Einnahme (Spritze) bereits sämtliche Impfungen gemacht werden sollten. Wie verhält sich der Corona-Impfstoff mit diesem Medikament? Kann ich mich impfen lassen? Welche Gefahren bzw. Nebenwirkungen sind gegeben? Als Kleinkind wurde ich gegen Pocken geimpft. Hierbei wäre ich fast gestorben. Es ist aber nicht geklärt, ob ich den Impfstoff nicht vertragen habe oder einen Infekt in mir hatte. Kann dies auch bei dem Corona Impfstoff eintreten? Welche Auswirkungen haben Blutverdünner auf die Impfung?« Leserin Renate M.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Gegen eine Impfung ist nichts einzuwenden. Neben­wirkungen sind nicht zu erwarten, die einzige Gefahr ist eine nicht ausreichende Wirkung der Impfung. Der Corona-Impfstoff ist deutlich verträglicher als die Pockenimpfung, da diese damals mit lebenden Viren durchgeführt wurde. Es spricht also nichts gegen eine Impfung gegen Corona. Auf die Impfung selbst keine, allenfalls eine Lokalreaktion in Form eines Blutergusses.«

»Warum muss man vor der Impfung gegen Corona eine Einverständniserklärung unterschreiben? Geht es dabei um die Haftung? Bei anderen Impfungen z.B. Tetanus usw. muss man das nicht.« Anonym gestellte Frage

Dr. Herbert Bruckmayer: »Da diese Impfung noch sehr neu ist, gelten strengere Auflagen.«

»Ich habe an einem Oberarm ein Metallimplantat und am anderen Oberarm keine Lymphdrüsen mehr. Kann man sich außer am Oberarm noch an einer anderen Stelle gegen Corona impfen lassen?« Leser Toni O.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Im Prinzip ja, ist aber von der Firma aus Sicherheitsgründen nicht gewünscht. Da es sich um sehr wenig Flüssigkeit und eine sehr dünne Nadel handelt, ist es kein Problem an dem Oberarm mit der Metallplatte zu impfen. Den Arm mit den fehlenden Lymphdrüsen sollte man nicht benutzen.«

»Meine Eltern (Vater 81, Mutter 79) haben beide Vorerkrankungen. Mein Vater hat Gicht/Rheuma, künstliche Hüften und Kniegelenke und nimmt folgende Medikamente ein: Ramipril, Acetylsalicylsäure, Atorvastatin, Allopurinol, Diclofenac und Zolpidem. Meine Mutter hat eine Autoimmunerkrankung (Fibromyalgie) und nimmt zwei mg Kortison pro Tag ein. Sollten sich meine Eltern impfen lassen?« Leserin Sabine L.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Keines der Medikamente widerspricht einer Impfung. Auch die Erkrankungen Ihrer Eltern sprechen für eine Impfung.«

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