Ihre Fragen zum Thema Impfen: Beantwortet von Dr. Herbert Bruckmayer – Teil 1

Impfung in Frankreich
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Foto: Fred Tanneau/AFP/dpa

Welche Nebenwirkungen sind bei Vorerkrankungen oder einer bestimmten Medikation zu erwarten, wenn man sich gegen das Coronavirus impfen will – eine Vielzahl an Fragen haben die Redaktion nach dem ersten Aufruf erreicht. Dr. Herbert Bruckmayer, medizinischer Leiter des kommunalen Impfzentrums in Altenmarkt, steht dazu Rede und Antwort. Da Sie, liebe Leserinnen und Leser, zum Teil sehr persönliche Angaben gemacht haben, hat sich die Redaktion entschlossen, die Fragen ohne Angaben des vollen Namens zu veröffentlichen.


»Der Biontech/Pfizer-Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden – der von Moderna nur bei minus 20 Grad. Beides sind gentechnisch hergestellte mRNA-Impfstoffe. Wurde der Moderna-Impfstoff durch ein zusätzliches Verfahren oder die Beigabe eines Konservierungsmittels haltbar gemacht? Haben diese, sofern Konservierungsmittel hinzugefügt wurden, eine Nebenwirkung?« Leser Karl H.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Es sind definitiv keine anderen Konservierungsmittel verwendet worden. Es handelt sich hierbei lediglich um ein anderes Verfahren. Dies bezieht sich auf die Fettbläschen, welche unterschiedlich sind und daher unterschiedlich gekühlt werden müssen.«

»Ich bin 100 Prozent schwerbehindert und Diabetiker. Einen Schlaganfall mit Erblindung des rechten Auges sowie einen Herzinfarkt sowie zwei Krebsoperationen habe ich überlebt. Ich nehme nachfolgende Medikamente und möchte wissen, ob ich mich aufgrund der Risiken und Nebenwirkungen impfen lassen kann: Phenprocoumon Ais 3 mg, Bisohexal 2,5 mg, Candesartan 1A Pharma, Amlodipin - 1 A Pharma 5 mg, Pantoprazol-ratiopharm 20 mg, Gabepentin AL 100 mg.« Leser Franz K.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Leidlich Marcumar stellt hier ein Impfhindernis dar. Es darf keine Kontraindikation vorhanden sein. Die INR-Säure darf bei maximal 2,8 liegen. Über 2,8 erfolgt keine Impfung. Hierbei ist ein Test durch den Hausarzt erforderlich, der nicht älter als 14 Tage sein darf.«

»Bedingt durch meinen Heuschnupfen leide ich seit Jahren auch an etlichen extremen Kreuzallergien, zum Beispiel gegen Stein- und Kernobst, Tomaten, Hülsenfrüchte, Tomaten, Nüsse uvm. Kann ich mich trotzdem bedenkenlos impfen lassen?« Leserin Susanne Z.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Ein leicht erhöhtes Risiko besteht bei diesem Impfstoff in Verbindung mit Ihrer Allergie. Eine Impfung ist jedoch möglich. Mögliche Spätfolgen eines mRNA-Impfstoffs sind gleichzusetzen mit denen, die eine Covid-19-Infektion auslösen würden.«

»Angeblich werden in Bayern Patienten, die regelmäßig den Blutverdünner Marcumar einnehmen, nicht geimpft, weil ein möglicher blauer Fleck an der Einstichstelle von den Patienten als Nebenwirkung des Impfstoffs angesehen werden könnte und dadurch andere Menschen von der Impfung abgehalten werden. Stellt die Einnahme von Marcumar ein Impfhindernis dar?« Leser Jürgen B.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Nein, solange der INR-Wert nicht größer als 2,8 ist, kann die Person geimpft werden. Der Impfstoff muss Intramuskulär gegeben werden, daher gibt es eine erhöhte Blutungsgefahr. Der Wert wird durch einen Hausarzt bestimmt. Der Test darf hierbei nicht älter als 14 Tage sein.«

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Dr. Herbert Bruckmayer, Arzt an den Kliniken Südostbayern und medizinischer Leiter des Impfzentrums in Altenmarkt, beantwortet Ihre Leserfragen. (Foto: Kliniken SOB)

»Kann ich mich ohne Probleme Impfen lassen, obwohl ich wegen verschiedener Vorerkrankungen das Medikament Elipuis als Blutverdünnung täglich einnehmen muss.« Leser Robert H.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Ja, Sie können sich impfen lassen. Sie müssen nur die Einstichstelle etwas länger mit dem Finger drücken.«

»Ich bin 76 Jahre, möchte mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin und habe folgende Fragen zur Impfung und die eventuellen Nebenwirkungen bei meinen verschiedenen Vorer-krankungen wie: COPD, Asthma, chronische Bronchitis mit viel Husten, immer wieder Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen, essenzieller Tremor, Allergien gegen Pollen (Bäume: Erle, Hasel, Birke, Buche) Gräser, Rauch, Staub, Gerüche, Hausstaub, Nüsse, Äpfel, Karotten usw. sowie Weichteilrheuma-Fibromyalgie, Arthrose, Spinalkanalstenose, hochgradige Osteopenie, Aneurysma in der Leiste, an der Hauptvene. Kann ich mich impfen lassen und wenn ja, welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?« Leserin Gerda Z.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Sie haben aufgrund Ihrer Allergien ein etwas erhöhtes Risiko, auf die Impfung allergisch zu reagieren. Sollten Sie bisher, die Grippeimpfung gut vertragen haben, würde ich Ihnen empfehlen, sich impfen zu lassen.«

»Ich hätte gerne gewusst, ob man geimpft werden darf, wenn man bereits einen anaphylaktischen Schock hatte bei einer Medikamentenallergie?« Anonym gestellte Frage

Dr. Herbert Bruckmayer: »Hier besteht ein deutlich erhöhtes Risiko. Die einzigen ernstzunehmenden, allergischen Reaktionen sind bei Patienten aufgetreten, die bereits eine Anaphylaxie hatten.«

»Wie schaut die Alternative zum Impfen aus? Gibt es bei Bluthochdruck Unterschiede, je nachdem welches Medikament man einnimmt?« Leser Rainer S.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine sinnvolle Alternative zum Impfen. Bezüglich der Impfung gibt es keine Unterschiede, welche Medikamente man bei Bluthochdruck nimmt.«

»Kann man als Geimpfter noch weiterhin das Virus übertragen? Oder kann man sicher sein, dass keine Ansteckungsgefahr mehr für andere besteht?« Leserin Maria K.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Ob man als Geimpfter das Virus übertragen kann, ist bisher noch nicht in letzter Konsequenz geklärt, wird aber zunehmend als unwahrscheinlich eingestuft. Bisher kann man nicht sicher sein, dass keine Ansteckungsgefahr mehr für andere besteht, wenn man geimpft ist.«

»Ich leide an der Autoimmunerkrankung Hashimoto und nehme L-Tyroxin (50 mg/Tag) – stellt das Coronavirus für mich ein Risiko dar und sind Nebenwirkungen mit der Impfung zu erwarten?« Anonym gestellte Frage

Dr. Herbert Bruckmayer: »Der Impfstoff stellt kein Risiko für Sie da. Die Nebenwirkungen entsprechen weitgehend den Grippeimpfungen.«

»Ich bin 72 Jahre, habe einen Ausweis mit 60 Prozent Schwerbehinderung, hatte bereits zwei diagnostizierte Lungenembolien und nehme neben Blutdrucksenkern auch seit 20 Jahren Blutverdünner (jetzt Xarelto). Gehöre ich zur Risikogruppe? In welche Impfgruppe werde ich eingestuft?« Leser Herbert U.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Sie gehören zur Risikogruppe, welche einen schweren Verlauf haben kann. Sie sind Impfgruppe 1 mit Grenze zur Impfgruppe 2.«

»Welche Unterschiede gibt es zwischen den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna bzw. Astra/Zeneca (Wirksamkeit, Funktionsweise)?« Anonym gestellte Frage

Dr. Herbert Bruckmayer: »Hauptunterschied besteht in der Lagerungsfähigkeit, sozusagen der Handhabung der Impfstoffe vor dem Spritzen. Hierbei wird mit unterschiedlicher Messenger-RNA gearbeitet. Der von Astra/Zeneca ist ein Vektor-Impfstoff. Hierbei wird ein für den Menschen ungefährlicher Virus gespritzt, der gentechnisch verändert wurde. Dieser Virus bildet unter anderem das Eiweiß für die Antikörper gegen Covid-19.«

»Es gibt zwei Impfstoffe auf der Basis mRNA und evtl. ab Februar/März einen von Astra/Zeneca, der einen Vektorimpfstoff bietet. Wir würden uns beide nur für den mRNA-Impfstoff entscheiden, da wir bei Grippeimpfungen mit Vektorimpfstoffen keine positiven Erfahrungen gemacht haben. Dürfen wir auswählen und wenn nicht, warum nicht?« Waltraud und Rudolf M.

Dr. Herbert Bruckmayer: »Sie dürfen nicht auswählen. Dies ist von der Regierung festgelegt, um eine möglichst schnelle und gerechte Verteilung zu ermöglichen. Wenn niemand Einfluss auf die Art des Impfstoffes hat, kann es nicht zu Bevorzugungen kommen.«

Fragen zu mobilen Impfteams

Auch Fragen zum Thema mobile Impfteams erreichten die Redaktion:

»Seit einem Unfall gehöre auch ich zu den Schwerbehinderten (60 Prozent). Ich bin 68 Jahre, habe 14 Behinderungen sowie Altersdiabetes. Ich wohne am Rande der Stadt Traunstein und habe keinen Führerschein und auch kein Auto. Kann oder darf das mobile Impfteam auch zu mir kommen oder muss ich darauf warten, dass ich mich bei meiner Hausärztin impfen lassen kann?« Leser Volker S.

»Meine Mutter ist 89, schwerbehindert, gehbehindert und ich pflege sie in ihrer Wohnung. Vor zwei Wochen bekam Sie eine schriftliche Einladung zum Impfen. Die Hotline war leider immer belegt. Wie kann meine Mutter zuhause geimpft werden, gibt es ein mobiles Team oder wird dafür ein Krankentransport nötig?« Leser Klaus B.

»Ich lebe in Schleching und für mich ist es schwierig, nach Altenmarkt zum Impfzentrum zu kommen. Wäre es möglich für impfberechtigte Senioren wie mich, dass man sich von mobilen Impfteams impfen lässt, wenn diese in einem Senioren-/Altenheim in Wohnortnähe zum Impfen kommen?« Leserin Christa M.

Dr. Herbert Bruckmayer antwortet auf vorangehende Fragen: »Nein, aktuell sind keine Hausbesuche möglich. Der Grund dafür: Der Impfstoff darf ausgelöst nicht mehr transportiert werden. Somit würden bei der Impfung einer Einzelperson fünf Impfdosen verloren gehen. Die momentan verwendeten Impfstoffe haben beide massive Transportbeschränkungen. Sie verlieren beim Transport ihre Wirksamkeit. Der Moderna-Impfstoff ist da noch empfindlicher, muss also immer in stationären Einrichtungen verimpft werden. Der Biontech-Impfstoff kann zumindest im gekühlten Zustand transportiert werden, jedoch nicht mehr, wenn er verdünnt ist. Da jede Phiole sechs Dosen enthält, müssten bei einer Einzelimpfung, die einen Ortswechsel verlangt, fünf Dosen verworfen werden. Es wird im Verlauf konventionelle Impfstoffe geben, mit denen ein Hausbesuch möglich ist. Aktuell sehen die Planungen nur die Heimbewohner vor. Dies war aus logistischen Gründen nicht anders lösbar. Es wird jedoch an Lösungen gearbeitet, um auch diesen Bevölkerungsgruppen ein Impfangebot machen zu können. Dies wird entsprechend in der Tagespresse kommuniziert, wie hier zu verfahren ist. Bis dahin bitten wir noch um ein wenig Geduld.« 

Auch Sie haben Fragen zum Thema Impfen unter gesundheitlichen und medizinischen Aspekten? Gerne leiten wir diese an Dr. Herbert Bruckmayer weiter. Fragen können Sie uns weiterhin an die Lokalredaktion per E-Mail lokales(at)traunsteiner-tagblatt.de mit dem Stichwort »Impfen« sowie per Post an die Lokalredaktion »Impfen«, Marienstraße 12, 83278 Traunstein schicken.

vew

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