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»Ihr seid uns sehr wichtig!«

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Traunreut. Mit Sorge betrachten die Wohlfahrtsverbände im Landkreis Traunstein die soziale Weiterentwicklung. »Wenn soziale Arbeit vor allem nach wirtschaftlichen Kriterien bewertet wird, so geht das immer auf Kosten der Schwächeren«, unterstrich Diakon Thomas Zugehör, Vorstand des Diakonischen Werks Traunstein und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände Traunstein bei einem Pressegespräch mit den Landratskandidaten im Wilhelm-Löhe-Heim Traunreut.


Die Vertreter der Wohlfahrtsverbände hatten eine Reihe von Fragen vorbereitet und wollten von den Kandidaten wissen, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie festlegen. Die Themenbereiche bewegten sich von der Armut über den Pflegebereich, Jugendhilfe, Bildungsfragen bis hin zur Behindertenhilfe. Wie dem Tenor der Kandidaten zu entnehmen war, liegt der Sozialbereich, der fast 60 Prozent des Landkreis-Gesamthaushaltes ausmacht, allen am Herzen. »Ihr seid uns sehr wichtig«, sagte der FW-Landratskandidat Andreas Danzer an die Vertreter der Wohlfahrtsverbände gerichtet. Fakt sei aber auch, dass vieles wünschenswert, aber nicht alles realisierbar sei.

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Im Bereich der Jugendhilfe forderte der CSU-Kandidat Siegfried Walch ein Umdenken. Das Geld, das der Landkreis zunächst einnehmen müsse, müsse in seinen Augen hier effizienter eingesetzt werden. Zusammen mit der Gesellschaft müsse es gelingen, die Schwächeren nicht am Rand hängen zu lassen. Nach Ansicht des SPD-Kandidaten Josef Kohnhäuser müsste bei der Jugendhilfe früh angesetzt werden und nicht erst dann, wenn das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen sei. Prävention sei das beste Mittel um auch die Menschen aufzufangen, die durch das Raster fallen. Damit sprach er die Menschen an, die sich zum Beispiel aufgrund einer psychischen Erkrankung in keine soziale Schiene einordnen lassen.

Helmut Kauer von der ÖDP sprach sich dafür aus, mehr in die Inhalte als in »Beton« zu investieren und Sepp Hohlweger von den Grünen war für eine Dezentralisierung der sozialen Dienstleistungen. Um die Werte wieder in den Griff zu bekommen und damit gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen, müsse die Dezentralisierung in welcher Form auch immer diskutiert werden.

Dass der Pflegekräftemangel auch im Landkreis Traunstein ein großes Thema ist, unterstrich der Geschäftsführer des Caritas-Zentrums Traunstein, Franz Burghartswieser. »Wir suchen dringend nach qualifizierten Leuten.« Auf die Frage, ob im Landkreis Traunstein eine Fachschule für Altenpflege geplant sei, hieß es, dass sich der Landkreis mit dieser Frage wohl beschäftige, es aber noch keine konkreten Anhaltspunkte gebe. Um diesen Beruf zu erlernen, der ohnehin unterbezahlt sei, gehöre Herzblut dazu, sagte Sepp Hohlweger.

Hinzu käme, dass die Auszubildenden einen Teil der Ausbildungskosten selber tragen müssten. Um diesen Beruf attraktiver zu machen, wäre die Einrichtung einer Altenpflegeschule in Traunstein oder in Traunreut ein Ansatz, der auch in den Augen von Andreas Danzer forciert werden sollte. In diesem Zusammenhang stellte er heraus, dass die Pflege in den Kreisaltenheimen sehr gut funktioniere, »besser als bei den Privaten«. ga