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»Ihr habt einen Beruf mit Zukunft gewählt«

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Katharina Hintermeier war Prüfungsbeste und gewann auch den Gestaltungswettbewerb. Bernhard Daxenberger, Vizepräsident des Fachverbandes Schreinerhandwerk, freute sich besonders über den Erfolg: Die Preisträgerin hat in seinem Betrieb ihre Ausbildung absolviert. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Eine würdige Festveranstaltung war die Freisprechung der Schreiner-Innung Traunstein in der vollbesetzten Aula der Staatlichen Berufsschule I in Traunstein. Dass die jungen Gesellen ihr Handwerk verstehen, zeigte sich eindrucksvoll auf den Stufen hinter der Bühne: Dort waren die Gesellenstücke der Prüflinge zu sehen, die von der Kompetenz und den gewonnen und angewandten Fähigkeiten der jungen Handwerker Zeugnis ablegten.


Im Rahmen der Festveranstaltung wurde auch der Fachoberlehrer Hans Schupfner geehrt und mit der Silbernen Ehrennadel des Schreinerverbands ausgezeichnet. Schupfner hat rund 36 Jahre an der BS  I gearbeitet und »unwahrscheinlich viele junge Menschen unterrichtet«, wie Obermeister Hans Kurfer ausführte, der selbst seine Schulzeit »unter« Schupfner verbracht hatte: »Er hat uns das Hobeln und Zinken beigebracht«, betonte er und würdigte die jahrzehntelange Mithilfe des Fachoberlehrers durch die Auszeichnung.

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»Sehr hohes Niveau in Traunstein«

Die Freisprechungsfeier wurde durch eine Reihe von Grußworten »aufgewertet«: So lobte der Vizepräsident des Fachverbandes Schreinerhandwerk Bayern, Bernhard Daxenberger, das »sehr hohe Niveau in Traunstein«. Dies gelte handwerklich wie auch gestalterisch, wovon man sich bei den Gesellenstücken selbst ein Bild machen konnte. Man kämpfe regional wie überregional um ausbildungswillige und -fähige Jugendliche, so Daxenberger weiter. Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser lobte das Duale Ausbildungssystem, in dem die Berufsschule und Innung wie auch die Ausbildungsbetriebe an einem Strang ziehen würden. Dass das Ziel, jungen Leuten zu einer fundierten Ausbildung zu verhelfen, »bestens erreicht wurde«, beweise die Freisprechung. Mit ihrer erfolgreichen Ausbildung hätten die jungen Gesellen »den Schlüssel zur Tür für eine positive Zukunft selbst in den Händen«.

Stadtrat Florian Schützinger betonte, dass die jungen Schreiner nun über ein sicheres berufliches Standbein verfügen würden, ganz nach dem Motto »Handwerk hat goldenen Boden«. »Gute handwerkliche Arbeit wird wertgeschätzt und ist auch in der heutigen Zeit sehr gefragt«, sagte Schützinger, selbst Schreinermeister, und fügte hinzu: »Die letzten drei Jahre haben sich rentiert – schön, dass wir fähigen Nachwuchs für unser Handwerk bekommen haben.« Den Erfolg der Jung-Gesellen aus Sicht der Schule beschrieb der Stellvertretende Schulleiter der BS I, Wolfgang Kurfer, ließ die dreijährige Lehrzeit Revue passieren, die mit einem Berufsgrundschuljahr Holztechnik begann, über Fertigkeiten am Computer mit CAD und CNC reichte und in der praktischen Ausführung von Innentüren, Treppen oder Fenster endete. »Ihr habt viel erfahren und gelernt. Ich hoffe und wünsche, dass ihr auf das Gelernte aufbauen könnt«, betonte er.

Offene Türen für gute Facharbeiter

Obermeister Kurfer betonte in seiner Ansprache zur Freisprechung, dass die Jung-Gesellen mit der nun bestandenen Prüfung Facharbeiter sein, die immer gebraucht würden. Daneben hätten sie als Schreiner einen der wenigen gestaltenden Berufe gewählt. »Unsere Branche hat Zukunft.« Gerhard Kotter, Stellvertretender Kreishandwerksmeister für den Landkreis Traunstein, sagte, dass alle durch das erfolgreiche Ablegen ihrer Prüfung zu einem gestandenen Fachmann geworden seien. Trotzdem sei sich weiterbilden nötig: »Lebenslanges Lernen ist ein 'Sesam öffne dich' für den beruflichen Erfolg«, sagte Kotter. Dabei brach er eine Lanze für das Handwerk: »In keinem anderen Wirtschaftszweig stehen Berufsethos und ehrenamtliches Engagement so hoch im Vordergrund wie im Handwerk.« Im Nachgang an seine Rede nahm er in einer kurzen und würdigen Zeremonie gemäß der Jahrhunderte alten Tradition die Freisprechung der jungen Facharbeiter vor.

In der Winterprüfung 2013 nahmen elf Prüflinge, davon fünf Lehrzeitverkürzer aus den Innungen Traunstein, Rosenheim und Mühldorf, sowie drei Holzfachwerker erfolgreich teil. In der Sommerprüfung 2013 haben 32 Schreiner-Auszubildende die Prüfung erfolgreich bestanden. Auch sieben Holzfachwerker (Notendurchschnitt 3,45) waren erfolgreich. Prüfungsbeste war Katharina Hintermeier vom Ausbildungsbetrieb Schreinerei Daxenberger, Seeon, vor Markus Egginger von der Schreinerei Thaler & Staudinger, Palling, und Alexander Mußner von der Schreinerei Schützinger, Traunstein. Aber auch Barbara Hell vom Diakonischen Werk Rosenheim und Stefan Wohlfart von der AWO, Waldkraiburg, erreichten Platzierungen, die besonders herausgestellt wurden. Die musikalische Umrahmung des Abends erfolgte durch die Bläsergruppe der Musikschule Grassau.

Prüfungsbeste gewann auch Gestaltungswettbewerb

Parallel zur Gesellenprüfung läuft seit einigen Jahren der Gestaltungswettbewerb »Die Gute Form«. Der vom Fachverband Schreinerhandwerk Bayern ausgeschriebene Wettbewerb findet zunächst auf Innungs-, dann auf Landes- und abschließend auf Bundesebene statt. Nun wurden die Preisträger bekannt gegeben. Zur Jury zählten Architekt Wolfgang Lechner aus Traunstein, Brigitte Fackler-Haberlander aus Traunstein, Waltraud Rachl aus Siegsdorf als Stellvertreterin für Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl sowie Gertrud und Hartmut Gabriel aus Siegsdorf. Am Ende entschied sich die Jury für das Schmuck- und Schminkbord von Katharina Hintermeier. Auf Platz zwei landete Quirin Heistracher mit einem Hängeschrank, Dritter wurde Alexander Mußner mit einem Schreibtisch. awi