weather-image
15°

IHK-Regionalausschuss legt Prioritätenliste fest

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Informierten über die Schwerpunkte des IHK-Regionalausschusses: Vorsitzender Nikolaus Binder und sein Stellvertreter Klaus Rutz. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – 17 Unternehmer aus dem Landkreis wurden im Frühsommer in den IHK-Regionalausschuss-Traunstein gewählt, der eines der 19 IHK-Gremien Bayerns ist. Über 13 000 Unternehmen im Landkreis Traunstein hatten die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben und ihr »Regionalparlament der Wirtschaft« mit zu bestimmen. Im September wurde dann aus den Mitgliedern die Führungsspitze gewählt, die den Ausschuss in den kommenden fünf Jahren vertreten soll (wir berichteten). Vorsitzender Nikolaus Binder und sein Stellvertreter Klaus Rutz (in Abwesenheit des weiteren stellvertretenden Vorsitzenden Thomas Eberl) gaben jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz einen Einblick über das Arbeitsprogramm der kommenden Halbdekade.


Dabei hat sich der Regionalausschuss, der die Interessen aus den Wirtschaftsbereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen vertritt, vier Schwerpunkte gesetzt: Standortentwicklung, Tourismus, Ausbildung und Integration sind die zentralen Themen, in denen man Akzente setzen und sich öffentliches Gehör verschaffen will. Man werde sich als IHK-Regionalausschuss überall dort einbringen, wo es die Interessen der Wirtschaft erfordern, machten die Ausschussvorsitzenden deutlich.

Anzeige

Eines der Kernthemen ist die Standortentwicklung, in die man sich beratend einbringen will. »Es darf nicht dem Zufall überlassen werden, in welche Richtung sich die Ortszentren mit dem Einzelhandel entwickeln«, betonte Vorsitzender Binder. Die Kommunen würden hier die Expertise der Unternehmen benötigen, man wolle mit den Kommunen zusammen die Entwicklung der Innenstädte mitgestalten. Dabei will man sich auch mit der Thematik Online-Handel auseinandersetzen, die dem Einzelhandel Chancen eröffne, gleichzeitig aber auch gerade den innerstädtischen Handel bedrohe. »Wir sind alle 'amazon-geschädigt', wir brauchen alles sofort« sagte Stellvertretender Vorsitzender Rutz. Dies gelte inzwischen nicht nur im privaten Bereich, sondern auch für die Industrie.

»Pro Berufsausbildung«

Auch in Fragen der Ausbildung und der Gewinnung neuer Fachkräfte wolle man Flagge zeigen und die Bemühungen verstärken – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass alleine zu Beginn des Ausbildungsjahres 370 Lehrstellen im Landkreis bei den Kammerunternehmen unbesetzt geblieben sind. Eine Lanze brach Binder für das duale Ausbildungssystem in Betrieb und Berufsschule, das »eines der besten in der Welt ist«. Die IHK wolle »pro Berufsausbildung« aktiv sein, ohne der Akademisierung entgegenzuwirken. Letztlich sehe man aber auch, dass die berufliche Bildung helfe, dass Menschen dauerhaft in der Region verwurzelt bleiben. Man habe darüber hinaus überproportional und erfolgreich versucht, Asylbewerber an die Ausbildung heranzuführen. Bis August seien in den Mitgliedsbetrieben im Landkreis 20 Ausbildungsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt worden. »Wir kümmern uns darum«, betonte der Vorsitzende auch die gesellschaftliche Verantwortung.

Klaren Handlungsbedarf sehe man in der weiteren Verbesserung der Infrastruktur, wie beispielsweise bei der Autobahn. Die reduzierte Priorität des Teilstücks Traunstein/ Siegsdorf bis zur Landesgrenze sei »sehr enttäuschend«. Wird dieses Stück im Bundesverkehrswegeplan doch nur mehr als »Weiterer Bedarf mit Planungsrecht« geführt, die weiteren Teilstücke der Ausbaustrecke jedoch sind mit der höchsten Priorisierungsstufe »Vordringlicher Bedarf« versehen.

Weg von der Kirchturm-Politik

Chancen sieht man auch im Ausbau des Tourismus' in der gesamten Chiemsee-Region. Das Ziel sei, »weg von der Kirchturm-Politik hin zu einer Verbesserung der Vernetzung der Angebote und Ressourcen«, waren sich Binder und Rutz einig. Der Kampf gegen die »Windmühlen der Bürokratie« habe kein Ablaufdatum. Man wolle hier insbesondere auf kommunaler und Landkreisebene tätig sein.

Weiter wolle man daran arbeiten, dass der Landkreis auch für neue Unternehmen ein attraktiver Standort sei. »Die Standortsuche in Traunstein ist nicht einfach«, betonte Binder, wobei man im gesamten Landkreis ähnliche Probleme habe, geeignete Gewerbegrundstücke zu finden. Rutz ergänzte: »Das Verständnis und die Akzeptanz bei der Bevölkerung müssen wachsen.« awi