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IG und Gemeinde ziehen bei der Hirschauer Bucht an einem Strang

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Bis heute erinnert das Treibholz in der Hirschauer Bucht an das Jahrhunderthochwasser Anfang Juni 2013. Ein Großteil des Schwemmgutes dürfte aber längst untergegangen beziehungsweise im Schlamm versunken sein. Der damals angeschwemmte Plastikmüll war vor etwa einem Jahr fachmännisch aus der Hirschauer Bucht entfernt worden. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Nachdem das Thema »Hirschauer Bucht« in den letzten Monaten, wenn überhaupt, nur am Ende der öffentlichen Sitzungen unter »Sonstiges« angesprochen worden war, stand es in der jüngsten Gemeinderatssitzung wieder auf der offiziellen Tagesordnung.


Das sei auch gut so, denn »wir müssen verhindern, dass das Thema wieder einschläft und wollen bei den zuständigen Behörden unsere Anliegen, Wünsche und Forderungen weiterhin mit Nachdruck deutlich machen«, betonten die Sprecher der »Interessensgemeinschaft Hirschauer Bucht« (IG), Rosa-Maria Multerer, Norbert Lohwieser und ihre IG-Kollegen unmittelbar nach der öffentlichen Sitzung.

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»Das Thema betrifft uns in Grabenstätt alle«

Zuvor waren ihre fünf Anträge auf Einleitung diverser Verfahren zur Rettung der Hirschauer Bucht auf breite Zustimmung gestoßen. Unterstützung hatte die IG schon bei der Antragstellung von Roman Metzner (CSU), Doris Biller (FWG), Andreas Lukas (FWG), Alois Binder (CSU), Alois Wiesholler (CSU) und Andreas Danzer (FWG) erfahren. »Wir als Gemeinde sind dafür zuständig, Anträge entgegenzunehmen und an die entsprechenden Behörden und Fachstellen weiterzuleiten«, betonte Bürgermeister Georg Schützinger und stellte klar, dass »uns das Thema in Grabenstätt alle betrifft«.

Klar sei aber auch, dass die Problematik »nicht in einem Ad-hoc-Verfahren gelöst werden kann, sondern von den zuständigen Fachbehörden zunächst ein wasserrechtliches Verfahren eingeleitet werden muss«. Den ersten drei Anträgen zufolge soll die Gemeinde die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens zur Rückverlegung der Deiche der Tiroler Ache und des Rothgrabens nördlich der Autobahn, die unverzügliche Beseitigung der Treibholzverstopfung des in die Hirschauer Bucht führenden Achenarms und, dass bei künftigen außergewöhnlichen Hochwässern das Treibholz östlich des Rothgrabens unverzüglich entfernt wird, beantragen.

Laut Antrag vier soll die Gemeinde beim Grundstückseigentümer, dem Landratsamt beziehungsweise den weiteren Behörden die Erlaubnis beantragen, Bewuchs und Absperrung am Ufer vor der erst an der Seekante beginnenden Kernzone der Hirschauer Bucht zu entfernen. Zudem heißt es dort, dass die Kernzonenschilder ausschließlich dort angebracht werden dürften, »wo sich tatsächlich die Kernzone befindet«. Mit Fotos versuchte die IG in ihrem zwölfseitigen Schreiben zu belegen, dass dies derzeit nicht überall der Fall sei.

Im fünften Antrag wird »ein Naturkundepavillon mit von dort ausgehenden Stegen« angeregt, »um die Natur des Achendeltas in kontrollierter Form für die Grabenstätter und deren Besucher erlebbar zu machen«. Dabei seien zunächst die Finanzierungsmöglichkeiten auf landes- und bundesstaatlicher sowie europäischer Ebene zu prüfen.

Ziele auf politischer Ebene weiterverfolgen

Laut IG sollten diese Ziele auch auf politischer Ebene weiterverfolgt werden, zunächst im Rahmen der am Samstag stattfindenden Chiemsee-Konferenz und mit einer an Landrat Siegfried Walch und die bayerische Umweltminister zu richtenden Petition.

Bevor der Beschlussvorschlag bei einer Gegenstimme von Anita Kohlbeck (SPD) abgesegnet wurde, sprach diese »von unerlaubten Eingriffen in die Kernzone des Naturschutzgebietes« und bezeichnete die Anträge als »nicht zulässig«. Da der Tourismus mit dem Chiemsee und der Hirschauer Bucht werbe, müsse man schauen, dass »das Schwemmgut da ganz rauskommt«, meinte Christl Stefanutti (CSU), die auch zweite Vorsitzende des Verkehrsvereins ist. Auch den von Doris Biller (FWG) angesprochenen pädagogisch wertvollen Naturpavillon könne sie nur unterstützen.

Gewisse Sachen könnten nach längeren Verfahren und unter Auflagen »auch in einem Naturschutzgebiet erlaubt werden«, meinte Schützinger und verwies auf den Beobachtungsturm Hirschauer Bucht, der so häufig frequentiert werde wie kein anderer am Chiemsee. Einigkeit bestand darin, dass alles »im Einklang mit der Natur« erfolgen müsste, wie es Alois Binder (CSU) formulierte. Andernorts funktioniere dies auch, so Binder.

»Wir wollen die Natur, aber auch den Zugang zum See«

Auf die Frage von Rudi Aigner (CSU), wie es nach Weiterleitung der Anträge weitergehe, meinte Schützinger, die Regierung von Oberbayern oder ein beauftragtes Planungsbüro werde ein Planfeststellungsverfahren erarbeiten, das dann als Grundlage für das Verfahren diene. Nach Beteiligung einer Vielzahl von Fachbehörden, müsse man dann entscheiden, »macht es Sinn oder keinen«, so Schützinger.

»Wir wollen die Natur haben, aber auch einen Zugang zum See«, forderte Andreas Danzer (FWG) und erinnerte daran, dass »die Grabenstätter einst bei der Kernzonenausweisung übergangen worden sind«. Man dürfe sich nicht der Illusion hingeben, dass man den einstigen Sandstrand wieder herstellen könne, dennoch müsse alles dafür getan werden, dass »der Verlandungsprozess gestoppt oder zumindest eingedämmt wird«, so Dritter Bürgermeister Maximilian Wimmer (CSU).

»Wir sind die einzige Chiemsee-Gemeinde, die keinen gefühlten Zugang zum See hat«, kritisierte Andreas Lukas (FWG). Schützinger erinnerte daran, dass die Gemeinde seit Jahrzehnten für den Erhalt des Seezugangs gekämpft habe. Dabei habe sie auch viel Geld in die Hand genommen. mmü