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Ideensammlung für Öko-Modellregion

Waging am See. Nun sind die Gemeinde Waging und mit ihr die weiteren Gemeinden rund um den See und im Salzachtal gefordert: Bis zum Oktober muss die Bewerbung beim Landwirtschaftsministerium vorliegen, wenn die Region »staatlich anerkannte Öko-Modellregion« werden möchte. Was in einer Bewerbung drinstehen könnte, davon wurde in der jüngsten Umweltausschusssitzung in Waging ein erster Eindruck vermittelt.


Anfang Oktober will man an die Öffentlichkeit gehen

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An Marlene Berger-Stöckl, die schon beim Interreg-IV-A-Programm mitgearbeitet hat, ist die Aufgabe übertragen worden, die Bewerbung auszuarbeiten, sie »zu organisieren und zu formulieren«, wie Bürgermeister Herbert Häusl das in einem Gespräch mit unserer Zeitung zusammenfasste. Dazu aber bleibt nicht wirklich viel Zeit. Vor Ende der Ferien passiert sowieso nichts mehr. Dann wird Berger-Stöckl die anderen Gemeinderäte mit dem Thema vertraut machen. Dann wollen sich laut Häusl die Bürgermeister intern zusammensetzen und ihre Überlegungen einfließen lassen. Dann werden nochmals die Gemeinderäte eingebunden, und wohl erst Anfang Oktober will man an die Öffentlichkeit gehen, das heißt, auf Bauernversammlung die möglichen Ideen und Projekte vortragen und diskutieren.

Dabei geht es nach Aussage von Bürgermeister Häusl »nicht nur um Kuh und Milch«, sondern es soll für die Region ein ganzheitlicher Ansatz gefunden werden. Ziel ist hier nicht in erster Linie die Reinhaltung des Sees. Vielmehr geht es, wie es in der Ausschreibung zur Öko-Modellregion steht, um die Stärkung des ökologischen Bewusstseins der Menschen in der Region und bei den politisch Verantwortlichen.

Mehr Beweidung und Streuobstinitiative als Ideen

Marlene Berger-Stöckl hatte in ihrer Ideensammlung eine Fülle an möglichen Punkten vorgestellt, die zu diesem Ziel hinführen sollen und die zunächst dazu führen sollen, dass die Waginger-See-Region überhaupt den Zuschlag bekommt, also eine von maximal fünf Öko-Modellregionen wird.

Da fanden sich in ihrer Präsentation Punkte wie: Fortbildung von Landwirten und Entwicklung eines regionalen Siegels in Hinblick auf gewässerschonendes Wirtschaften, Unterstützung umstellungswilliger Bauern, mehr Beweidung, Streuobstinitiative, Verwendung regional und biologisch erzeugter Lebensmittel in den öffentlichen Einrichtungen, Biofrühstück bei Urlaub auf dem Bauernhof, Aufbau einer Direktvermarkter-Plattform, Angebote für Ökotourismus, Förderung seltener heimischer Baumarten, Umsetzung von Gewässerentwicklungsplänen, Neuanlage von Rückhalte- und Pufferflächen, Gemeinschaftsfelder schaffen, den öffentlichen Gebäudebestand energieeffizient sanieren, das Fuß- und Radwegenetz sowie den öffentlichen Personennahverkehr starken.

Aus dieser ersten Stoffsammlung können sich die Gemeinden nun das eine oder andere herauspicken, was sie – wenn sie denn Öko-Modellregion werden – wirklich umsetzen wollen beziehungsweise zusätzliche eigene Projekte einbauen.

Ob es für solche Maßnahmen höhere Zuschüsse gibt als bereits jetzt im Agrarinvestitionsförderprogramm, konnte in der Umweltausschusssitzung nicht geklärt werden. Derzeit gibt es für Investitionen dieser Art Zuschüsse von 35 Prozent. Zudem wird für die Umsetzung solcher Maßnahmen eine Stelle geschaffen, die zu 75 Prozent vom Landwirtschaftsministerium bezuschusst wird.

Aufbau einer Direktvermarkter-Plattform?

Einer der Punkte aus Marlene Berger-Stöckls Ideenliste wurde in der Sitzung anhand eines Beispiels genauer erläutert: der Aufbau einer Direktvermarkter-Plattform nämlich. Elisabeth Widauer und Anton Bernauer stellten ihre Vermarktungsgenossenschaft »Region aktiv« vor, die mit den regional erzeugten Produkten von rund 40 Betrieben aus den Landkreisen der Region 18 eine Vielzahl an Geschäften beliefert. Dabei wurde festgestellt, dass die Nachfrage im Bereich von Gemüse und Salat aus der Region nicht befriedigt werden kann. Hier gebe es durchaus noch Nischen für landwirtschaftliche Betriebe. Bedauerlicherweise sei das Wissen darum aber nur wenig verbreitet: »Viele hören dann lieber auf«, meinte Anton Bernauer.

Marlene Berger-Stöckl appellierte dringend an die Gemeinden, die Bevölkerung mit einzubinden: »Auch die Leute müssen ihr Hirnschmalz einbringen und nicht nur nachher schimpfen.« Die Gemeinden müssten sich gut überlegen, wie man interessierte Bürger in das Verfahren einbinden kann. Ihr Appell: »Jeder, der einen Vorschlag hat, soll sich bei seiner Gemeinde rühren.« he